brechen, und für die Folgen eines eben so unsinnigen, als vergeblichen Widerstandes von Eurer Seite kann ich nicht einstehen; thut Jhr aber gutwillig, was ich befehle, so gelobe ich Euch, daß weder Euch noch den Euren irgend ein Leid zugefügt werden soll."
-- "Und wer seid Jhr," fragte der Gouver- neur, "der sich erdreistet, mir in meiner eigenen Re- sidenz Befehle zu ertheilen?"
-- "Ein Mann," versetzte Hieram, "der den von ihm ertheilten Befehlen Respect zu verschaffen weiß; der Name, denke ich, thut nichts zur Sache."
-- "Und ich bin ein Mann, der auf solche Weise ertheilten Befehlen selbst um den Preis seines Lebens niemals Folge leisten wird!" war Sir Johns zornige Antwort.
-- "Für Eure Person, Sir, thätet Jhr Recht daran, nicht zu gehorchen, und ich an Eurer Stelle würde wahrscheinlich eben so antworten, vorausge- setzt, daß ich nicht der Vater einer schönen Toch- ter und diese zugleich mit bedroht wäre," versetzte Hieram mit ruhigem Tone. "Glaubt Jhr es gegen Euer Kind verantworten zu können," fügte er hinzu, "daß Jhr uns zum Aeußersten treibt, uns zwingt, Gewalt gegen Euch und Euer Haus zu gebrauchen, gut, so vertheidigt Euch und rettet Eure Ehre, Eu- ren Ruf als tapfern Mann, auf Kosten der Ehre
brechen, und für die Folgen eines eben ſo unſinnigen, als vergeblichen Widerſtandes von Eurer Seite kann ich nicht einſtehen; thut Jhr aber gutwillig, was ich befehle, ſo gelobe ich Euch, daß weder Euch noch den Euren irgend ein Leid zugefügt werden ſoll.“
— „Und wer ſeid Jhr,“ fragte der Gouver- neur, „der ſich erdreiſtet, mir in meiner eigenen Re- ſidenz Befehle zu ertheilen?“
— „Ein Mann,“ verſetzte Hieram, „der den von ihm ertheilten Befehlen Reſpect zu verſchaffen weiß; der Name, denke ich, thut nichts zur Sache.“
— „Und ich bin ein Mann, der auf ſolche Weiſe ertheilten Befehlen ſelbſt um den Preis ſeines Lebens niemals Folge leiſten wird!“ war Sir Johns zornige Antwort.
— „Für Eure Perſon, Sir, thätet Jhr Recht daran, nicht zu gehorchen, und ich an Eurer Stelle würde wahrſcheinlich eben ſo antworten, vorausge- ſetzt, daß ich nicht der Vater einer ſchönen Toch- ter und dieſe zugleich mit bedroht wäre,“ verſetzte Hieram mit ruhigem Tone. „Glaubt Jhr es gegen Euer Kind verantworten zu können,“ fügte er hinzu, „daß Jhr uns zum Aeußerſten treibt, uns zwingt, Gewalt gegen Euch und Euer Haus zu gebrauchen, gut, ſo vertheidigt Euch und rettet Eure Ehre, Eu- ren Ruf als tapfern Mann, auf Koſten der Ehre
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brechen, und für die Folgen eines eben ſo unſinnigen,
als vergeblichen Widerſtandes von Eurer Seite kann
ich nicht einſtehen; thut Jhr aber gutwillig, was ich
befehle, ſo gelobe ich Euch, daß weder Euch noch
den Euren irgend ein Leid zugefügt werden ſoll.“
— „Und wer ſeid Jhr,“ fragte der Gouver-
neur, „der ſich erdreiſtet, mir in meiner eigenen Re-
ſidenz Befehle zu ertheilen?“
— „Ein Mann,“ verſetzte Hieram, „der den
von ihm ertheilten Befehlen Reſpect zu verſchaffen
weiß; der Name, denke ich, thut nichts zur Sache.“
— „Und ich bin ein Mann, der auf ſolche
Weiſe ertheilten Befehlen ſelbſt um den Preis ſeines
Lebens niemals Folge leiſten wird!“ war Sir Johns
zornige Antwort.
— „Für Eure Perſon, Sir, thätet Jhr Recht
daran, nicht zu gehorchen, und ich an Eurer Stelle
würde wahrſcheinlich eben ſo antworten, vorausge-
ſetzt, daß ich nicht der Vater einer ſchönen Toch-
ter und dieſe zugleich mit bedroht wäre,“ verſetzte
Hieram mit ruhigem Tone. „Glaubt Jhr es gegen
Euer Kind verantworten zu können,“ fügte er hinzu,
„daß Jhr uns zum Aeußerſten treibt, uns zwingt,
Gewalt gegen Euch und Euer Haus zu gebrauchen,
gut, ſo vertheidigt Euch und rettet Eure Ehre, Eu-
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Schoppe, Amalie: Der Prophet. Bd. 3. Jena, 1846, S. 122. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/schoppe_prophet03_1846/128>, abgerufen am 10.08.2024.
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