Hülfe zu leisten, während er selbst seine Capitulation, so gut es gehen wollte, mit den Feinden abschlösse, denn unter den obwaltenden Umständen noch an Ver- theidigung zu denken, wäre Unsinn gewesen.
Hieram, seiner Sache gewiß, und seiner von dem Propheten erhaltenen geheimen Jnstructionen ein- gedenk, sowohl Vater als Tochter mit der größesten Schonung zu behandeln, harrte indeß ruhig auf die Entscheidung und zügelte durch strenge Befehle die Ungeduld seiner Untergebenen, denen die Sache schon zu lange währte und die sich bereits anschickten, die Thüre mit Gewalt zu erbrechen.
Diese wurde endlich von Jnnen geöffnet und Sir John trat, zwar bleich, aber mit edler Haltung, Hieram entgegen, der sich ihm als den Anführer des Haufens zu erkennen gab.
-- "Jhren Degen, Sir, Sie sind mein Gefan- gener!" redete der Jrländer ihn an; "im Uebrigen rechnen Sie aber auf eine anständige Behandlung, denn dazu habe ich ausdrücklichen Befehl von Sir Joe erhalten."
-- "Jhr steht also im Dienste des Propheten?" fragte Sir John; "dies erklärt mir Alles!"
-- "Jhnen zu dienen, Sir, und ich denke, Sie können Gott dafür danken, denn schwerlich würden andere Feinde so glimpflich mit Jhnen umgegangen
Hülfe zu leiſten, während er ſelbſt ſeine Capitulation, ſo gut es gehen wollte, mit den Feinden abſchlöſſe, denn unter den obwaltenden Umſtänden noch an Ver- theidigung zu denken, wäre Unſinn geweſen.
Hieram, ſeiner Sache gewiß, und ſeiner von dem Propheten erhaltenen geheimen Jnſtructionen ein- gedenk, ſowohl Vater als Tochter mit der größeſten Schonung zu behandeln, harrte indeß ruhig auf die Entſcheidung und zügelte durch ſtrenge Befehle die Ungeduld ſeiner Untergebenen, denen die Sache ſchon zu lange währte und die ſich bereits anſchickten, die Thüre mit Gewalt zu erbrechen.
Dieſe wurde endlich von Jnnen geöffnet und Sir John trat, zwar bleich, aber mit edler Haltung, Hieram entgegen, der ſich ihm als den Anführer des Haufens zu erkennen gab.
— „Jhren Degen, Sir, Sie ſind mein Gefan- gener!“ redete der Jrländer ihn an; „im Uebrigen rechnen Sie aber auf eine anſtändige Behandlung, denn dazu habe ich ausdrücklichen Befehl von Sir Joe erhalten.“
— „Jhr ſteht alſo im Dienſte des Propheten?“ fragte Sir John; „dies erklärt mir Alles!“
— „Jhnen zu dienen, Sir, und ich denke, Sie können Gott dafür danken, denn ſchwerlich würden andere Feinde ſo glimpflich mit Jhnen umgegangen
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Hülfe zu leiſten, während er ſelbſt ſeine Capitulation,
ſo gut es gehen wollte, mit den Feinden abſchlöſſe,
denn unter den obwaltenden Umſtänden noch an Ver-
theidigung zu denken, wäre Unſinn geweſen.
Hieram, ſeiner Sache gewiß, und ſeiner von
dem Propheten erhaltenen geheimen Jnſtructionen ein-
gedenk, ſowohl Vater als Tochter mit der größeſten
Schonung zu behandeln, harrte indeß ruhig auf die
Entſcheidung und zügelte durch ſtrenge Befehle die
Ungeduld ſeiner Untergebenen, denen die Sache ſchon
zu lange währte und die ſich bereits anſchickten, die
Thüre mit Gewalt zu erbrechen.
Dieſe wurde endlich von Jnnen geöffnet und Sir
John trat, zwar bleich, aber mit edler Haltung,
Hieram entgegen, der ſich ihm als den Anführer des
Haufens zu erkennen gab.
— „Jhren Degen, Sir, Sie ſind mein Gefan-
gener!“ redete der Jrländer ihn an; „im Uebrigen
rechnen Sie aber auf eine anſtändige Behandlung,
denn dazu habe ich ausdrücklichen Befehl von Sir Joe
erhalten.“
— „Jhr ſteht alſo im Dienſte des Propheten?“
fragte Sir John; „dies erklärt mir Alles!“
— „Jhnen zu dienen, Sir, und ich denke, Sie
können Gott dafür danken, denn ſchwerlich würden
andere Feinde ſo glimpflich mit Jhnen umgegangen
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Schoppe, Amalie: Der Prophet. Bd. 3. Jena, 1846, S. 124. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/schoppe_prophet03_1846/130>, abgerufen am 10.08.2024.
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