nicht, und doch wäre es meine Pflicht, da ich ihm so vielen Dank schuldig bin."
Der Eintritt des Gouverneurs unterbrach ihr Geplauder. Er sah sehr ernst und sogar ungewöhn- lich bleich aus. Als er Arnolden die Hand zum Will- komm reichte, drückte er die seinige und sagte:
-- "Jch habe die eben so betrübenden, als wich- tigen Papiere gelesen, Sir, und bin sehr bewegt da- durch geworden. Der Blick in eine solche Tiefe des menschlichen Elends, des menschlichen Schmerzes, thut unendlich weh; doch danke ich Jhnen für die Mit- theilung dieser für mich und noch für viele Andere so wichtigen Actenstücke, indem sie mir Aufschluß über Dinge und Charactere gegeben haben, die zu kennen als bedeutender Gewinn betrachtet werden muß, be- sonders in der Stellung, worin ich mich befinde. Jch weiß jetzt, was ich zu thun, welche Maßregeln zu er- greifen habe und hoffe, daß Sie mir bei Allem hülf- reich zur Hand gehen werden, was zu thun mir nö- thig scheinen dürfte."
-- "Sie können auf meine Hingebung und Be- reitwilligkeit rechnen," versetzte Arnold.
-- "Jch danke Jhnen, Sir; aber jetzt lassen wir die Geschäfte ruhen, damit dieses Kind" -- er zeigte auf Floren -- "auch etwas von unserer Ge- sellschaft habe; denn sie versteht nichts davon und
nicht, und doch wäre es meine Pflicht, da ich ihm ſo vielen Dank ſchuldig bin.“
Der Eintritt des Gouverneurs unterbrach ihr Geplauder. Er ſah ſehr ernſt und ſogar ungewöhn- lich bleich aus. Als er Arnolden die Hand zum Will- komm reichte, drückte er die ſeinige und ſagte:
— „Jch habe die eben ſo betrübenden, als wich- tigen Papiere geleſen, Sir, und bin ſehr bewegt da- durch geworden. Der Blick in eine ſolche Tiefe des menſchlichen Elends, des menſchlichen Schmerzes, thut unendlich weh; doch danke ich Jhnen für die Mit- theilung dieſer für mich und noch für viele Andere ſo wichtigen Actenſtücke, indem ſie mir Aufſchluß über Dinge und Charactere gegeben haben, die zu kennen als bedeutender Gewinn betrachtet werden muß, be- ſonders in der Stellung, worin ich mich befinde. Jch weiß jetzt, was ich zu thun, welche Maßregeln zu er- greifen habe und hoffe, daß Sie mir bei Allem hülf- reich zur Hand gehen werden, was zu thun mir nö- thig ſcheinen dürfte.“
— „Sie können auf meine Hingebung und Be- reitwilligkeit rechnen,“ verſetzte Arnold.
— „Jch danke Jhnen, Sir; aber jetzt laſſen wir die Geſchäfte ruhen, damit dieſes Kind“ — er zeigte auf Floren — „auch etwas von unſerer Ge- ſellſchaft habe; denn ſie verſteht nichts davon und
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nicht, und doch wäre es meine Pflicht, da ich ihm
ſo vielen Dank ſchuldig bin.“
Der Eintritt des Gouverneurs unterbrach ihr
Geplauder. Er ſah ſehr ernſt und ſogar ungewöhn-
lich bleich aus. Als er Arnolden die Hand zum Will-
komm reichte, drückte er die ſeinige und ſagte:
— „Jch habe die eben ſo betrübenden, als wich-
tigen Papiere geleſen, Sir, und bin ſehr bewegt da-
durch geworden. Der Blick in eine ſolche Tiefe des
menſchlichen Elends, des menſchlichen Schmerzes, thut
unendlich weh; doch danke ich Jhnen für die Mit-
theilung dieſer für mich und noch für viele Andere ſo
wichtigen Actenſtücke, indem ſie mir Aufſchluß über
Dinge und Charactere gegeben haben, die zu kennen
als bedeutender Gewinn betrachtet werden muß, be-
ſonders in der Stellung, worin ich mich befinde. Jch
weiß jetzt, was ich zu thun, welche Maßregeln zu er-
greifen habe und hoffe, daß Sie mir bei Allem hülf-
reich zur Hand gehen werden, was zu thun mir nö-
thig ſcheinen dürfte.“
— „Sie können auf meine Hingebung und Be-
reitwilligkeit rechnen,“ verſetzte Arnold.
— „Jch danke Jhnen, Sir; aber jetzt laſſen
wir die Geſchäfte ruhen, damit dieſes Kind“ — er
zeigte auf Floren — „auch etwas von unſerer Ge-
ſellſchaft habe; denn ſie verſteht nichts davon und
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Schoppe, Amalie: Der Prophet. Bd. 3. Jena, 1846, S. 14. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/schoppe_prophet03_1846/20>, abgerufen am 10.08.2024.
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