Darauf erhob er sich plötzlich wieder; seine im- posante Gestalt richtete sich hoch empor; seine Wan- gen glühten, sein dunkles Auge schien Funken zu sprühen und mit einer Stimme, die in ihrer Voll- tönigkeit das ganze große Gebäude ausfüllte, verkün- dete er gleichsam jubelnd: Gott sei durch ihre Gebete erweicht, durch Reue und Buße versöhnt worden und das Reich der Mormons solle, wie von Anfang an bestimmt gewesen, trotz der Sünden Einzelner, die den göttlichen Zorn durch Zweifel und Ungehorsam auf sich geladen, das mächtigste von allen, die Mor- mons selbst zugleich das größeste und glücklichste Volk auf Erden werden, sofern sie fest hielten am Glau- ben und ohne Furcht den vielleicht bald herannahen- den Gefahren entgegengingen.
An alles Dieses wurden noch wahrhaft lächer- liche, nur auf die rohe, unwissende Menge berechnete Ceremonien geknüpft. Es wurden nämlich durch er- wählte Stellvertreter, die sich in ihrem Namen noch- mals in dem großen Taufbecken taufen lassen muß- ten, längst verstorbene Helden, als ein Cäsar, ein Alexander, ein Washington, Napoleon u. s. w. in den Bund und in die Gemeinschaft der Mormons aufge- nommen, damit ihre abgeschiedenen Geister im Fall der Noth den neuen Glaubensbrüdern Beistand leiste- ten. Kurz, es wurde Nichts von dem Propheten
Darauf erhob er ſich plötzlich wieder; ſeine im- poſante Geſtalt richtete ſich hoch empor; ſeine Wan- gen glühten, ſein dunkles Auge ſchien Funken zu ſprühen und mit einer Stimme, die in ihrer Voll- tönigkeit das ganze große Gebäude ausfüllte, verkün- dete er gleichſam jubelnd: Gott ſei durch ihre Gebete erweicht, durch Reue und Buße verſöhnt worden und das Reich der Mormons ſolle, wie von Anfang an beſtimmt geweſen, trotz der Sünden Einzelner, die den göttlichen Zorn durch Zweifel und Ungehorſam auf ſich geladen, das mächtigſte von allen, die Mor- mons ſelbſt zugleich das größeſte und glücklichſte Volk auf Erden werden, ſofern ſie feſt hielten am Glau- ben und ohne Furcht den vielleicht bald herannahen- den Gefahren entgegengingen.
An alles Dieſes wurden noch wahrhaft lächer- liche, nur auf die rohe, unwiſſende Menge berechnete Ceremonien geknüpft. Es wurden nämlich durch er- wählte Stellvertreter, die ſich in ihrem Namen noch- mals in dem großen Taufbecken taufen laſſen muß- ten, längſt verſtorbene Helden, als ein Cäſar, ein Alexander, ein Waſhington, Napoleon u. ſ. w. in den Bund und in die Gemeinſchaft der Mormons aufge- nommen, damit ihre abgeſchiedenen Geiſter im Fall der Noth den neuen Glaubensbrüdern Beiſtand leiſte- ten. Kurz, es wurde Nichts von dem Propheten
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Darauf erhob er ſich plötzlich wieder; ſeine im-
poſante Geſtalt richtete ſich hoch empor; ſeine Wan-
gen glühten, ſein dunkles Auge ſchien Funken zu
ſprühen und mit einer Stimme, die in ihrer Voll-
tönigkeit das ganze große Gebäude ausfüllte, verkün-
dete er gleichſam jubelnd: Gott ſei durch ihre Gebete
erweicht, durch Reue und Buße verſöhnt worden und
das Reich der Mormons ſolle, wie von Anfang an
beſtimmt geweſen, trotz der Sünden Einzelner, die
den göttlichen Zorn durch Zweifel und Ungehorſam
auf ſich geladen, das mächtigſte von allen, die Mor-
mons ſelbſt zugleich das größeſte und glücklichſte Volk
auf Erden werden, ſofern ſie feſt hielten am Glau-
ben und ohne Furcht den vielleicht bald herannahen-
den Gefahren entgegengingen.
An alles Dieſes wurden noch wahrhaft lächer-
liche, nur auf die rohe, unwiſſende Menge berechnete
Ceremonien geknüpft. Es wurden nämlich durch er-
wählte Stellvertreter, die ſich in ihrem Namen noch-
mals in dem großen Taufbecken taufen laſſen muß-
ten, längſt verſtorbene Helden, als ein Cäſar, ein
Alexander, ein Waſhington, Napoleon u. ſ. w. in den
Bund und in die Gemeinſchaft der Mormons aufge-
nommen, damit ihre abgeſchiedenen Geiſter im Fall
der Noth den neuen Glaubensbrüdern Beiſtand leiſte-
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Schoppe, Amalie: Der Prophet. Bd. 3. Jena, 1846, S. 41. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/schoppe_prophet03_1846/47>, abgerufen am 10.08.2024.
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