-- "Jhr hättet besser still halten sollen," hohn- lachte Joram; "gerade als ich abdrückte, verändertet Jhr Eure Stellung und die Kugel flog an Euch vor- bei. Ob mich das geärgert hat!" fügte er hinzu, "und der Spaß, der darauf folgte, war noch bit- terer; ich bin in meinem ganzen Leben nicht so dis- gustirt gewesen, als damals! Aber Ende gut, Alles gut: wir haben Euch, der Prophet wird mit unserm Eifer zufrieden seyn, und was er mit Euch vornehmen wird, geht uns nicht an."
Hieram hatte sich nicht in das Gespräch der Beiden gemischt; er war überhaupt kein Schwätzer und blieb auch bei dieser Gelegenheit seiner Natur ge- treu. Einen persönlichen Haß gegen Arnold hatte er überdies nicht, denn dieser war ihm ganz fremd, da er während des Aufenthalts desselben unter den Mor- mons in Jrland gewesen war und Werbungsgeschäfte für den Propheten betrieben hatte. Er begnügte sich also damit, die Befehle seines Gebieters in Ausfüh- rung zu bringen, ohne den Haß desselben, wie Joram, zu dem seinigen zu machen, und so trug dieser die Kosten der Unterhaltung auf dem langen Wege fast allein, denn auch Arnold beobachtete bald ein ver- ächtliches Schweigen gegen diesen Elenden, der in der Freude seines Herzens über den gelungenen Streich ungewöhnlich redselig war.
III. 6
— „Jhr hättet beſſer ſtill halten ſollen,“ hohn- lachte Joram; „gerade als ich abdrückte, verändertet Jhr Eure Stellung und die Kugel flog an Euch vor- bei. Ob mich das geärgert hat!“ fügte er hinzu, „und der Spaß, der darauf folgte, war noch bit- terer; ich bin in meinem ganzen Leben nicht ſo dis- guſtirt geweſen, als damals! Aber Ende gut, Alles gut: wir haben Euch, der Prophet wird mit unſerm Eifer zufrieden ſeyn, und was er mit Euch vornehmen wird, geht uns nicht an.“
Hieram hatte ſich nicht in das Geſpräch der Beiden gemiſcht; er war überhaupt kein Schwätzer und blieb auch bei dieſer Gelegenheit ſeiner Natur ge- treu. Einen perſönlichen Haß gegen Arnold hatte er überdies nicht, denn dieſer war ihm ganz fremd, da er während des Aufenthalts deſſelben unter den Mor- mons in Jrland geweſen war und Werbungsgeſchäfte für den Propheten betrieben hatte. Er begnügte ſich alſo damit, die Befehle ſeines Gebieters in Ausfüh- rung zu bringen, ohne den Haß deſſelben, wie Joram, zu dem ſeinigen zu machen, und ſo trug dieſer die Koſten der Unterhaltung auf dem langen Wege faſt allein, denn auch Arnold beobachtete bald ein ver- ächtliches Schweigen gegen dieſen Elenden, der in der Freude ſeines Herzens über den gelungenen Streich ungewöhnlich redſelig war.
III. 6
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— „Jhr hättet beſſer ſtill halten ſollen,“ hohn-
lachte Joram; „gerade als ich abdrückte, verändertet
Jhr Eure Stellung und die Kugel flog an Euch vor-
bei. Ob mich das geärgert hat!“ fügte er hinzu,
„und der Spaß, der darauf folgte, war noch bit-
terer; ich bin in meinem ganzen Leben nicht ſo dis-
guſtirt geweſen, als damals! Aber Ende gut, Alles
gut: wir haben Euch, der Prophet wird mit unſerm
Eifer zufrieden ſeyn, und was er mit Euch vornehmen
wird, geht uns nicht an.“
Hieram hatte ſich nicht in das Geſpräch der
Beiden gemiſcht; er war überhaupt kein Schwätzer
und blieb auch bei dieſer Gelegenheit ſeiner Natur ge-
treu. Einen perſönlichen Haß gegen Arnold hatte er
überdies nicht, denn dieſer war ihm ganz fremd, da
er während des Aufenthalts deſſelben unter den Mor-
mons in Jrland geweſen war und Werbungsgeſchäfte
für den Propheten betrieben hatte. Er begnügte ſich
alſo damit, die Befehle ſeines Gebieters in Ausfüh-
rung zu bringen, ohne den Haß deſſelben, wie Joram,
zu dem ſeinigen zu machen, und ſo trug dieſer die
Koſten der Unterhaltung auf dem langen Wege faſt
allein, denn auch Arnold beobachtete bald ein ver-
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Freude ſeines Herzens über den gelungenen Streich
ungewöhnlich redſelig war.
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Schoppe, Amalie: Der Prophet. Bd. 3. Jena, 1846, S. 81. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/schoppe_prophet03_1846/87>, abgerufen am 10.08.2024.
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