ter keinen Umständen, ein Bündniß mit der Lüge, dem Betruge und einem verwerflichen Ehrgeize ein- gehen."
-- "Wer sagt, wer verbürgt es Jhnen denn, daß meine Absichten verwerflich sind, nicht auf das wahre Wohl Derer hinzielen, die mir ihr Vertrauen schenken? Nur Gott sieht in das Herz der Men- schen, und Sie wollten sich erkühnen zu behaupten, das meinige erforscht zu haben?"
-- "Das kommt mir nicht in den Sinn; aber ich weiß genug, um auf immer mit Jhnen abge- schlossen zu haben. Haben Sie denn vergessen, Sir, daß ich aus Dina's Geständnissen Jhre ganze Ver- gangenheit kenne?"
Der Prophet erbleichte bei der Erwähnung Derer, an die das Andenken, trotz seiner in Laster und Sünden verhärteten Seele, ein schneidender Vorwurf für ihn war. Aber nur einen Augenblick beraubten Arnolds Worte ihn der Fassung, und schon nach wenigen Minuten war er ganz wieder Der, der er zuvor gewesen war.
-- "Aber Sie," sagte er nach einer kurzen Pause mit vorwurfsvollem Tone, "Sie, der Sie sich mit einer so strengen Tugend brüsten, wie konn- ten Sie es vor sich selbst verantworten, ein Jhnen geschenktes edles Vertrauen dahin zu mißbrauchen,
ter keinen Umſtänden, ein Bündniß mit der Lüge, dem Betruge und einem verwerflichen Ehrgeize ein- gehen.“
— „Wer ſagt, wer verbürgt es Jhnen denn, daß meine Abſichten verwerflich ſind, nicht auf das wahre Wohl Derer hinzielen, die mir ihr Vertrauen ſchenken? Nur Gott ſieht in das Herz der Men- ſchen, und Sie wollten ſich erkühnen zu behaupten, das meinige erforſcht zu haben?“
— „Das kommt mir nicht in den Sinn; aber ich weiß genug, um auf immer mit Jhnen abge- ſchloſſen zu haben. Haben Sie denn vergeſſen, Sir, daß ich aus Dina’s Geſtändniſſen Jhre ganze Ver- gangenheit kenne?“
Der Prophet erbleichte bei der Erwähnung Derer, an die das Andenken, trotz ſeiner in Laſter und Sünden verhärteten Seele, ein ſchneidender Vorwurf für ihn war. Aber nur einen Augenblick beraubten Arnolds Worte ihn der Faſſung, und ſchon nach wenigen Minuten war er ganz wieder Der, der er zuvor geweſen war.
— „Aber Sie,“ ſagte er nach einer kurzen Pauſe mit vorwurfsvollem Tone, „Sie, der Sie ſich mit einer ſo ſtrengen Tugend brüſten, wie konn- ten Sie es vor ſich ſelbſt verantworten, ein Jhnen geſchenktes edles Vertrauen dahin zu mißbrauchen,
<TEI><text><body><divn="1"><p><pbfacs="#f0098"n="92"/>
ter keinen Umſtänden, ein Bündniß mit der Lüge,<lb/>
dem Betruge und einem verwerflichen Ehrgeize ein-<lb/>
gehen.“</p><lb/><p>—„Wer ſagt, wer verbürgt es Jhnen denn,<lb/>
daß meine Abſichten verwerflich ſind, nicht auf das<lb/>
wahre Wohl Derer hinzielen, die mir ihr Vertrauen<lb/>ſchenken? Nur Gott ſieht in das Herz der Men-<lb/>ſchen, und Sie wollten ſich erkühnen zu behaupten,<lb/>
das meinige erforſcht zu haben?“</p><lb/><p>—„Das kommt mir nicht in den Sinn; aber<lb/>
ich weiß genug, um auf immer mit Jhnen abge-<lb/>ſchloſſen zu haben. Haben Sie denn vergeſſen, Sir,<lb/>
daß ich aus Dina’s Geſtändniſſen Jhre ganze Ver-<lb/>
gangenheit kenne?“</p><lb/><p>Der Prophet erbleichte bei der Erwähnung<lb/>
Derer, an die das Andenken, trotz ſeiner in Laſter<lb/>
und Sünden verhärteten Seele, ein ſchneidender<lb/>
Vorwurf für ihn war. Aber nur einen Augenblick<lb/>
beraubten Arnolds Worte ihn der Faſſung, und<lb/>ſchon nach wenigen Minuten war er ganz wieder<lb/>
Der, der er zuvor geweſen war.</p><lb/><p>—„Aber Sie,“ſagte er nach einer kurzen<lb/>
Pauſe mit vorwurfsvollem Tone, „Sie, der Sie<lb/>ſich mit einer ſo ſtrengen Tugend brüſten, wie konn-<lb/>
ten Sie es vor ſich ſelbſt verantworten, ein Jhnen<lb/>
geſchenktes edles Vertrauen dahin zu mißbrauchen,<lb/></p></div></body></text></TEI>
[92/0098]
ter keinen Umſtänden, ein Bündniß mit der Lüge,
dem Betruge und einem verwerflichen Ehrgeize ein-
gehen.“
— „Wer ſagt, wer verbürgt es Jhnen denn,
daß meine Abſichten verwerflich ſind, nicht auf das
wahre Wohl Derer hinzielen, die mir ihr Vertrauen
ſchenken? Nur Gott ſieht in das Herz der Men-
ſchen, und Sie wollten ſich erkühnen zu behaupten,
das meinige erforſcht zu haben?“
— „Das kommt mir nicht in den Sinn; aber
ich weiß genug, um auf immer mit Jhnen abge-
ſchloſſen zu haben. Haben Sie denn vergeſſen, Sir,
daß ich aus Dina’s Geſtändniſſen Jhre ganze Ver-
gangenheit kenne?“
Der Prophet erbleichte bei der Erwähnung
Derer, an die das Andenken, trotz ſeiner in Laſter
und Sünden verhärteten Seele, ein ſchneidender
Vorwurf für ihn war. Aber nur einen Augenblick
beraubten Arnolds Worte ihn der Faſſung, und
ſchon nach wenigen Minuten war er ganz wieder
Der, der er zuvor geweſen war.
— „Aber Sie,“ ſagte er nach einer kurzen
Pauſe mit vorwurfsvollem Tone, „Sie, der Sie
ſich mit einer ſo ſtrengen Tugend brüſten, wie konn-
ten Sie es vor ſich ſelbſt verantworten, ein Jhnen
geſchenktes edles Vertrauen dahin zu mißbrauchen,
Informationen zur CAB-Ansicht
Diese Ansicht bietet Ihnen die Darstellung des Textes in normalisierter Orthographie.
Diese Textvariante wird vollautomatisch erstellt und kann aufgrund dessen auch Fehler enthalten.
Alle veränderten Wortformen sind grau hinterlegt. Als fremdsprachliches Material erkannte
Textteile sind ausgegraut dargestellt.
Schoppe, Amalie: Der Prophet. Bd. 3. Jena, 1846, S. 92. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/schoppe_prophet03_1846/98>, abgerufen am 10.08.2024.
Alle Inhalte dieser Seite unterstehen, soweit nicht anders gekennzeichnet, einer
Creative-Commons-Lizenz.
Die Rechte an den angezeigten Bilddigitalisaten, soweit nicht anders gekennzeichnet, liegen bei den besitzenden Bibliotheken.
Weitere Informationen finden Sie in den DTA-Nutzungsbedingungen.
Insbesondere im Hinblick auf die §§ 86a StGB und 130 StGB wird festgestellt, dass die auf
diesen Seiten abgebildeten Inhalte weder in irgendeiner Form propagandistischen Zwecken
dienen, oder Werbung für verbotene Organisationen oder Vereinigungen darstellen, oder
nationalsozialistische Verbrechen leugnen oder verharmlosen, noch zum Zwecke der
Herabwürdigung der Menschenwürde gezeigt werden.
Die auf diesen Seiten abgebildeten Inhalte (in Wort und Bild) dienen im Sinne des
§ 86 StGB Abs. 3 ausschließlich historischen, sozial- oder kulturwissenschaftlichen
Forschungszwecken. Ihre Veröffentlichung erfolgt in der Absicht, Wissen zur Anregung
der intellektuellen Selbstständigkeit und Verantwortungsbereitschaft des Staatsbürgers zu
vermitteln und damit der Förderung seiner Mündigkeit zu dienen.
Zitierempfehlung: Deutsches Textarchiv. Grundlage für ein Referenzkorpus der neuhochdeutschen Sprache. Herausgegeben von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Berlin 2024. URL: https://www.deutschestextarchiv.de/.