für eine Verunstaltung desselben gelten soll. Wer bloß Laye ist, sieht an dem Aeußern des- selben nichts, als eine höhere Mauer, die so alt, so rostig, und eine niedrigere, die so zu- sammen gedrückt, so verwittert und benagt ist, daß sie ein Bild der Verwüstung vorstel- len könnte. Er hat wohl einmal davon gele- sen, aber was er las, nicht im Geiste des Al- terthums genommen; deshalb vermuthet er ein glattes, festes, majestätisches Werk, etwa nach altdeutscher Art von großen Werkstücken aufgeführt, zu sehen; aber er findet in diesen Mauern kleine, größere und große Steine durch einander gemengt und plump mit Mör- tel beworfen. Betritt er das Jnnere, so sieht er links und rechts gewölbte Gänge, die höchst unansehnlich sind, weil sie aus kleinen, run- den Steinen bestehen, zwischen welche der Mörtel abermals Klumpenweise hinein gewor- fen ist, und die eben so wenig berafft sind, als die Häuser in Peri. Die Kiesel, die nun schon seit Jahrhunderten unerschüttert an ein-
fuͤr eine Verunſtaltung deſſelben gelten ſoll. Wer bloß Laye iſt, ſieht an dem Aeußern deſ- ſelben nichts, als eine hoͤhere Mauer, die ſo alt, ſo roſtig, und eine niedrigere, die ſo zu- ſammen gedruͤckt, ſo verwittert und benagt iſt, daß ſie ein Bild der Verwuͤſtung vorſtel- len koͤnnte. Er hat wohl einmal davon gele- ſen, aber was er las, nicht im Geiſte des Al- terthums genommen; deshalb vermuthet er ein glattes, feſtes, majeſtaͤtiſches Werk, etwa nach altdeutſcher Art von großen Werkſtuͤcken aufgefuͤhrt, zu ſehen; aber er findet in dieſen Mauern kleine, groͤßere und große Steine durch einander gemengt und plump mit Moͤr- tel beworfen. Betritt er das Jnnere, ſo ſieht er links und rechts gewoͤlbte Gaͤnge, die hoͤchſt unanſehnlich ſind, weil ſie aus kleinen, run- den Steinen beſtehen, zwiſchen welche der Moͤrtel abermals Klumpenweiſe hinein gewor- fen iſt, und die eben ſo wenig berafft ſind, als die Haͤuſer in Peri. Die Kieſel, die nun ſchon ſeit Jahrhunderten unerſchuͤttert an ein-
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fuͤr eine Verunſtaltung deſſelben gelten ſoll.
Wer bloß Laye iſt, ſieht an dem Aeußern deſ-
ſelben nichts, als eine hoͤhere Mauer, die ſo
alt, ſo roſtig, und eine niedrigere, die ſo zu-
ſammen gedruͤckt, ſo verwittert und benagt
iſt, daß ſie ein Bild der Verwuͤſtung vorſtel-
len koͤnnte. Er hat wohl einmal davon gele-
ſen, aber was er las, nicht im Geiſte des Al-
terthums genommen; deshalb vermuthet er
ein glattes, feſtes, majeſtaͤtiſches Werk, etwa
nach altdeutſcher Art von großen Werkſtuͤcken
aufgefuͤhrt, zu ſehen; aber er findet in dieſen
Mauern kleine, groͤßere und große Steine
durch einander gemengt und plump mit Moͤr-
tel beworfen. Betritt er das Jnnere, ſo ſieht
er links und rechts gewoͤlbte Gaͤnge, die hoͤchſt
unanſehnlich ſind, weil ſie aus kleinen, run-
den Steinen beſtehen, zwiſchen welche der
Moͤrtel abermals Klumpenweiſe hinein gewor-
fen iſt, und die eben ſo wenig berafft ſind,
als die Haͤuſer in Peri. Die Kieſel, die nun
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Die "Neue Reise durch Italien" ist auch erschiene… [mehr]
Die "Neue Reise durch Italien" ist auch erschienen als 7. Heft der "Reise eines Livländers von Riga nach Warschau, durch Südpreußen, über Breslau [...] nach Bozen in Tyrol".
Schulz, Friedrich: Neue Reise durch Italien. Bd. 1, H. 1. Berlin, 1797, S. 100. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/schulz_italien_1797/108>, abgerufen am 15.09.2024.
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