ander kleben, scheinen ihm endlich auf den Kopf fallen zu wollen, und er schämt sich, daß er nicht einmal von einem stattlichen Quader- stein erschlagen werden soll. Der innere Umgang des Erdgeschosses ist ihm unerträg- lich schmutzig; er findet ihn voll Wasser; und die Ein- und Ausgänge der Arena sind ihm zu klein, und die Treppen zu enge nach Ver- hältniß des Ganzen. Eine bessere, aber keine große, Wirkung thut auf ihn die Arena selbst, mit den rund herum emporsteigenden Sitzen. Er verwundert sich über die aufgethürmte Steinmasse, aber er bewundert sie nicht; er hat, nach seiner Meynung, nicht den Genuß des Schönen und Großen. Die über einan- der gereiheten Sitze drücken sich, von der ent- gegen gesetzten Seite gesehen, ganz auf einan- der, und er bemerkt nichts, als eine Ring- mauer, in Absätzen aufgeführt. Und wie mö- gen, sagt er laut, die schmutzigen Füße dessen, der auf der nächsten Stufe über dem Andern saß, diesem zwischen den Schultern gespielt
ander kleben, ſcheinen ihm endlich auf den Kopf fallen zu wollen, und er ſchaͤmt ſich, daß er nicht einmal von einem ſtattlichen Quader- ſtein erſchlagen werden ſoll. Der innere Umgang des Erdgeſchoſſes iſt ihm unertraͤg- lich ſchmutzig; er findet ihn voll Waſſer; und die Ein- und Ausgaͤnge der Arena ſind ihm zu klein, und die Treppen zu enge nach Ver- haͤltniß des Ganzen. Eine beſſere, aber keine große, Wirkung thut auf ihn die Arena ſelbſt, mit den rund herum emporſteigenden Sitzen. Er verwundert ſich uͤber die aufgethuͤrmte Steinmaſſe, aber er bewundert ſie nicht; er hat, nach ſeiner Meynung, nicht den Genuß des Schoͤnen und Großen. Die uͤber einan- der gereiheten Sitze druͤcken ſich, von der ent- gegen geſetzten Seite geſehen, ganz auf einan- der, und er bemerkt nichts, als eine Ring- mauer, in Abſaͤtzen aufgefuͤhrt. Und wie moͤ- gen, ſagt er laut, die ſchmutzigen Fuͤße deſſen, der auf der naͤchſten Stufe uͤber dem Andern ſaß, dieſem zwiſchen den Schultern geſpielt
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ander kleben, ſcheinen ihm endlich auf den
Kopf fallen zu wollen, und er ſchaͤmt ſich, daß
er nicht einmal von einem ſtattlichen Quader-
ſtein erſchlagen werden ſoll. Der innere
Umgang des Erdgeſchoſſes iſt ihm unertraͤg-
lich ſchmutzig; er findet ihn voll Waſſer; und
die Ein- und Ausgaͤnge der Arena ſind ihm
zu klein, und die Treppen zu enge nach Ver-
haͤltniß des Ganzen. Eine beſſere, aber keine
große, Wirkung thut auf ihn die Arena ſelbſt,
mit den rund herum emporſteigenden Sitzen.
Er verwundert ſich uͤber die aufgethuͤrmte
Steinmaſſe, aber er bewundert ſie nicht; er
hat, nach ſeiner Meynung, nicht den Genuß
des Schoͤnen und Großen. Die uͤber einan-
der gereiheten Sitze druͤcken ſich, von der ent-
gegen geſetzten Seite geſehen, ganz auf einan-
der, und er bemerkt nichts, als eine Ring-
mauer, in Abſaͤtzen aufgefuͤhrt. Und wie moͤ-
gen, ſagt er laut, die ſchmutzigen Fuͤße deſſen,
der auf der naͤchſten Stufe uͤber dem Andern
ſaß, dieſem zwiſchen den Schultern geſpielt
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Die "Neue Reise durch Italien" ist auch erschiene… [mehr]
Die "Neue Reise durch Italien" ist auch erschienen als 7. Heft der "Reise eines Livländers von Riga nach Warschau, durch Südpreußen, über Breslau [...] nach Bozen in Tyrol".
Schulz, Friedrich: Neue Reise durch Italien. Bd. 1, H. 1. Berlin, 1797, S. 101. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/schulz_italien_1797/109>, abgerufen am 15.09.2024.
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