Es sind ihrer in Verona weder so viele, noch so prächtige, in Rücksicht des Aeußern und Jnnern, als verhältnißmäßig in andern großen italienischen Städten. Ein paar aus- genommen, schreiben sie sich alle aus dem 9ten, 11ten, 12ten, 13ten und 14ten Jahrhundert her. Sie sind größestentheils von Backsteinen aufgeführt; einige darunter zwar auch von Marmor, aber von dem gemeinsten aus der Nachbarschaft, und immer sind große Par- tien von Backsteinen dazwischen gemauert. Die Mauern selbst stehen in ihrer natürlichen Gestalt, unbeworfen, da; und Bauart, Faca- den, Thürme, Pfeiler und Gewölbe sind go- thisch, verschnörkelt und finster, und die darin befindlichen Bildhauereyen nicht durch ihre Ausführung sowohl, als vielmehr durch ihren Zweck merkwürdig, der dahin geht, das An- denken verdienter Männer aufzubewahren. Unter den Malereyen, die sie besitzen, sind merkwürdigere, besonders in Rücksicht des Anfangs und Fortgangs der Kunst; und die
Siebentes Heft. H
Es ſind ihrer in Verona weder ſo viele, noch ſo praͤchtige, in Ruͤckſicht des Aeußern und Jnnern, als verhaͤltnißmaͤßig in andern großen italieniſchen Staͤdten. Ein paar aus- genommen, ſchreiben ſie ſich alle aus dem 9ten, 11ten, 12ten, 13ten und 14ten Jahrhundert her. Sie ſind groͤßeſtentheils von Backſteinen aufgefuͤhrt; einige darunter zwar auch von Marmor, aber von dem gemeinſten aus der Nachbarſchaft, und immer ſind große Par- tien von Backſteinen dazwiſchen gemauert. Die Mauern ſelbſt ſtehen in ihrer natuͤrlichen Geſtalt, unbeworfen, da; und Bauart, Faça- den, Thuͤrme, Pfeiler und Gewoͤlbe ſind go- thiſch, verſchnoͤrkelt und finſter, und die darin befindlichen Bildhauereyen nicht durch ihre Ausfuͤhrung ſowohl, als vielmehr durch ihren Zweck merkwuͤrdig, der dahin geht, das An- denken verdienter Maͤnner aufzubewahren. Unter den Malereyen, die ſie beſitzen, ſind merkwuͤrdigere, beſonders in Ruͤckſicht des Anfangs und Fortgangs der Kunſt; und die
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Es ſind ihrer in Verona weder ſo viele,
noch ſo praͤchtige, in Ruͤckſicht des Aeußern
und Jnnern, als verhaͤltnißmaͤßig in andern
großen italieniſchen Staͤdten. Ein paar aus-
genommen, ſchreiben ſie ſich alle aus dem 9ten,
11ten, 12ten, 13ten und 14ten Jahrhundert
her. Sie ſind groͤßeſtentheils von Backſteinen
aufgefuͤhrt; einige darunter zwar auch von
Marmor, aber von dem gemeinſten aus der
Nachbarſchaft, und immer ſind große Par-
tien von Backſteinen dazwiſchen gemauert.
Die Mauern ſelbſt ſtehen in ihrer natuͤrlichen
Geſtalt, unbeworfen, da; und Bauart, Faça-
den, Thuͤrme, Pfeiler und Gewoͤlbe ſind go-
thiſch, verſchnoͤrkelt und finſter, und die darin
befindlichen Bildhauereyen nicht durch ihre
Ausfuͤhrung ſowohl, als vielmehr durch ihren
Zweck merkwuͤrdig, der dahin geht, das An-
denken verdienter Maͤnner aufzubewahren.
Unter den Malereyen, die ſie beſitzen, ſind
merkwuͤrdigere, beſonders in Ruͤckſicht des
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Die "Neue Reise durch Italien" ist auch erschiene… [mehr]
Die "Neue Reise durch Italien" ist auch erschienen als 7. Heft der "Reise eines Livländers von Riga nach Warschau, durch Südpreußen, über Breslau [...] nach Bozen in Tyrol".
Schulz, Friedrich: Neue Reise durch Italien. Bd. 1, H. 1. Berlin, 1797, S. 113. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/schulz_italien_1797/121>, abgerufen am 15.09.2024.
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