Auge umspannt mehrere Meilen in die Runde. Der See, worin Mantua liegt, tritt, von Westen her, in einem schönen Spiegel, der von Pappeln, Maulbeerbäumen und Cypres- sen beschattet wird, auf sie zu, und streckt zwey Arme um sie her aus. Die Stadt selbst hat man zu seinen Füßen und sie er- scheint fast so groß als Verona, nur ist ihre Gestalt mehr rund. Auch der große Fluß fehlt ihr, der Verona verschönert, und die Brücken darüber und die grünen, mit Cypres- sen und Weingärten besetzten, Terrassen. Zwar geht ein Arm des Mincio durch sie hin, aber er ist sehr schmal, und von den sechs Brücken, welche die Theile der Stadt, die er trennt, wieder verbinden, bemerkt man nichts.
Mantua hat, für seine Größe, eine auf- fallend geringe Bevölkerung. Noch in den letzten Jahren des vorigen Jahrhunderts, soll sie gegen 50,000 Einwohner gehabt haben, und dazu wäre sie noch geräumig genug;
Auge umſpannt mehrere Meilen in die Runde. Der See, worin Mantua liegt, tritt, von Weſten her, in einem ſchoͤnen Spiegel, der von Pappeln, Maulbeerbaͤumen und Cypreſ- ſen beſchattet wird, auf ſie zu, und ſtreckt zwey Arme um ſie her aus. Die Stadt ſelbſt hat man zu ſeinen Fuͤßen und ſie er- ſcheint faſt ſo groß als Verona, nur iſt ihre Geſtalt mehr rund. Auch der große Fluß fehlt ihr, der Verona verſchoͤnert, und die Bruͤcken daruͤber und die gruͤnen, mit Cypreſ- ſen und Weingaͤrten beſetzten, Terraſſen. Zwar geht ein Arm des Mincio durch ſie hin, aber er iſt ſehr ſchmal, und von den ſechs Bruͤcken, welche die Theile der Stadt, die er trennt, wieder verbinden, bemerkt man nichts.
Mantua hat, fuͤr ſeine Groͤße, eine auf- fallend geringe Bevoͤlkerung. Noch in den letzten Jahren des vorigen Jahrhunderts, ſoll ſie gegen 50,000 Einwohner gehabt haben, und dazu waͤre ſie noch geraͤumig genug;
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Auge umſpannt mehrere Meilen in die Runde.
Der See, worin Mantua liegt, tritt, von
Weſten her, in einem ſchoͤnen Spiegel, der
von Pappeln, Maulbeerbaͤumen und Cypreſ-
ſen beſchattet wird, auf ſie zu, und ſtreckt
zwey Arme um ſie her aus. Die Stadt
ſelbſt hat man zu ſeinen Fuͤßen und ſie er-
ſcheint faſt ſo groß als Verona, nur iſt ihre
Geſtalt mehr rund. Auch der große Fluß
fehlt ihr, der Verona verſchoͤnert, und die
Bruͤcken daruͤber und die gruͤnen, mit Cypreſ-
ſen und Weingaͤrten beſetzten, Terraſſen.
Zwar geht ein Arm des Mincio durch ſie
hin, aber er iſt ſehr ſchmal, und von den
ſechs Bruͤcken, welche die Theile der Stadt,
die er trennt, wieder verbinden, bemerkt man
nichts.
Mantua hat, fuͤr ſeine Groͤße, eine auf-
fallend geringe Bevoͤlkerung. Noch in den
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und dazu waͤre ſie noch geraͤumig genug;
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Kommentar zur DTA-Ausgabe
Die "Neue Reise durch Italien" ist auch erschiene… [mehr]
Die "Neue Reise durch Italien" ist auch erschienen als 7. Heft der "Reise eines Livländers von Riga nach Warschau, durch Südpreußen, über Breslau [...] nach Bozen in Tyrol".
Schulz, Friedrich: Neue Reise durch Italien. Bd. 1, H. 1. Berlin, 1797, S. 229. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/schulz_italien_1797/237>, abgerufen am 15.09.2024.
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