Becken, und zeigten den herrlichsten Fruchttrieb. Maulbeerbäume, oder Obstbäume, oder Mays, umkränzten ihre Ränder; Wiesen, die zum drit- tenmal die Sense erwarteten, grünten in ihrer Mitte. Die Berge zur Rechten waren unfrucht- bar, die zur Linken nicht alle, denn an vielen zogen sich Pflanzungen von Weinreben hoch hinan. Die zur Rechten liefen in Doppel- reihen wellenförmig fort, (ungefähr eben so, nur weit stattlicher, als die Berge bey Wiene- risch-Neustadt) und die hinteren ragten über die vorderen amphitheatralisch hervor. Man kömmt auf diesem Wege vor einer Menge von kleinen Häusern vorbey, die, niedriger oder höher, an dem Gehänge der Berge gleichsam schweben; und durch zwey mäßige Flecken, auf die ein dritter, Bransol, folgt, worin sich die nächste Post (2 M.) befindet.
Es begegneten mir diesen Morgen große Züge von Landleuten, die, in ihrem besten Putze, nach Botzen zum Jahrmarkte gingen. Dieser Putz hatte viel Abenteuerliches, und
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Becken, und zeigten den herrlichſten Fruchttrieb. Maulbeerbaͤume, oder Obſtbaͤume, oder Mays, umkraͤnzten ihre Raͤnder; Wieſen, die zum drit- tenmal die Senſe erwarteten, gruͤnten in ihrer Mitte. Die Berge zur Rechten waren unfrucht- bar, die zur Linken nicht alle, denn an vielen zogen ſich Pflanzungen von Weinreben hoch hinan. Die zur Rechten liefen in Doppel- reihen wellenfoͤrmig fort, (ungefaͤhr eben ſo, nur weit ſtattlicher, als die Berge bey Wiene- riſch-Neuſtadt) und die hinteren ragten uͤber die vorderen amphitheatraliſch hervor. Man koͤmmt auf dieſem Wege vor einer Menge von kleinen Haͤuſern vorbey, die, niedriger oder hoͤher, an dem Gehaͤnge der Berge gleichſam ſchweben; und durch zwey maͤßige Flecken, auf die ein dritter, Branſol, folgt, worin ſich die naͤchſte Poſt (2 M.) befindet.
Es begegneten mir dieſen Morgen große Zuͤge von Landleuten, die, in ihrem beſten Putze, nach Botzen zum Jahrmarkte gingen. Dieſer Putz hatte viel Abenteuerliches, und
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Becken, und zeigten den herrlichſten Fruchttrieb.
Maulbeerbaͤume, oder Obſtbaͤume, oder Mays,
umkraͤnzten ihre Raͤnder; Wieſen, die zum drit-
tenmal die Senſe erwarteten, gruͤnten in ihrer
Mitte. Die Berge zur Rechten waren unfrucht-
bar, die zur Linken nicht alle, denn an vielen
zogen ſich Pflanzungen von Weinreben hoch
hinan. Die zur Rechten liefen in Doppel-
reihen wellenfoͤrmig fort, (ungefaͤhr eben ſo,
nur weit ſtattlicher, als die Berge bey Wiene-
riſch-Neuſtadt) und die hinteren ragten uͤber
die vorderen amphitheatraliſch hervor. Man
koͤmmt auf dieſem Wege vor einer Menge von
kleinen Haͤuſern vorbey, die, niedriger oder
hoͤher, an dem Gehaͤnge der Berge gleichſam
ſchweben; und durch zwey maͤßige Flecken,
auf die ein dritter, Branſol, folgt, worin
ſich die naͤchſte Poſt (2 M.) befindet.
Es begegneten mir dieſen Morgen große
Zuͤge von Landleuten, die, in ihrem beſten
Putze, nach Botzen zum Jahrmarkte gingen.
Dieſer Putz hatte viel Abenteuerliches, und
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Die "Neue Reise durch Italien" ist auch erschiene… [mehr]
Die "Neue Reise durch Italien" ist auch erschienen als 7. Heft der "Reise eines Livländers von Riga nach Warschau, durch Südpreußen, über Breslau [...] nach Bozen in Tyrol".
Schulz, Friedrich: Neue Reise durch Italien. Bd. 1, H. 1. Berlin, 1797, S. 19. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/schulz_italien_1797/27>, abgerufen am 15.09.2024.
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