unterschied sich besonders durch die schreyenden Farben, die ohne alle Wahl, eine auf die an- dere geladen waren, und durch allerley Bän- derwerk, Einfassungen, bunte Näthe und Zwi- ckel, von dem Anzuge der angränzenden Kärn- thner, Krainer und Salzburger. Jch bemerk- te unter dem bunten Getümmel besonders vier Gattungen von Trachten: eine, für die Mädchen und jungen Weiber; die andere, für bejahrte Frauen; die dritte, für unverheura- thete junge, die vierte, für verheurathete äl- tere Männer und für Greise.
Die jungen Mädchen und Weiber erschie- nen entweder im bloßen Kopfe, das Haar in Flechten geschlagen, auf dem Wirbel in ein Nest gewunden und mit einer Nestelnadel be- festigt, oder in kleinen, runden, grünen, auch gelben, mit flatternden Bändern verzierten, Hüten, die sie leicht auf jenen Kopfputz ge- stülpt hatten. Brust und Schultern waren ganz bedeckt, theils durch den hohen und dicken Kra- gen des Kamisols, theils durch das steife Mie-
unterſchied ſich beſonders durch die ſchreyenden Farben, die ohne alle Wahl, eine auf die an- dere geladen waren, und durch allerley Baͤn- derwerk, Einfaſſungen, bunte Naͤthe und Zwi- ckel, von dem Anzuge der angraͤnzenden Kaͤrn- thner, Krainer und Salzburger. Jch bemerk- te unter dem bunten Getuͤmmel beſonders vier Gattungen von Trachten: eine, fuͤr die Maͤdchen und jungen Weiber; die andere, fuͤr bejahrte Frauen; die dritte, fuͤr unverheura- thete junge, die vierte, fuͤr verheurathete aͤl- tere Maͤnner und fuͤr Greiſe.
Die jungen Maͤdchen und Weiber erſchie- nen entweder im bloßen Kopfe, das Haar in Flechten geſchlagen, auf dem Wirbel in ein Neſt gewunden und mit einer Neſtelnadel be- feſtigt, oder in kleinen, runden, gruͤnen, auch gelben, mit flatternden Baͤndern verzierten, Huͤten, die ſie leicht auf jenen Kopfputz ge- ſtuͤlpt hatten. Bruſt und Schultern waren ganz bedeckt, theils durch den hohen und dicken Kra- gen des Kamiſols, theils durch das ſteife Mie-
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[20/0028]
unterſchied ſich beſonders durch die ſchreyenden
Farben, die ohne alle Wahl, eine auf die an-
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ckel, von dem Anzuge der angraͤnzenden Kaͤrn-
thner, Krainer und Salzburger. Jch bemerk-
te unter dem bunten Getuͤmmel beſonders
vier Gattungen von Trachten: eine, fuͤr die
Maͤdchen und jungen Weiber; die andere, fuͤr
bejahrte Frauen; die dritte, fuͤr unverheura-
thete junge, die vierte, fuͤr verheurathete aͤl-
tere Maͤnner und fuͤr Greiſe.
Die jungen Maͤdchen und Weiber erſchie-
nen entweder im bloßen Kopfe, das Haar in
Flechten geſchlagen, auf dem Wirbel in ein
Neſt gewunden und mit einer Neſtelnadel be-
feſtigt, oder in kleinen, runden, gruͤnen, auch
gelben, mit flatternden Baͤndern verzierten,
Huͤten, die ſie leicht auf jenen Kopfputz ge-
ſtuͤlpt hatten. Bruſt und Schultern waren ganz
bedeckt, theils durch den hohen und dicken Kra-
gen des Kamiſols, theils durch das ſteife Mie-
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Kommentar zur DTA-Ausgabe
Die "Neue Reise durch Italien" ist auch erschiene… [mehr]
Die "Neue Reise durch Italien" ist auch erschienen als 7. Heft der "Reise eines Livländers von Riga nach Warschau, durch Südpreußen, über Breslau [...] nach Bozen in Tyrol".
Schulz, Friedrich: Neue Reise durch Italien. Bd. 1, H. 1. Berlin, 1797, S. 20. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/schulz_italien_1797/28>, abgerufen am 15.09.2024.
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