Von Bransol aus bleiben Weg und Gegend wie auf dem vorigen Postlaufe. Das Thal verengert und erweitert sich wechselsweise, und die Becken, die es im letztern Falle bildet, sind immer noch fruchtbar und reizend. Maulbeer- und Obstbäume, Mayspflanzungen und Wie- sen verfolgen den Reisenden auf beyden Sei- ten, und es dauert bis zu dem Postflecken Neumarkt (2 M.) und von da bis zu einem ähnlichen Flecken, Salurn, (2 M.) auf diese Art fort.
Von Salurn aus wurde die Gegend, auf eine ziemliche Strecke, wieder wilder und stel- lenweise sogar fürchterlich. Am Ausgange han- gen einem schroffe Kalkfelsen entgegen, die von oben herab, bis zu ihrer Wurzel, zum Theil geborsten, zum Theil in ungeheuere Steinströ- me zerbröckelt sind: dennoch hat hier der Un- ternehmungsgeist der mittleren Zeiten, auf ei- nem kleineren Felsen, der nur durch Ver- schwemmung und Erschütterung von den grö- ßeren abgerissen ist, eine Burg, und zwar mit
Von Branſol aus bleiben Weg und Gegend wie auf dem vorigen Poſtlaufe. Das Thal verengert und erweitert ſich wechſelsweiſe, und die Becken, die es im letztern Falle bildet, ſind immer noch fruchtbar und reizend. Maulbeer- und Obſtbaͤume, Mayspflanzungen und Wie- ſen verfolgen den Reiſenden auf beyden Sei- ten, und es dauert bis zu dem Poſtflecken Neumarkt (2 M.) und von da bis zu einem aͤhnlichen Flecken, Salurn, (2 M.) auf dieſe Art fort.
Von Salurn aus wurde die Gegend, auf eine ziemliche Strecke, wieder wilder und ſtel- lenweiſe ſogar fuͤrchterlich. Am Ausgange han- gen einem ſchroffe Kalkfelſen entgegen, die von oben herab, bis zu ihrer Wurzel, zum Theil geborſten, zum Theil in ungeheuere Steinſtroͤ- me zerbroͤckelt ſind: dennoch hat hier der Un- ternehmungsgeiſt der mittleren Zeiten, auf ei- nem kleineren Felſen, der nur durch Ver- ſchwemmung und Erſchuͤtterung von den groͤ- ßeren abgeriſſen iſt, eine Burg, und zwar mit
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Von Branſol aus bleiben Weg und Gegend
wie auf dem vorigen Poſtlaufe. Das Thal
verengert und erweitert ſich wechſelsweiſe, und
die Becken, die es im letztern Falle bildet, ſind
immer noch fruchtbar und reizend. Maulbeer-
und Obſtbaͤume, Mayspflanzungen und Wie-
ſen verfolgen den Reiſenden auf beyden Sei-
ten, und es dauert bis zu dem Poſtflecken
Neumarkt (2 M.) und von da bis zu einem
aͤhnlichen Flecken, Salurn, (2 M.) auf dieſe
Art fort.
Von Salurn aus wurde die Gegend, auf
eine ziemliche Strecke, wieder wilder und ſtel-
lenweiſe ſogar fuͤrchterlich. Am Ausgange han-
gen einem ſchroffe Kalkfelſen entgegen, die von
oben herab, bis zu ihrer Wurzel, zum Theil
geborſten, zum Theil in ungeheuere Steinſtroͤ-
me zerbroͤckelt ſind: dennoch hat hier der Un-
ternehmungsgeiſt der mittleren Zeiten, auf ei-
nem kleineren Felſen, der nur durch Ver-
ſchwemmung und Erſchuͤtterung von den groͤ-
ßeren abgeriſſen iſt, eine Burg, und zwar mit
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Die "Neue Reise durch Italien" ist auch erschiene… [mehr]
Die "Neue Reise durch Italien" ist auch erschienen als 7. Heft der "Reise eines Livländers von Riga nach Warschau, durch Südpreußen, über Breslau [...] nach Bozen in Tyrol".
Schulz, Friedrich: Neue Reise durch Italien. Bd. 1, H. 1. Berlin, 1797, S. 25. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/schulz_italien_1797/33>, abgerufen am 15.09.2024.
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