denen an der linken Seite ein ausgetretenes, grüngelbes Wasser stauet und stockt. Armseli- ge Hütchen stehen einzeln, auf diesem undankba- ren Boden und pressen dem Reisenden die trau- rige Frage ab, wie und womit ihre Bewohner ein dürftiges Leben fristen mögen?
Als ich von Salurn abreis'te hingen schwar- ze Wolken in den Alpen, durch die mein Weg führte. Man rieth mir, das drohende Wetter erst abzuwarten, weil der Donner in jenen Schlüchten fürchterlich, der Blitz zerstörend, und der Regen selten etwas anderes, als ein Wolkenbruch sey, der, wie der Blitz mit sei- nem Strahle, so mit seinen Strömen, große Felsenstücke in die Thäler herabzuwälzen pflege. Diese Warnung war wohlgemeynt, auch mir nicht gleichgültig gewesen; eine Erscheinung aber, wie diese, war mir auf einem solchen Lokale noch nicht vorgekommen, hatte ich mir, ihrer Größe und Furchtbarkeit nach, als ein- zig gedacht, und so oft zu erleben gewünscht, daß ich, freylich nicht ohne ein lebhaftes Ge-
denen an der linken Seite ein ausgetretenes, gruͤngelbes Waſſer ſtauet und ſtockt. Armſeli- ge Huͤtchen ſtehen einzeln, auf dieſem undankba- ren Boden und preſſen dem Reiſenden die trau- rige Frage ab, wie und womit ihre Bewohner ein duͤrftiges Leben friſten moͤgen?
Als ich von Salurn abreis’te hingen ſchwar- ze Wolken in den Alpen, durch die mein Weg fuͤhrte. Man rieth mir, das drohende Wetter erſt abzuwarten, weil der Donner in jenen Schluͤchten fuͤrchterlich, der Blitz zerſtoͤrend, und der Regen ſelten etwas anderes, als ein Wolkenbruch ſey, der, wie der Blitz mit ſei- nem Strahle, ſo mit ſeinen Stroͤmen, große Felſenſtuͤcke in die Thaͤler herabzuwaͤlzen pflege. Dieſe Warnung war wohlgemeynt, auch mir nicht gleichguͤltig geweſen; eine Erſcheinung aber, wie dieſe, war mir auf einem ſolchen Lokale noch nicht vorgekommen, hatte ich mir, ihrer Groͤße und Furchtbarkeit nach, als ein- zig gedacht, und ſo oft zu erleben gewuͤnſcht, daß ich, freylich nicht ohne ein lebhaftes Ge-
<TEI><text><body><divn="1"><divn="2"><p><pbfacs="#f0035"n="27"/>
denen an der linken Seite ein ausgetretenes,<lb/>
gruͤngelbes Waſſer ſtauet und ſtockt. Armſeli-<lb/>
ge Huͤtchen ſtehen einzeln, auf dieſem undankba-<lb/>
ren Boden und preſſen dem Reiſenden die trau-<lb/>
rige Frage ab, wie und womit ihre Bewohner<lb/>
ein duͤrftiges Leben friſten moͤgen?</p><lb/><p>Als ich von Salurn abreis’te hingen ſchwar-<lb/>
ze Wolken in den Alpen, durch die mein Weg<lb/>
fuͤhrte. Man rieth mir, das drohende Wetter<lb/>
erſt abzuwarten, weil der Donner in jenen<lb/>
Schluͤchten fuͤrchterlich, der Blitz zerſtoͤrend,<lb/>
und der Regen ſelten etwas anderes, als ein<lb/>
Wolkenbruch ſey, der, wie der Blitz mit ſei-<lb/>
nem Strahle, ſo mit ſeinen Stroͤmen, große<lb/>
Felſenſtuͤcke in die Thaͤler herabzuwaͤlzen pflege.<lb/>
Dieſe Warnung war wohlgemeynt, auch mir<lb/>
nicht gleichguͤltig geweſen; eine Erſcheinung<lb/>
aber, wie dieſe, war mir auf einem ſolchen<lb/>
Lokale noch nicht vorgekommen, hatte ich mir,<lb/>
ihrer Groͤße und Furchtbarkeit nach, als ein-<lb/>
zig gedacht, und ſo oft zu erleben gewuͤnſcht,<lb/>
daß ich, freylich nicht ohne ein lebhaftes Ge-<lb/></p></div></div></body></text></TEI>
[27/0035]
denen an der linken Seite ein ausgetretenes,
gruͤngelbes Waſſer ſtauet und ſtockt. Armſeli-
ge Huͤtchen ſtehen einzeln, auf dieſem undankba-
ren Boden und preſſen dem Reiſenden die trau-
rige Frage ab, wie und womit ihre Bewohner
ein duͤrftiges Leben friſten moͤgen?
Als ich von Salurn abreis’te hingen ſchwar-
ze Wolken in den Alpen, durch die mein Weg
fuͤhrte. Man rieth mir, das drohende Wetter
erſt abzuwarten, weil der Donner in jenen
Schluͤchten fuͤrchterlich, der Blitz zerſtoͤrend,
und der Regen ſelten etwas anderes, als ein
Wolkenbruch ſey, der, wie der Blitz mit ſei-
nem Strahle, ſo mit ſeinen Stroͤmen, große
Felſenſtuͤcke in die Thaͤler herabzuwaͤlzen pflege.
Dieſe Warnung war wohlgemeynt, auch mir
nicht gleichguͤltig geweſen; eine Erſcheinung
aber, wie dieſe, war mir auf einem ſolchen
Lokale noch nicht vorgekommen, hatte ich mir,
ihrer Groͤße und Furchtbarkeit nach, als ein-
zig gedacht, und ſo oft zu erleben gewuͤnſcht,
daß ich, freylich nicht ohne ein lebhaftes Ge-
Informationen zur CAB-Ansicht
Diese Ansicht bietet Ihnen die Darstellung des Textes in normalisierter Orthographie.
Diese Textvariante wird vollautomatisch erstellt und kann aufgrund dessen auch Fehler enthalten.
Alle veränderten Wortformen sind grau hinterlegt. Als fremdsprachliches Material erkannte
Textteile sind ausgegraut dargestellt.
Sie haben einen Fehler gefunden?
Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform
DTAQ melden.
Kommentar zur DTA-Ausgabe
Die "Neue Reise durch Italien" ist auch erschiene… [mehr]
Die "Neue Reise durch Italien" ist auch erschienen als 7. Heft der "Reise eines Livländers von Riga nach Warschau, durch Südpreußen, über Breslau [...] nach Bozen in Tyrol".
Schulz, Friedrich: Neue Reise durch Italien. Bd. 1, H. 1. Berlin, 1797, S. 27. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/schulz_italien_1797/35>, abgerufen am 15.09.2024.
Alle Inhalte dieser Seite unterstehen, soweit nicht anders gekennzeichnet, einer
Creative-Commons-Lizenz.
Die Rechte an den angezeigten Bilddigitalisaten, soweit nicht anders gekennzeichnet, liegen bei den besitzenden Bibliotheken.
Weitere Informationen finden Sie in den DTA-Nutzungsbedingungen.
Insbesondere im Hinblick auf die §§ 86a StGB und 130 StGB wird festgestellt, dass die auf
diesen Seiten abgebildeten Inhalte weder in irgendeiner Form propagandistischen Zwecken
dienen, oder Werbung für verbotene Organisationen oder Vereinigungen darstellen, oder
nationalsozialistische Verbrechen leugnen oder verharmlosen, noch zum Zwecke der
Herabwürdigung der Menschenwürde gezeigt werden.
Die auf diesen Seiten abgebildeten Inhalte (in Wort und Bild) dienen im Sinne des
§ 86 StGB Abs. 3 ausschließlich historischen, sozial- oder kulturwissenschaftlichen
Forschungszwecken. Ihre Veröffentlichung erfolgt in der Absicht, Wissen zur Anregung
der intellektuellen Selbstständigkeit und Verantwortungsbereitschaft des Staatsbürgers zu
vermitteln und damit der Förderung seiner Mündigkeit zu dienen.
Zitierempfehlung: Deutsches Textarchiv. Grundlage für ein Referenzkorpus der neuhochdeutschen Sprache. Herausgegeben von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Berlin 2024. URL: https://www.deutschestextarchiv.de/.