Bürgerhaus und mancher gute Privatpallast in den verschiedenen Gegenden der Stadt, und die Kirchen fallen meist alle gut in die Augen, sind zum Theil ganz von Marmor- quadern aufgeführt, und für den Geschmack, worin man sie anlegte, immer merkwürdig. So ist der Dom gothisch genug, aber von Marmor und nicht unangenehm. Er besitzt einen prächtigen Hochaltar, ein berühmtes Kreuzbild, das zu reden -- längst aufgehört hat, und eine Kapelle, die Lotti malte, des- sen Werke aber durch die Zeit fast unkenntlich geworden sind. S. Maria Maggiore ist eben- falls ganz von Marmor, übrigens nicht von Umfang. Hier wird die Darstellung der be- rühmten Tridentinischen Kirchenversammlung aufbewahrt, die freylich so ausgefallen ist, als gemalte Sitzungen, die aus Hunderten von Köpfen und Brustbildern bestehen, auf einem kleinen Raume ausfallen können: unbestimmt, steif und wie eine Apotheke angeordnet. Der Küster kannte indessen alle die merkwürdigern
Siebentes Heft. C
Buͤrgerhaus und mancher gute Privatpallaſt in den verſchiedenen Gegenden der Stadt, und die Kirchen fallen meiſt alle gut in die Augen, ſind zum Theil ganz von Marmor- quadern aufgefuͤhrt, und fuͤr den Geſchmack, worin man ſie anlegte, immer merkwuͤrdig. So iſt der Dom gothiſch genug, aber von Marmor und nicht unangenehm. Er beſitzt einen praͤchtigen Hochaltar, ein beruͤhmtes Kreuzbild, das zu reden — laͤngſt aufgehoͤrt hat, und eine Kapelle, die Lotti malte, deſ- ſen Werke aber durch die Zeit faſt unkenntlich geworden ſind. S. Maria Maggiore iſt eben- falls ganz von Marmor, uͤbrigens nicht von Umfang. Hier wird die Darſtellung der be- ruͤhmten Tridentiniſchen Kirchenverſammlung aufbewahrt, die freylich ſo ausgefallen iſt, als gemalte Sitzungen, die aus Hunderten von Koͤpfen und Bruſtbildern beſtehen, auf einem kleinen Raume ausfallen koͤnnen: unbeſtimmt, ſteif und wie eine Apotheke angeordnet. Der Kuͤſter kannte indeſſen alle die merkwuͤrdigern
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Buͤrgerhaus und mancher gute Privatpallaſt
in den verſchiedenen Gegenden der Stadt,
und die Kirchen fallen meiſt alle gut in die
Augen, ſind zum Theil ganz von Marmor-
quadern aufgefuͤhrt, und fuͤr den Geſchmack,
worin man ſie anlegte, immer merkwuͤrdig.
So iſt der Dom gothiſch genug, aber von
Marmor und nicht unangenehm. Er beſitzt
einen praͤchtigen Hochaltar, ein beruͤhmtes
Kreuzbild, das zu reden — laͤngſt aufgehoͤrt
hat, und eine Kapelle, die Lotti malte, deſ-
ſen Werke aber durch die Zeit faſt unkenntlich
geworden ſind. S. Maria Maggiore iſt eben-
falls ganz von Marmor, uͤbrigens nicht von
Umfang. Hier wird die Darſtellung der be-
ruͤhmten Tridentiniſchen Kirchenverſammlung
aufbewahrt, die freylich ſo ausgefallen iſt, als
gemalte Sitzungen, die aus Hunderten von
Koͤpfen und Bruſtbildern beſtehen, auf einem
kleinen Raume ausfallen koͤnnen: unbeſtimmt,
ſteif und wie eine Apotheke angeordnet. Der
Kuͤſter kannte indeſſen alle die merkwuͤrdigern
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Die "Neue Reise durch Italien" ist auch erschiene… [mehr]
Die "Neue Reise durch Italien" ist auch erschienen als 7. Heft der "Reise eines Livländers von Riga nach Warschau, durch Südpreußen, über Breslau [...] nach Bozen in Tyrol".
Schulz, Friedrich: Neue Reise durch Italien. Bd. 1, H. 1. Berlin, 1797, S. 33. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/schulz_italien_1797/41>, abgerufen am 15.09.2024.
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