deren leere Kirchen, und für ihre Bewohner zu große Klöster und Palläste, schon eine mit- telmäßige Volksmenge andeuten. Man gab mir letztere zu Eilftausend an, und selbst diese Zahl schien mir zu hoch angesetzt.
Die nächste Post ist nicht mehr "Acqua- viva", wie die Postbücher melden, sondern Messina (2 M.), ein einzeln stehendes Haus. Der Weg von Trient bis dahin, und dessen Umgebungen, sind bey weitem nicht so ange- nehm, als vorher. Man fährt nämlich zwi- schen hohen Mauern, welche an beyden Sei- ten Weingärten einschließen und zugleich die Aussicht versperren, wie in einem wahren Hohlwege und, des Staubes halber, fast är- ger noch. Die Berge dauern wie vorher fort, und die Fruchtbarkeit des Thals bleibt sich gleich. Letzteres erweitert sich merklich, der Fluß wird breiter und, was man aus die- sen beyden Umständen von selbst schließen wird, auch die Berge senken sich allmählig, und der Hintergrund zeigt kein so mannichfaches Ge-
deren leere Kirchen, und fuͤr ihre Bewohner zu große Kloͤſter und Pallaͤſte, ſchon eine mit- telmaͤßige Volksmenge andeuten. Man gab mir letztere zu Eilftauſend an, und ſelbſt dieſe Zahl ſchien mir zu hoch angeſetzt.
Die naͤchſte Poſt iſt nicht mehr „Acqua- viva“, wie die Poſtbuͤcher melden, ſondern Messina (2 M.), ein einzeln ſtehendes Haus. Der Weg von Trient bis dahin, und deſſen Umgebungen, ſind bey weitem nicht ſo ange- nehm, als vorher. Man faͤhrt naͤmlich zwi- ſchen hohen Mauern, welche an beyden Sei- ten Weingaͤrten einſchließen und zugleich die Ausſicht verſperren, wie in einem wahren Hohlwege und, des Staubes halber, faſt aͤr- ger noch. Die Berge dauern wie vorher fort, und die Fruchtbarkeit des Thals bleibt ſich gleich. Letzteres erweitert ſich merklich, der Fluß wird breiter und, was man aus die- ſen beyden Umſtaͤnden von ſelbſt ſchließen wird, auch die Berge ſenken ſich allmaͤhlig, und der Hintergrund zeigt kein ſo mannichfaches Ge-
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[37/0045]
deren leere Kirchen, und fuͤr ihre Bewohner
zu große Kloͤſter und Pallaͤſte, ſchon eine mit-
telmaͤßige Volksmenge andeuten. Man gab
mir letztere zu Eilftauſend an, und ſelbſt dieſe
Zahl ſchien mir zu hoch angeſetzt.
Die naͤchſte Poſt iſt nicht mehr „Acqua-
viva“, wie die Poſtbuͤcher melden, ſondern
Messina (2 M.), ein einzeln ſtehendes Haus.
Der Weg von Trient bis dahin, und deſſen
Umgebungen, ſind bey weitem nicht ſo ange-
nehm, als vorher. Man faͤhrt naͤmlich zwi-
ſchen hohen Mauern, welche an beyden Sei-
ten Weingaͤrten einſchließen und zugleich die
Ausſicht verſperren, wie in einem wahren
Hohlwege und, des Staubes halber, faſt aͤr-
ger noch. Die Berge dauern wie vorher
fort, und die Fruchtbarkeit des Thals bleibt
ſich gleich. Letzteres erweitert ſich merklich,
der Fluß wird breiter und, was man aus die-
ſen beyden Umſtaͤnden von ſelbſt ſchließen wird,
auch die Berge ſenken ſich allmaͤhlig, und der
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Kommentar zur DTA-Ausgabe
Die "Neue Reise durch Italien" ist auch erschiene… [mehr]
Die "Neue Reise durch Italien" ist auch erschienen als 7. Heft der "Reise eines Livländers von Riga nach Warschau, durch Südpreußen, über Breslau [...] nach Bozen in Tyrol".
Schulz, Friedrich: Neue Reise durch Italien. Bd. 1, H. 1. Berlin, 1797, S. 37. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/schulz_italien_1797/45>, abgerufen am 15.09.2024.
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