bald war es ein Kessel von beträchtlicherem Umfange, der in seiner Tiefe Wasser enthielt und rund herum an seinem Abhange Maulbeer- oder Weidenbäume nährte, die, für ihre be- drückte Lage, muthig genug grünten; bald waren es Trümmer ehemaliger Terrassen, auf denen Weinstöcke in einer ärmlichen Gestalt herum krochen; bald ein paar mächtige Stein- klötze, deren Oberfläche Zeit und Wetter zu erweichen anfingen und in deren verwitterten Theilen feine Moose sich anzusiedeln wagten. Diese Zeichen von der unermüdlichen Guther- zigkeit der Natur, die den Tod selbst zur Ge- burt und die Fäulniß zur Blüthe macht, be- wegten mich wunderbar und beschäftigten mich sehr angenehm bey meiner Durchfahrt durch diese Steinhaufen, die übrigens keine Spur von Feuer zeigen, mithin wohl die Kinder ei- nes Erdbebens seyn mögen.
Nach einer beträchtlichen Strecke wird der Weg besser, die Berge stehen wieder aufrecht, das Thal wird wieder fruchtbar und ist ent-
weder
bald war es ein Keſſel von betraͤchtlicherem Umfange, der in ſeiner Tiefe Waſſer enthielt und rund herum an ſeinem Abhange Maulbeer- oder Weidenbaͤume naͤhrte, die, fuͤr ihre be- druͤckte Lage, muthig genug gruͤnten; bald waren es Truͤmmer ehemaliger Terraſſen, auf denen Weinſtoͤcke in einer aͤrmlichen Geſtalt herum krochen; bald ein paar maͤchtige Stein- kloͤtze, deren Oberflaͤche Zeit und Wetter zu erweichen anfingen und in deren verwitterten Theilen feine Mooſe ſich anzuſiedeln wagten. Dieſe Zeichen von der unermuͤdlichen Guther- zigkeit der Natur, die den Tod ſelbſt zur Ge- burt und die Faͤulniß zur Bluͤthe macht, be- wegten mich wunderbar und beſchaͤftigten mich ſehr angenehm bey meiner Durchfahrt durch dieſe Steinhaufen, die uͤbrigens keine Spur von Feuer zeigen, mithin wohl die Kinder ei- nes Erdbebens ſeyn moͤgen.
Nach einer betraͤchtlichen Strecke wird der Weg beſſer, die Berge ſtehen wieder aufrecht, das Thal wird wieder fruchtbar und iſt ent-
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[48/0056]
bald war es ein Keſſel von betraͤchtlicherem
Umfange, der in ſeiner Tiefe Waſſer enthielt
und rund herum an ſeinem Abhange Maulbeer-
oder Weidenbaͤume naͤhrte, die, fuͤr ihre be-
druͤckte Lage, muthig genug gruͤnten; bald
waren es Truͤmmer ehemaliger Terraſſen, auf
denen Weinſtoͤcke in einer aͤrmlichen Geſtalt
herum krochen; bald ein paar maͤchtige Stein-
kloͤtze, deren Oberflaͤche Zeit und Wetter zu
erweichen anfingen und in deren verwitterten
Theilen feine Mooſe ſich anzuſiedeln wagten.
Dieſe Zeichen von der unermuͤdlichen Guther-
zigkeit der Natur, die den Tod ſelbſt zur Ge-
burt und die Faͤulniß zur Bluͤthe macht, be-
wegten mich wunderbar und beſchaͤftigten mich
ſehr angenehm bey meiner Durchfahrt durch
dieſe Steinhaufen, die uͤbrigens keine Spur
von Feuer zeigen, mithin wohl die Kinder ei-
nes Erdbebens ſeyn moͤgen.
Nach einer betraͤchtlichen Strecke wird der
Weg beſſer, die Berge ſtehen wieder aufrecht,
das Thal wird wieder fruchtbar und iſt ent-
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Kommentar zur DTA-Ausgabe
Die "Neue Reise durch Italien" ist auch erschiene… [mehr]
Die "Neue Reise durch Italien" ist auch erschienen als 7. Heft der "Reise eines Livländers von Riga nach Warschau, durch Südpreußen, über Breslau [...] nach Bozen in Tyrol".
Schulz, Friedrich: Neue Reise durch Italien. Bd. 1, H. 1. Berlin, 1797, S. 48. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/schulz_italien_1797/56>, abgerufen am 15.09.2024.
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