ist in Polen so armselig bestellt, daß man das Holz, selbst aus den nähern Waldungen, nicht ohne ungewöhnliche Kosten herzufahren kann. Die Stadt erhält also ihr Bedürfniß auf der Weichsel von oben herab, aus Sendomir, Lublin, Chelm, Brsesz u. v. a. Orten, die ent- weder der Weichsel nahe liegen oder durch ei- nen Fluß mit ihr zusammenhangen. Uebrigens bringt man das Holz nicht in Scheiten und Klaftern nach Warschau, sondern in ganzen Stämmen, die einzeln, nach ihrer Größe und Länge, und nach der bessern oder schlechtern Beschaffenheit der Holzarten, verkauft wer- den. Um die Zeit, wo die Flöße ankommen, liegen große Haufen von solchen Balken auf den Straßen von Warschau herum, und der Fremde wird dadurch verleitet, zu glauben, daß in allen Theilen von Warschau das Bau- holz zu neuen Pallästen und Häusern angefah- ren sey. Aber es verschwindet gegen den Win- ter, wo es kurz gesägt, gespalten und einge- fahren wird. Auf den Preis der Feurung in
iſt in Polen ſo armſelig beſtellt, daß man das Holz, ſelbſt aus den naͤhern Waldungen, nicht ohne ungewoͤhnliche Koſten herzufahren kann. Die Stadt erhaͤlt alſo ihr Beduͤrfniß auf der Weichſel von oben herab, aus Sendomir, Lublin, Chelm, Brsesz u. v. a. Orten, die ent- weder der Weichſel nahe liegen oder durch ei- nen Fluß mit ihr zuſammenhangen. Uebrigens bringt man das Holz nicht in Scheiten und Klaftern nach Warſchau, ſondern in ganzen Staͤmmen, die einzeln, nach ihrer Groͤße und Laͤnge, und nach der beſſern oder ſchlechtern Beſchaffenheit der Holzarten, verkauft wer- den. Um die Zeit, wo die Floͤße ankommen, liegen große Haufen von ſolchen Balken auf den Straßen von Warſchau herum, und der Fremde wird dadurch verleitet, zu glauben, daß in allen Theilen von Warſchau das Bau- holz zu neuen Pallaͤſten und Haͤuſern angefah- ren ſey. Aber es verſchwindet gegen den Win- ter, wo es kurz geſaͤgt, geſpalten und einge- fahren wird. Auf den Preis der Feurung in
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iſt in Polen ſo armſelig beſtellt, daß man das
Holz, ſelbſt aus den naͤhern Waldungen, nicht
ohne ungewoͤhnliche Koſten herzufahren kann.
Die Stadt erhaͤlt alſo ihr Beduͤrfniß auf der
Weichſel von oben herab, aus Sendomir,
Lublin, Chelm, Brsesz u. v. a. Orten, die ent-
weder der Weichſel nahe liegen oder durch ei-
nen Fluß mit ihr zuſammenhangen. Uebrigens
bringt man das Holz nicht in Scheiten und
Klaftern nach Warſchau, ſondern in ganzen
Staͤmmen, die einzeln, nach ihrer Groͤße und
Laͤnge, und nach der beſſern oder ſchlechtern
Beſchaffenheit der Holzarten, verkauft wer-
den. Um die Zeit, wo die Floͤße ankommen,
liegen große Haufen von ſolchen Balken auf
den Straßen von Warſchau herum, und der
Fremde wird dadurch verleitet, zu glauben,
daß in allen Theilen von Warſchau das Bau-
holz zu neuen Pallaͤſten und Haͤuſern angefah-
ren ſey. Aber es verſchwindet gegen den Win-
ter, wo es kurz geſaͤgt, geſpalten und einge-
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Schulz, Friedrich: Reise eines Liefländers. Bd. 1, [H. 1]. Berlin, 1795, S. 140. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/schulz_reise0101_1795/158>, abgerufen am 15.09.2024.
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