Schupp, Johann Balthasar: Schrifften. Hrsg. v. Anton Meno Schupp. [Hanau], [1663].Der gedultige sehe da seine Rüstkammer. Und so viel Söhne er habe/ so viel Pfeilehabe er/ damit er sich wehren könne/ wider seine Feinde. Was wird das der Mutter für eine Freude seyn gewesen/ wenn sie ihre drey wolerzogene Töchter angesehen hat/ welche ihr in der Küchen und sonsten in der Haußhaltung haben an die Hand gehen können? Wie mancher tugendhaffter Jüngling wird dem Hiob und seinem Wei- be auffgewartet/ Ehr und Respect erwiesen haben/ ihrer schönen und wolerzogenen Töchter halben? Die Weiber pflegen gemeiniglich die Kinder nicht wol zuerziehen/ sonderlich wann sie reich sind/ so ge- ben sie ihnen mehr Anlaß zur Untugend als zur Tugend. Solche El- tern sind ihrer Kinder halben nicht glückselig zu schätzen/ und gereicht ihnen die Menge ihrer Kinder offtmals zu grösserer Verdamnis. Denn wenn sie die Kinder nicht wol aufferzogen/ sondern in allem Muthwillen haben auffwachsen lassen/ so müssen sie deßwegen am Jüngsten Tage eine schwere Verantwortung thun. Aber Hiob erzog seine Kinder nicht wie ein Weib/ sondern wie ein Mann/ und gleich- wie er für seine Person schlecht/ recht und Gottsfürchtig war/ und meidete das Böse: Also wolte er auch/ daß seine Kinder ihm nach- arten solten. Mancher Vater hat zwar Kinder/ aber es mangelt ihm an Brot. werck
Der gedultige ſehe da ſeine Ruͤſtkammer. Und ſo viel Soͤhne er habe/ ſo viel Pfeilehabe er/ damit er ſich wehren koͤnne/ wider ſeine Feinde. Was wird das der Mutter fuͤr eine Freude ſeyn geweſen/ wenn ſie ihre drey wolerzogene Toͤchter angeſehen hat/ welche ihr in der Kuͤchen und ſonſten in der Haußhaltung haben an die Hand gehen koͤnnen? Wie mancher tugendhaffter Juͤngling wird dem Hiob und ſeinem Wei- be auffgewartet/ Ehr und Reſpect erwieſen haben/ ihrer ſchoͤnen und wolerzogenen Toͤchter halben? Die Weiber pflegen gemeiniglich die Kinder nicht wol zuerziehen/ ſonderlich wann ſie reich ſind/ ſo ge- ben ſie ihnen mehr Anlaß zur Untugend als zur Tugend. Solche El- tern ſind ihrer Kinder halben nicht gluͤckſelig zu ſchaͤtzen/ und gereicht ihnen die Menge ihrer Kinder offtmals zu groͤſſerer Verdamnis. Denn wenn ſie die Kinder nicht wol aufferzogen/ ſondern in allem Muthwillen haben auffwachſen laſſen/ ſo muͤſſen ſie deßwegen am Juͤngſten Tage eine ſchwere Verantwortung thun. Aber Hiob erzog ſeine Kinder nicht wie ein Weib/ ſondern wie ein Mann/ und gleich- wie er fuͤr ſeine Perſon ſchlecht/ recht und Gottsfuͤrchtig war/ und meidete das Boͤſe: Alſo wolte er auch/ daß ſeine Kinder ihm nach- arten ſolten. Mancher Vater hat zwar Kinder/ aber es mangelt ihm an Brot. werck
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Der gedultige
ſehe da ſeine Ruͤſtkammer. Und ſo viel Soͤhne er habe/ ſo viel Pfeile
habe er/ damit er ſich wehren koͤnne/ wider ſeine Feinde. Was wird
das der Mutter fuͤr eine Freude ſeyn geweſen/ wenn ſie ihre drey
wolerzogene Toͤchter angeſehen hat/ welche ihr in der Kuͤchen und
ſonſten in der Haußhaltung haben an die Hand gehen koͤnnen? Wie
mancher tugendhaffter Juͤngling wird dem Hiob und ſeinem Wei-
be auffgewartet/ Ehr und Reſpect erwieſen haben/ ihrer ſchoͤnen und
wolerzogenen Toͤchter halben? Die Weiber pflegen gemeiniglich
die Kinder nicht wol zuerziehen/ ſonderlich wann ſie reich ſind/ ſo ge-
ben ſie ihnen mehr Anlaß zur Untugend als zur Tugend. Solche El-
tern ſind ihrer Kinder halben nicht gluͤckſelig zu ſchaͤtzen/ und gereicht
ihnen die Menge ihrer Kinder offtmals zu groͤſſerer Verdamnis.
Denn wenn ſie die Kinder nicht wol aufferzogen/ ſondern in allem
Muthwillen haben auffwachſen laſſen/ ſo muͤſſen ſie deßwegen am
Juͤngſten Tage eine ſchwere Verantwortung thun. Aber Hiob erzog
ſeine Kinder nicht wie ein Weib/ ſondern wie ein Mann/ und gleich-
wie er fuͤr ſeine Perſon ſchlecht/ recht und Gottsfuͤrchtig war/ und
meidete das Boͤſe: Alſo wolte er auch/ daß ſeine Kinder ihm nach-
arten ſolten.
Mancher Vater hat zwar Kinder/ aber es mangelt ihm an Brot.
Hiob aber hatte nicht allein Kinder/ ſondern er hatte auch Brot ge-
nug darzu. Dann ſeines Viehes war 7000. Schafe/ 3000. Camel/
500. Joch Rinder/ und 500. Eſelin/ und darzu hatte er einen Hauffen
Knechte. Die Viehezucht iſt ein ſonderbarer Segen Gottes. Man
ſagt/ eine gute Kuh im Stall ſey ein verborgner Schatz im Hauſe.
Da der Ertzvater Jacob Gen. 49. auff dem Todtbette lag/ und ſeine
Kinder fuͤr ſich foderte/ und ſie ſegnete/ da wuͤnſchte er einem diß/
dem andern das. Als er aber auff den Joſeph kam/ den er ſonderlich
liebte/ dem er in ſeiner Jugend einen bunten Rock machen ließ/ und
in ſeinem Alter nicht allein Ehr und Freude an ihm erlebte/ ſondern
auch von ihm ernehret wurde/ da er gegen dieſem ſeinen liebſten
Sohn gleichſam ſein gantzes Hertz außſchuͤtten wolte/ da wuͤnſchte
er ihm einen Segen von Baͤuch- und Bruͤſten/ wie es Lutherus gege-
ben hat/ das iſt/ daß ihm Gott viel Vieh/ Rinder und Schafe geben
wolle/ und daß dieſelben allzeit moͤgen fruchtbar ſeyn/ und er von
denſelben nicht allein viel Butter und Kaͤſe/ ſondern auch viel junge
Kaͤlber und Laͤmmer habe. Ohne zweiffel hat der alte Patriarch
Jacob/ als ein alter erfahrner Haußvater/ wol gewuſt und betrach-
tet/ was der Segen an Vieh fuͤr ein ſonderbarer Segen Gottes ſey.
Wo aber viel Viehezucht iſt/ da iſt gemeiniglich auch viel Ackerbau.
Weil nun Hiob ſo viel groß und klein Viehe/ und ſo viel Knechte ge-
habt hat/ ſo wird er ohne zweiffel auch viel Aecker/ viel Wieſen/
viel Weinberge gehabt haben. Er gedencket hernach auch
der Weinberge und Goldklumpen. Vielleicht hat er auch die Berg-
werck
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