Schupp, Johann Balthasar: Schrifften. Hrsg. v. Anton Meno Schupp. [Hanau], [1663].Der gedultige werde zum besten dienen. Jch hätte euch zwar ferner sagen wollen/wie ihr nicht allein in diesem geringen/ sondern auch in viel grös- serm Creutz und Unglück euch trösten/ und wider einen guten Muth fassen sollet; Allein sehet/ da kombt unser Freund Sabinus; welcher vielleicht euch und mich wird gesucht haben! Parmenio embrassirte den Antenorn freundlich/ und bate ihn/ daß er deß nechsten Tages zu ihm in seinen Garten kommen/ und von dieser materia weiter re- den wolle. Jn dem kam Sabinus/ und verwiese es beyden/ daß sie sich von der guten Compagni abgerissen hätten/ bate sie wider in den Garten zu kommen/ und Sabinus wolte die kurtze/ annoch übrige Zeit deß Tags wol employren/ und begehrte an die Musi- canten/ daß sie sich mit etzlichen schönen Jtaliänischen Stücken sol- ten hören lassen. Antenor aber sagte/ er hab die Natur/ daß eine Mu- sic alle Affecten bey ihm ernehre und vermehre/ die sie bey ihm finde. Wann er frölich sey/ und höre eine Music/ so werde alles bey ihm lebendig. Wann er zornig sey/ und höre eine Music/ so frag er nichts nach dem Trotzen oder nach den Waffen deß vornehmsten Gene- rals. Wann er aber traurig sey/ und höre eine Music/ so sey er gleichsam entzuckt/ und höre nicht/ was andere Leut reden. Nachdem er nun sein Gemüth auff den geplagten Hiob gewendet hatte/ kehrte er sich nichts mehr an die Lust und Lieblichkeit deß Saitenspiels/ sondern gieng in tieffen Gedancken/ und schrieb endlich mit Kreiden an eine rothe Thür im Garten diese Wort: JOBO, Sabinus ließ zwar in unterschiedenen köstlichen geschnittenen Qui
Der gedultige werde zum beſten dienen. Jch haͤtte euch zwar ferner ſagen wollen/wie ihr nicht allein in dieſem geringen/ ſondern auch in viel groͤſ- ſerm Creutz und Ungluͤck euch troͤſten/ und wider einen guten Muth faſſen ſollet; Allein ſehet/ da kombt unſer Freund Sabinus; welcher vielleicht euch und mich wird geſucht haben! Parmenio embraſſirte den Antenorn freundlich/ und bate ihn/ daß er deß nechſten Tages zu ihm in ſeinen Garten kommen/ und von dieſer materia weiter re- den wolle. Jn dem kam Sabinus/ und verwieſe es beyden/ daß ſie ſich von der guten Compagni abgeriſſen haͤtten/ bate ſie wider in den Garten zu kommen/ und Sabinus wolte die kurtze/ annoch uͤbrige Zeit deß Tags wol employren/ und begehrte an die Muſi- canten/ daß ſie ſich mit etzlichen ſchoͤnen Jtaliaͤniſchen Stuͤcken ſol- ten hoͤren laſſen. Antenor aber ſagte/ er hab die Natur/ daß eine Mu- ſic alle Affecten bey ihm ernehre und vermehre/ die ſie bey ihm finde. Wann er froͤlich ſey/ und hoͤre eine Muſic/ ſo werde alles bey ihm lebendig. Wann er zornig ſey/ und hoͤre eine Muſic/ ſo frag er nichts nach dem Trotzen oder nach den Waffen deß vornehmſten Gene- rals. Wann er aber traurig ſey/ und hoͤre eine Muſic/ ſo ſey er gleichſam entzuckt/ und hoͤre nicht/ was andere Leut reden. Nachdem er nun ſein Gemuͤth auff den geplagten Hiob gewendet hatte/ kehrte er ſich nichts mehr an die Luſt und Lieblichkeit deß Saitenſpiels/ ſondern gieng in tieffen Gedancken/ und ſchrieb endlich mit Kreiden an eine rothe Thuͤr im Garten dieſe Wort: JOBO, Sabinus ließ zwar in unterſchiedenen koͤſtlichen geſchnittenen Qui
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Der gedultige
werde zum beſten dienen. Jch haͤtte euch zwar ferner ſagen wollen/
wie ihr nicht allein in dieſem geringen/ ſondern auch in viel groͤſ-
ſerm Creutz und Ungluͤck euch troͤſten/ und wider einen guten Muth
faſſen ſollet; Allein ſehet/ da kombt unſer Freund Sabinus; welcher
vielleicht euch und mich wird geſucht haben! Parmenio embraſſirte
den Antenorn freundlich/ und bate ihn/ daß er deß nechſten Tages zu
ihm in ſeinen Garten kommen/ und von dieſer materia weiter re-
den wolle. Jn dem kam Sabinus/ und verwieſe es beyden/ daß ſie
ſich von der guten Compagni abgeriſſen haͤtten/ bate ſie wider in
den Garten zu kommen/ und Sabinus wolte die kurtze/ annoch
uͤbrige Zeit deß Tags wol employren/ und begehrte an die Muſi-
canten/ daß ſie ſich mit etzlichen ſchoͤnen Jtaliaͤniſchen Stuͤcken ſol-
ten hoͤren laſſen. Antenor aber ſagte/ er hab die Natur/ daß eine Mu-
ſic alle Affecten bey ihm ernehre und vermehre/ die ſie bey ihm finde.
Wann er froͤlich ſey/ und hoͤre eine Muſic/ ſo werde alles bey ihm
lebendig. Wann er zornig ſey/ und hoͤre eine Muſic/ ſo frag er nichts
nach dem Trotzen oder nach den Waffen deß vornehmſten Gene-
rals. Wann er aber traurig ſey/ und hoͤre eine Muſic/ ſo ſey er
gleichſam entzuckt/ und hoͤre nicht/ was andere Leut reden. Nachdem
er nun ſein Gemuͤth auff den geplagten Hiob gewendet hatte/ kehrte
er ſich nichts mehr an die Luſt und Lieblichkeit deß Saitenſpiels/
ſondern gieng in tieffen Gedancken/ und ſchrieb endlich mit Kreiden
an eine rothe Thuͤr im Garten dieſe Wort:
JOBO,
Viro optimo.
Cum bona, cum mala fortuna compoſito,
Utriuſque Victori fortiſſimo,
Satanæ triumphatori feliciſſimo,
Omnium mortalium patientiſſimo,
Abrahamicæ fidei ex ſanguinis hæredi,
Prophetæ magno,
Monumentum hoc, ad pietatis, & patientiæ memoriam ſem-
piternam, ſpemque reſurrectionis cum redemptore cer-
tiſſimam, poſuerunt duo ejus fratres
Chriſtianus & Crucianus.
Sabinus ließ zwar in unterſchiedenen koͤſtlichen geſchnittenen
Cryſtallinen Glaͤſern allerhand Jtaliaͤniſche/ Spaniſche und Rei-
niſche Wein bringen/ er ließ etzliche extraordinari ſchoͤne Lieder ſin-
gen. Allein Antenor kehrte ſich nichts weder an das Trincken/ oder an
die Lieder und das Saitenſpiel/ ſondern gieng in tieffſinnigen Ge-
dancken/ und ſchrieb endlich an eine andere Thuͤr im Garten dieſe
Vers:
Qui
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| Zitationshilfe: | Schupp, Johann Balthasar: Schrifften. Hrsg. v. Anton Meno Schupp. [Hanau], [1663], S. 178. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/schupp_schriften_1663/220>, abgerufen am 06.08.2024. |


