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Schupp, Johann Balthasar: Schrifften. Hrsg. v. Anton Meno Schupp. [Hanau], [1663].

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Sieben böse Geister.
Schaden. Was? Hatte der Fürst geantwortet: Wer das geringe
nicht achtet/ der ist auch nicht werth/ daß man ihn zu et-
was grössers brauche.
Jch habe das Unglück hier in Hamburg
gehabt/ daß mir unterweilens ehrliche Diener und Mägde sind ver-
führet worden/ und gemeiniglich/ wann sie von mir kommen/ hat es
sie gereuet. Ein jeglicher Haußvater wird das seinige empfinden. Es
ist fürwar die Untreu/ der Muthwill und Ungehorsam der Knechte
und Mägde eine rechte Landplage. Jch bitte aber alle Haußväter und
Haußmütter/ sie wollen/ wann sie dieses Tractätlein lesen/ zugleich
lesen die kurtze Epistel S. Pauli an Philemon/ welche nach der Epi-
stel an Titum zu finden. Und wann ihr Glaube kräfftig ist/
durch Erkäntnis alle deß guten/ das sie haben in Christo
JEsu/
werden sie ihre Knechte und Mägde nicht tractiren als
Hunde/ sondern werden gedencken/ daß sie als Haußväter auch einen
Herrn im Himmel haben/ für welchem kein Ansehen der Person gilt/
welchem sie dermaleins Rechenschafft geben müssen. Wollen es dem-
nach machen wie der fromme Hauptmann zu Capernaum/ welcher
seinen krancken Knecht nicht ließ ins Gasthauß oder in das Pesthauß
bringen/ sondern tractiret ihn in seinem Hause/ und bemühete die
ältesten/
oder wie wir itzo reden/ Burgermeister und Rath zu
Capernaum/
daß sie bey dem grossen Artzte Christo Jesu/ eine Vor-
bitte vor seinen Knecht thun wollen/ daß er ihn gesund mache. Jch
will/ geliebts Gott hinführo Haußvätern und Haußmüttern auch
eine Lection geben/ wie sie sich gegen ihre Knechte und Mägde
verhalten sollen.

Unterdessen gehabt euch wol.



TRummel und Trompetenschall hörete man hin und
wider in Norden. Es giengen die Werbungen starck
fort. Wer Vater und Mutter nicht hat folgen wollen/
der nahm einen Ducaten/ und folgete einem Kalbs-
felle/ als Philemon seinem Freunde Antenorn klag-
te/ daß sein Diener Onesimus ihm entlauffen/ und
sich in Krieg begeben habe. Antenor antwortet: Lieber Philemon,
lasse dir das nicht frembd fürkommen. Es gehet in dieser Zeit
nicht anders her. Der Teuffel wil itzt seinen sonderlichen Spaß/
seine sonderliche Lust und Freude haben unter Knechten und Mäg-
den. Er weiß wol daß er grosse Herren und Potentaten/ reiche
Schlemmer und Hochgelährte oder hoffärtige Narren leichtlich in

sein

Sieben boͤſe Geiſter.
Schaden. Was? Hatte der Fuͤrſt geantwortet: Wer das geringe
nicht achtet/ der iſt auch nicht werth/ daß man ihn zu et-
was groͤſſers brauche.
Jch habe das Ungluͤck hier in Hamburg
gehabt/ daß mir unterweilens ehrliche Diener und Maͤgde ſind ver-
fuͤhret worden/ und gemeiniglich/ wann ſie von mir kommen/ hat es
ſie gereuet. Ein jeglicher Haußvater wird das ſeinige empfinden. Es
iſt fuͤrwar die Untreu/ der Muthwill und Ungehorſam der Knechte
und Maͤgde eine rechte Landplage. Jch bitte aber alle Haußvaͤter und
Haußmuͤtter/ ſie wollen/ wann ſie dieſes Tractaͤtlein leſen/ zugleich
leſen die kurtze Epiſtel S. Pauli an Philemon/ welche nach der Epi-
ſtel an Titum zu finden. Und wann ihr Glaube kraͤfftig iſt/
durch Erkaͤntnis alle deß guten/ das ſie haben in Chriſto
JEſu/
werden ſie ihre Knechte und Maͤgde nicht tractiren als
Hunde/ ſondern werden gedencken/ daß ſie als Haußvaͤter auch einen
Herrn im Himmel haben/ fuͤr welchem kein Anſehen der Perſon gilt/
welchem ſie dermaleins Rechenſchafft geben muͤſſen. Wollen es dem-
nach machen wie der fromme Hauptmann zu Capernaum/ welcher
ſeinen krancken Knecht nicht ließ ins Gaſthauß oder in das Peſthauß
bringen/ ſondern tractiret ihn in ſeinem Hauſe/ und bemuͤhete die
aͤlteſten/
oder wie wir itzo reden/ Burgermeiſter und Rath zu
Capernaum/
daß ſie bey dem groſſen Artzte Chriſto Jeſu/ eine Vor-
bitte vor ſeinen Knecht thun wollen/ daß er ihn geſund mache. Jch
will/ geliebts Gott hinfuͤhro Haußvaͤtern und Haußmuͤttern auch
eine Lection geben/ wie ſie ſich gegen ihre Knechte und Maͤgde
verhalten ſollen.

Unterdeſſen gehabt euch wol.



TRummel und Trompetenſchall hoͤrete man hin und
wider in Norden. Es giengen die Werbungen ſtarck
fort. Wer Vater und Mutter nicht hat folgen wollen/
der nahm einen Ducaten/ und folgete einem Kalbs-
felle/ als Philemon ſeinem Freunde Antenorn klag-
te/ daß ſein Diener Oneſimus ihm entlauffen/ und
ſich in Krieg begeben habe. Antenor antwortet: Lieber Philemon,
laſſe dir das nicht frembd fuͤrkommen. Es gehet in dieſer Zeit
nicht anders her. Der Teuffel wil itzt ſeinen ſonderlichen Spaß/
ſeine ſonderliche Luſt und Freude haben unter Knechten und Maͤg-
den. Er weiß wol daß er groſſe Herren und Potentaten/ reiche
Schlemmer und Hochgelaͤhrte oder hoffaͤrtige Narren leichtlich in

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[335/0377] Sieben boͤſe Geiſter. Schaden. Was? Hatte der Fuͤrſt geantwortet: Wer das geringe nicht achtet/ der iſt auch nicht werth/ daß man ihn zu et- was groͤſſers brauche. Jch habe das Ungluͤck hier in Hamburg gehabt/ daß mir unterweilens ehrliche Diener und Maͤgde ſind ver- fuͤhret worden/ und gemeiniglich/ wann ſie von mir kommen/ hat es ſie gereuet. Ein jeglicher Haußvater wird das ſeinige empfinden. Es iſt fuͤrwar die Untreu/ der Muthwill und Ungehorſam der Knechte und Maͤgde eine rechte Landplage. Jch bitte aber alle Haußvaͤter und Haußmuͤtter/ ſie wollen/ wann ſie dieſes Tractaͤtlein leſen/ zugleich leſen die kurtze Epiſtel S. Pauli an Philemon/ welche nach der Epi- ſtel an Titum zu finden. Und wann ihr Glaube kraͤfftig iſt/ durch Erkaͤntnis alle deß guten/ das ſie haben in Chriſto JEſu/ werden ſie ihre Knechte und Maͤgde nicht tractiren als Hunde/ ſondern werden gedencken/ daß ſie als Haußvaͤter auch einen Herrn im Himmel haben/ fuͤr welchem kein Anſehen der Perſon gilt/ welchem ſie dermaleins Rechenſchafft geben muͤſſen. Wollen es dem- nach machen wie der fromme Hauptmann zu Capernaum/ welcher ſeinen krancken Knecht nicht ließ ins Gaſthauß oder in das Peſthauß bringen/ ſondern tractiret ihn in ſeinem Hauſe/ und bemuͤhete die aͤlteſten/ oder wie wir itzo reden/ Burgermeiſter und Rath zu Capernaum/ daß ſie bey dem groſſen Artzte Chriſto Jeſu/ eine Vor- bitte vor ſeinen Knecht thun wollen/ daß er ihn geſund mache. Jch will/ geliebts Gott hinfuͤhro Haußvaͤtern und Haußmuͤttern auch eine Lection geben/ wie ſie ſich gegen ihre Knechte und Maͤgde verhalten ſollen. Unterdeſſen gehabt euch wol. TRummel und Trompetenſchall hoͤrete man hin und wider in Norden. Es giengen die Werbungen ſtarck fort. Wer Vater und Mutter nicht hat folgen wollen/ der nahm einen Ducaten/ und folgete einem Kalbs- felle/ als Philemon ſeinem Freunde Antenorn klag- te/ daß ſein Diener Oneſimus ihm entlauffen/ und ſich in Krieg begeben habe. Antenor antwortet: Lieber Philemon, laſſe dir das nicht frembd fuͤrkommen. Es gehet in dieſer Zeit nicht anders her. Der Teuffel wil itzt ſeinen ſonderlichen Spaß/ ſeine ſonderliche Luſt und Freude haben unter Knechten und Maͤg- den. Er weiß wol daß er groſſe Herren und Potentaten/ reiche Schlemmer und Hochgelaͤhrte oder hoffaͤrtige Narren leichtlich in ſein

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Zitationshilfe: Schupp, Johann Balthasar: Schrifften. Hrsg. v. Anton Meno Schupp. [Hanau], [1663], S. 335. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/schupp_schriften_1663/377>, abgerufen am 26.06.2022.