Schupp, Johann Balthasar: Schrifften. Hrsg. v. Anton Meno Schupp. [Hanau], [1663].Vorrede. 17. v. 18. Der König muste es mit eigener Hand abschreiben/ muste alleTag darin lesen/ und es allenthalben bey sich haben. Nic. Caussinus sagt: In sola sacra Scriptura contineri omnem sapientiam, Hebraei contendebant Nec permittebant curiosorum ingenia extra hunc scopum vagari, inde Is- mael, Doctor illius gentis celeberrimus, sororis filio quaerenti, an percepta lege Moysis, Graecorum leges posset legere? respondit: Potes, si eam horam impenderis, quae nec di ei sit nec noctis. Nam scriptum est: in lege Dei meditabitur die & nocte. Es ist hier wol in acht zu nehmen/ daß der König/ wann er zum Regiment kommen/ und schon ein Exemplar von dem Gesetz/ von seinen Eltern und Vorfahren ererbt hat/ so hat er es doch von den Priestern und Leviten nehmen/ und auff ein Buch müs- sen schreiben/ und hat darin sollen lesen sein Lebenlang. Der hochgelahr- te Mann Henricus Ernstius, Professor in der Ritter-Schul zu Sora/ rühmt deßwegen in seinem Tractat de Sabbatho/ König Christian den Vierten in Dennemarck/ und nennet ihn den Dänischen Josaphat/ und sagt: Certum est, eum tanto Verbi divini flagrasse desiderio, ut non modo Codice sacro perpetuo comite usus fuerit, sed etiam consiliorum suo- rum moderatore. Ipse enim quoties Regium conclave ingressus sum, sem- per in mensa reperi, tam domi quam foris in itinere, Biblia, quorum lectio- ne fortissimus ille Heros mirifice delectabatur. Herr Cantzler Reinking hat mir offt erzehlet/ daß die jetzt regierende Königl. Majest. in Denne- marck/ durch Jhre bey der Tafel geführte Politische Discurs auß der Bibel/ ihm Anlaß geben haben seine Biblische Politic zu schreiben. Wilhelm der weise Landgraff zu Hessen hat pflegen zu sagen: Er habe die Politic auß keinem Buch besser lernen können als auß der Bibel/ etc. Es ist Pedanterey/ daß man auff Universitäten viel disputirens macht auß dem Aristotele, de Virtutibus & Vitiis. Man explicire der Jugend die zehen Gebot recht/ und lasse sie fleissig in die Kirch gehen. Solte Pe- trus und Paulus nicht besser gewust haben was Virtutes & Vitia seyn als Aristoteles? Oder ist Moses deßwegen ein Narr/ oder ein höfflicher Bauer gewesen/ weil er deß Aristotelis Ethic nicht gelesen hat? Es ist Pedanterey/ daß man auff Universitäten grosse Disputationes politicas hält/ und disputirt, an Monarchia sit praeferenda Aristocratiae? An foe- minae sint capaces imperii? und was dergleichen Ding mehr sind. Wann die gantze Academia Oxoniensis & Cantabrigiensis würden nach Lon- den kommen/ und würden alle ihre Scalas praedicamentales anwerffen und Sturm lauffen/ so würden sie doch nicht Meister in Londen wer- den/ oder deß Protectors resolution ändern/ sondern er würde sagen/ ihr Herren Magistri nostri, nostrique Magistri, Jch hab da funfftzig tausend Scholarn, welche Mußqueten tragen/ Kugeln im Mund und im Sack/ brennende Lunten und Pulver genug bey sich haben/ die sollen euch auff eure Syllogismos, welche ihr gemacht habt in Barbara A 3
Vorrede. 17. v. 18. Der Koͤnig muſte es mit eigener Hand abſchreiben/ muſte alleTag darin leſen/ uñ es allenthalben bey ſich haben. Nic. Cauſſinus ſagt: In ſola ſacra Scriptura contineri omnem ſapientiam, Hebræi contendebant Nec permittebant curioſorum ingenia extra hunc ſcopum vagari, inde Iſ- mael, Doctor illius gentis celeberrimus, ſororis filio quærenti, an perceptâ lege Moyſis, Græcorum leges poſſet legere? reſpondit: Potes, ſi eam horam impenderis, quæ nec di ei ſit nec noctis. Nam ſcriptum eſt: in lege Dei meditabitur die & nocte. Es iſt hier wol in acht zu nehmen/ daß der Koͤnig/ wann er zum Regiment kommen/ und ſchon ein Exemplar von dem Geſetz/ von ſeinen Eltern und Vorfahren ererbt hat/ ſo hat er es doch von den Prieſtern und Leviten nehmen/ und auff ein Buch muͤſ- ſen ſchreiben/ und hat darin ſollen leſen ſein Lebenlang. Der hochgelahr- te Mann Henricus Ernſtius, Profeſſor in der Ritter-Schul zu Sora/ ruͤhmt deßwegen in ſeinem Tractat de Sabbatho/ Koͤnig Chriſtian den Vierten in Dennemarck/ und nennet ihn den Daͤniſchen Joſaphat/ und ſagt: Certum eſt, eum tanto Verbi divini flagraſſe deſiderio, ut non modo Codice ſacro perpetuo comite uſus fuerit, ſed etiam conſiliorum ſuo- rum moderatore. Ipſe enim quoties Regium conclave ingreſſus ſum, ſem- per in menſa reperi, tam domi quam foris in itinere, Biblia, quorum lectio- ne fortiſſimus ille Heros mirificè delectabatur. Herr Cantzler Reinking hat mir offt erzehlet/ daß die jetzt regierende Koͤnigl. Majeſt. in Denne- marck/ durch Jhre bey der Tafel gefuͤhrte Politiſche Diſcurs auß der Bibel/ ihm Anlaß geben haben ſeine Bibliſche Politic zu ſchreiben. Wilhelm der weiſe Landgraff zu Heſſen hat pflegen zu ſagen: Er habe die Politic auß keinem Buch beſſer lernen koͤnnen als auß der Bibel/ ꝛc. Es iſt Pedanterey/ daß man auff Univerſitaͤten viel diſputirens macht auß dem Ariſtotele, de Virtutibus & Vitiis. Man explicire der Jugend die zehen Gebot recht/ und laſſe ſie fleiſſig in die Kirch gehen. Solte Pe- trus und Paulus nicht beſſer gewuſt haben was Virtutes & Vitia ſeyn als Ariſtoteles? Oder iſt Moſes deßwegen ein Narꝛ/ oder ein hoͤfflicher Bauer geweſen/ weil er deß Ariſtotelis Ethic nicht geleſen hat? Es iſt Pedanterey/ daß man auff Univerſitaͤten groſſe Diſputationes politicas haͤlt/ und diſputirt, an Monarchia ſit præferenda Ariſtocratiæ? An fœ- minæ ſint capaces imperii? und was dergleichen Ding mehr ſind. Wañ die gantze Academia Oxonienſis & Cantabrigienſis wuͤrden nach Lon- den kommen/ und wuͤrden alle ihre Scalas prædicamentales anwerffen und Sturm lauffen/ ſo wuͤrden ſie doch nicht Meiſter in Londen wer- den/ oder deß Protectors reſolution aͤndern/ ſondern er wuͤrde ſagen/ ihr Herren Magiſtri noſtri, noſtrique Magiſtri, Jch hab da funfftzig tauſend Scholarn, welche Mußqueten tragen/ Kugeln im Mund und im Sack/ brennende Lunten und Pulver genug bey ſich haben/ die ſollen euch auff eure Syllogiſmos, welche ihr gemacht habt in Barbara A 3
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Vorrede.
17. v. 18. Der Koͤnig muſte es mit eigener Hand abſchreiben/ muſte alle
Tag darin leſen/ uñ es allenthalben bey ſich haben. Nic. Cauſſinus ſagt:
In ſola ſacra Scriptura contineri omnem ſapientiam, Hebræi contendebant
Nec permittebant curioſorum ingenia extra hunc ſcopum vagari, inde Iſ-
mael, Doctor illius gentis celeberrimus, ſororis filio quærenti, an perceptâ
lege Moyſis, Græcorum leges poſſet legere? reſpondit: Potes, ſi eam horam
impenderis, quæ nec di ei ſit nec noctis. Nam ſcriptum eſt: in lege Dei
meditabitur die & nocte. Es iſt hier wol in acht zu nehmen/ daß der
Koͤnig/ wann er zum Regiment kommen/ und ſchon ein Exemplar von
dem Geſetz/ von ſeinen Eltern und Vorfahren ererbt hat/ ſo hat er es
doch von den Prieſtern und Leviten nehmen/ und auff ein Buch muͤſ-
ſen ſchreiben/ und hat darin ſollen leſen ſein Lebenlang. Der hochgelahr-
te Mann Henricus Ernſtius, Profeſſor in der Ritter-Schul zu Sora/
ruͤhmt deßwegen in ſeinem Tractat de Sabbatho/ Koͤnig Chriſtian den
Vierten in Dennemarck/ und nennet ihn den Daͤniſchen Joſaphat/
und ſagt: Certum eſt, eum tanto Verbi divini flagraſſe deſiderio, ut non
modo Codice ſacro perpetuo comite uſus fuerit, ſed etiam conſiliorum ſuo-
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ne fortiſſimus ille Heros mirificè delectabatur. Herr Cantzler Reinking
hat mir offt erzehlet/ daß die jetzt regierende Koͤnigl. Majeſt. in Denne-
marck/ durch Jhre bey der Tafel gefuͤhrte Politiſche Diſcurs auß der
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Wilhelm der weiſe Landgraff zu Heſſen hat pflegen zu ſagen: Er habe
die Politic auß keinem Buch beſſer lernen koͤnnen als auß der Bibel/ ꝛc.
Es iſt Pedanterey/ daß man auff Univerſitaͤten viel diſputirens macht
auß dem Ariſtotele, de Virtutibus & Vitiis. Man explicire der Jugend
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trus und Paulus nicht beſſer gewuſt haben was Virtutes & Vitia ſeyn
als Ariſtoteles? Oder iſt Moſes deßwegen ein Narꝛ/ oder ein hoͤfflicher
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Pedanterey/ daß man auff Univerſitaͤten groſſe Diſputationes politicas
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minæ ſint capaces imperii? und was dergleichen Ding mehr ſind. Wañ
die gantze Academia Oxonienſis & Cantabrigienſis wuͤrden nach Lon-
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und Sturm lauffen/ ſo wuͤrden ſie doch nicht Meiſter in Londen wer-
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ihr Herren Magiſtri noſtri, noſtrique Magiſtri, Jch hab da funfftzig
tauſend Scholarn, welche Mußqueten tragen/ Kugeln im Mund
und im Sack/ brennende Lunten und Pulver genug bey ſich haben/
die ſollen euch auff eure Syllogiſmos, welche ihr gemacht habt in
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| Zitationshilfe: | Schupp, Johann Balthasar: Schrifften. Hrsg. v. Anton Meno Schupp. [Hanau], [1663], S. 5. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/schupp_schriften_1663/47>, abgerufen am 06.08.2024. |


