Schupp, Johann Balthasar: Schrifften. Hrsg. v. Anton Meno Schupp. [Hanau], [1663].Von der Einbildung. Kriege Ursachen/ vortreflicher Feld-Obristen geheime Rahtschläge?Der Soldaten erwiesene hertzhafftige Tapfferkeit? Wil man gleich- sam die in einer Tafel abgemahlte heimliche Kriegsräncke/ wie gantze Kriegsheer geschlagen und zu Boden geleget? Wie viel eingenomme- ne und geplünderte Städte? Zu Grund vertilgete und außgerottete Königreiche und Fürstenthumer erforschen? Der gehe zu den Histo- rien/ welche da sind menschlichen Lebens Lehrmeisterin/ und aller Er- getzligkeiten kürtzlicher Außzug. Nichts desto weniger werden sie von der Einbildung verleitet und verführet/ denn sie mehr und lieber der alten Tugenden Lober als Nachfolger seyn wollen. Die Critici werden nicht weniger von närrischer Einbildung breischen L l v
Von der Einbildung. Kriege Urſachen/ vortreflicher Feld-Obriſten geheime Rahtſchlaͤge?Der Soldaten erwieſene hertzhafftige Tapfferkeit? Wil man gleich- ſam die in einer Tafel abgemahlte heimliche Kriegsraͤncke/ wie gantze Kriegsheer geſchlagen und zu Boden geleget? Wie viel eingenomme- ne und gepluͤnderte Staͤdte? Zu Grund vertilgete und außgerottete Koͤnigreiche und Fuͤrſtenthumer erforſchen? Der gehe zu den Hiſto- rien/ welche da ſind menſchlichen Lebens Lehrmeiſterin/ und aller Er- getzligkeiten kuͤrtzlicher Außzug. Nichts deſto weniger werden ſie von der Einbildung verleitet und verfuͤhret/ denn ſie mehr und lieber der alten Tugenden Lober als Nachfolger ſeyn wollen. Die Critici werden nicht weniger von naͤrꝛiſcher Einbildung breiſchen L l v
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Von der Einbildung.
Kriege Urſachen/ vortreflicher Feld-Obriſten geheime Rahtſchlaͤge?
Der Soldaten erwieſene hertzhafftige Tapfferkeit? Wil man gleich-
ſam die in einer Tafel abgemahlte heimliche Kriegsraͤncke/ wie gantze
Kriegsheer geſchlagen und zu Boden geleget? Wie viel eingenomme-
ne und gepluͤnderte Staͤdte? Zu Grund vertilgete und außgerottete
Koͤnigreiche und Fuͤrſtenthumer erforſchen? Der gehe zu den Hiſto-
rien/ welche da ſind menſchlichen Lebens Lehrmeiſterin/ und aller Er-
getzligkeiten kuͤrtzlicher Außzug. Nichts deſto weniger werden ſie von
der Einbildung verleitet und verfuͤhret/ denn ſie mehr und lieber der
alten Tugenden Lober als Nachfolger ſeyn wollen.
Die Critici werden nicht weniger von naͤrꝛiſcher Einbildung
verleitet/ denn ſie werden vom Nachdencken genennet/ da ihnen unteꝛ-
weilen nichts mehr als rechtes Nachſinnen mangelt; weꝛden auch Do-
ctores der Demuth und humanitet genennet/ vielleicht weil ſie goͤtt-
liche Dinge wenig achten. Wir wollen hier hoͤren was der vortrefli-
che Kaͤyſer Sigismundus darvon gehalten. Der redete die auff dem
zu Conſtantz verſamlete Biſchoͤffe alſo an. Sehet wol zu ihr lieben
Vaͤter/ daß ihr die verdamliche Lehr pernicioſiſſimam ſchiſma
recht außreutet/ da Er ſolte ſagen pernicioſiſſimum ſchiſma, da
war einer unter ihnen/ der meynte/ er muͤſte den frommen Kaͤyſer
des Worts halben coarigiren und tadeln/ fing an und ſagte/ ſchiſma
iſt generis neutri, fraget der Kaͤyſer/ wer ſagt das? Da antwortet er
und ſagte/ Alexander Gallus? Der Kaͤyſer/ wer iſt Alexander Gal-
lus? Pater, Monachus, ſagte Sigiſmundus, und ich bin Roͤmiſcher
Kaͤyſer/ und gelte etwas mehr als der arme Bettel-Moͤnch. Die La-
teiniſche Sprache iſt nicht zuverwerffen noch zu verachten. Gleich-
wol iſt es nicht der geringſten Thorheit heute zu Tage eine/ daß umb
ein Wort zwey oder drey Latein halber zum oͤfftern die aller unge-
ſchickteſten und gottloſeſten Pfaffen einer Gemeine gleichſam uffge-
drungen und uffgezwungen werden/ wie auch bey den Regierungen/
und wird ihnen auß keiner andern Urſachen die Kirche und Regierung
anvertrauet/ als daß ſie ein wenig Latein zu wege ſamlen koͤnnen/ da
andere ehrliche und verſtaͤndige Leute hinten anſtehen muͤſſen/ darum
weilen ſie nicht wiſſen/ daß Grammatica eine Kunſt ſeye/ welches
jene gute Magd wuſte/ und meynete/ ſie haͤtte eine groſſe Kunſt/ weil
ſie S. V. einen groſſen Arſch hatte. Æſopus hatte nur ſeine Gaͤrtners
Hacke in der Hand? und lernete dadurch/ in dem er gleichſam andere
Sachen thaͤte/ mehr/ als ſolche Beani auß ihren Buͤchern/ welche ſie
von Staub und Schimmel uberwachſen/ des Jahrs nur einmal an-
ſehen. Wenn der Witz in der Lateiniſchen Sprache beſtehet/ waͤre es
genug geweſen/ wenn uns Chriſtus die Lateiniſche Grammatic als
daß er das Evangelium hinterlaſſen. Von der Griechiſchen und He-
breiſchen
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