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Semper, Karl: Die Philippinen und ihre Bewohner. Sechs Skizzen. Würzburg, 1869.

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genau hier die Worte meines Tagebuches. "1856 etwa im September oder October sahen sie (die Eingebornen) Morgens früh zwischen 2 Klippen, die ihnen lange bekannt, hoch und schroff aus dem Wasser emporragten, Rauch aufsteigen, den sie zuerst für ein Schiff hielten. Er schwamm als leichte Wolke dicht über dem Wasser, allmälig erhob sich diese mehr und mehr und schliesslich trat eine dichte Rauchwolke senkrecht empor. Es schien, als ob ein grosser Theil nach allen Richtungen sich ausbreitend wie ein Schirm dicht dabei wieder niederfiele und eine kleine Insel bildete, die sich allmälig durch solches Aufschütten vergrösserte. In der Nacht zuvor hatten sie nur ein heftiges Gewitter mit Windstössen bemerkt, aber kein Erdbeben. Im Jahre 1857 fand ein sehr heftiger Ausbruch statt mit heftigem Erdbeben. An demselben Tage, an welchem sich 1856 der Ausbruch (der vulcanischen Masse) über die Wasserfläche erhob, stürzte die obere Hälfte der beiden Klippen Didica ein, zwischen denen jener Ausbruch stattgefunden hatte. Seitdem ist der Vulcan in beständigem Arbeiten, und er hat sich nach Aussage der Leute zu einer bedeutenden Höhe erhoben, die sie mit derjenigen des Berges von Camiguin verglichen." Angespornt durch diese Erzählung, begab ich mich an die Ostküste der Insel, um zu sehen, ob es mir nicht, trotz der vorgerückten Jahreszeit--im September--und der mit dem Wechsel der Monsune eintretenden Stürme gelingen möchte, diesem jungfräulichen schaumgebornen Vulcane einen ersten Besuch abzustatten. Leider fand ich mich, wie in Mindanao durch den Mangel der Schuhe, so hier durch den stürmischen Seegang verhindert, mich der Gefahr auszusetzen in der Umgebung des Vulcans gebraten zu werden. Die Eingebornen waren auf keine Weise zu einem solchen Wagestück zu bewegen. So musste ich mich mit einem sehnsüchtigen Blick auf den Vulcan und einer Messung des Elevationswinkels des aufgeworfenen Berges begnügen, dessen Berechnung bei Annahme der auf einer Karte des schon genannten D. Claudio Montero angegebenen Distanz die Höhe des Gipfels über dem Meere auf wenigstens 700' ergiebt, welche derselbe vom September 1856 bis zum October 1860 schon erreicht hatte. Es dürfte nicht viele im Meere in historischer Zeit entstandene Vulcane geben, welche eine so rasche Erhebung über dem Meere durch Aufschüttung aufzuweisen hätten.

genau hier die Worte meines Tagebuches. “1856 etwa im September oder October sahen sie (die Eingebornen) Morgens früh zwischen 2 Klippen, die ihnen lange bekannt, hoch und schroff aus dem Wasser emporragten, Rauch aufsteigen, den sie zuerst für ein Schiff hielten. Er schwamm als leichte Wolke dicht über dem Wasser, allmälig erhob sich diese mehr und mehr und schliesslich trat eine dichte Rauchwolke senkrecht empor. Es schien, als ob ein grosser Theil nach allen Richtungen sich ausbreitend wie ein Schirm dicht dabei wieder niederfiele und eine kleine Insel bildete, die sich allmälig durch solches Aufschütten vergrösserte. In der Nacht zuvor hatten sie nur ein heftiges Gewitter mit Windstössen bemerkt, aber kein Erdbeben. Im Jahre 1857 fand ein sehr heftiger Ausbruch statt mit heftigem Erdbeben. An demselben Tage, an welchem sich 1856 der Ausbruch (der vulcanischen Masse) über die Wasserfläche erhob, stürzte die obere Hälfte der beiden Klippen Didica ein, zwischen denen jener Ausbruch stattgefunden hatte. Seitdem ist der Vulcan in beständigem Arbeiten, und er hat sich nach Aussage der Leute zu einer bedeutenden Höhe erhoben, die sie mit derjenigen des Berges von Camiguin verglichen.” Angespornt durch diese Erzählung, begab ich mich an die Ostküste der Insel, um zu sehen, ob es mir nicht, trotz der vorgerückten Jahreszeit—im September—und der mit dem Wechsel der Monsune eintretenden Stürme gelingen möchte, diesem jungfräulichen schaumgebornen Vulcane einen ersten Besuch abzustatten. Leider fand ich mich, wie in Mindanao durch den Mangel der Schuhe, so hier durch den stürmischen Seegang verhindert, mich der Gefahr auszusetzen in der Umgebung des Vulcans gebraten zu werden. Die Eingebornen waren auf keine Weise zu einem solchen Wagestück zu bewegen. So musste ich mich mit einem sehnsüchtigen Blick auf den Vulcan und einer Messung des Elevationswinkels des aufgeworfenen Berges begnügen, dessen Berechnung bei Annahme der auf einer Karte des schon genannten D. Claudio Montero angegebenen Distanz die Höhe des Gipfels über dem Meere auf wenigstens 700′ ergiebt, welche derselbe vom September 1856 bis zum October 1860 schon erreicht hatte. Es dürfte nicht viele im Meere in historischer Zeit entstandene Vulcane geben, welche eine so rasche Erhebung über dem Meere durch Aufschüttung aufzuweisen hätten.

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                     erhob sich diese mehr und mehr und schliesslich trat eine dichte Rauchwolke
                     senkrecht empor. Es schien, als ob ein grosser Theil nach allen Richtungen sich
                     ausbreitend wie ein Schirm dicht dabei wieder niederfiele und eine kleine Insel
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[18/0018] genau hier die Worte meines Tagebuches. “1856 etwa im September oder October sahen sie (die Eingebornen) Morgens früh zwischen 2 Klippen, die ihnen lange bekannt, hoch und schroff aus dem Wasser emporragten, Rauch aufsteigen, den sie zuerst für ein Schiff hielten. Er schwamm als leichte Wolke dicht über dem Wasser, allmälig erhob sich diese mehr und mehr und schliesslich trat eine dichte Rauchwolke senkrecht empor. Es schien, als ob ein grosser Theil nach allen Richtungen sich ausbreitend wie ein Schirm dicht dabei wieder niederfiele und eine kleine Insel bildete, die sich allmälig durch solches Aufschütten vergrösserte. In der Nacht zuvor hatten sie nur ein heftiges Gewitter mit Windstössen bemerkt, aber kein Erdbeben. Im Jahre 1857 fand ein sehr heftiger Ausbruch statt mit heftigem Erdbeben. An demselben Tage, an welchem sich 1856 der Ausbruch (der vulcanischen Masse) über die Wasserfläche erhob, stürzte die obere Hälfte der beiden Klippen Didica ein, zwischen denen jener Ausbruch stattgefunden hatte. Seitdem ist der Vulcan in beständigem Arbeiten, und er hat sich nach Aussage der Leute zu einer bedeutenden Höhe erhoben, die sie mit derjenigen des Berges von Camiguin verglichen.” Angespornt durch diese Erzählung, begab ich mich an die Ostküste der Insel, um zu sehen, ob es mir nicht, trotz der vorgerückten Jahreszeit—im September—und der mit dem Wechsel der Monsune eintretenden Stürme gelingen möchte, diesem jungfräulichen schaumgebornen Vulcane einen ersten Besuch abzustatten. Leider fand ich mich, wie in Mindanao durch den Mangel der Schuhe, so hier durch den stürmischen Seegang verhindert, mich der Gefahr auszusetzen in der Umgebung des Vulcans gebraten zu werden. Die Eingebornen waren auf keine Weise zu einem solchen Wagestück zu bewegen. So musste ich mich mit einem sehnsüchtigen Blick auf den Vulcan und einer Messung des Elevationswinkels des aufgeworfenen Berges begnügen, dessen Berechnung bei Annahme der auf einer Karte des schon genannten D. Claudio Montero angegebenen Distanz die Höhe des Gipfels über dem Meere auf wenigstens 700′ ergiebt, welche derselbe vom September 1856 bis zum October 1860 schon erreicht hatte. Es dürfte nicht viele im Meere in historischer Zeit entstandene Vulcane geben, welche eine so rasche Erhebung über dem Meere durch Aufschüttung aufzuweisen hätten.

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Zitationshilfe: Semper, Karl: Die Philippinen und ihre Bewohner. Sechs Skizzen. Würzburg, 1869, S. 18. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/semper_philippinen_1869/18>, abgerufen am 01.08.2021.