Soden, Julius von: Alethia. Leipzig, 1796.immer ein idealisches Wesen seyn, selbst seine Unbegreiflicher Widerspruch der Mensch- immer ein idealiſches Weſen ſeyn, ſelbſt ſeine Unbegreiflicher Widerſpruch der Menſch- <TEI> <text> <body> <div n="1"> <p><pb facs="#f0150" n="138"/> immer ein idealiſches Weſen ſeyn, ſelbſt ſeine<lb/><hi rendition="#g">Jdealitaͤt</hi> iſt <hi rendition="#g">zwekmaͤßig</hi>. Seine Jake<lb/> exiſtirt nicht, <hi rendition="#g">ihr</hi> verzeiht man alſo alles. Er<lb/> kann die Thorheiten und Laſter am ſicherſten<lb/> geißeln, weil man ihn einmal fuͤr ein fanta-<lb/> ſtiſches Weſen haͤlt. Jhm und bei ihm iſt<lb/> nichts unnatuͤrlich. Aber eben deswegen er-<lb/> ſezt ihn der <hi rendition="#g">luſtige Bediente</hi> nicht, den<lb/> man ihm unterſtellen wollte; denn die Frech-<lb/> heit eines ſolchen <hi rendition="#g">wuͤrklichen</hi> Menſchen<lb/> empoͤrt, weil ſie nicht wahr iſt. Ueberdieß<lb/> giebt ſie fuͤr die Menſchen <hi rendition="#g">ſeiner</hi> Klaſſe ein<lb/> den Sitten ſehr nachtheiliges Beiſpiel.</p><lb/> <p>Unbegreiflicher Widerſpruch der Menſch-<lb/> heit! Wir gaͤhnen in Ritter-Stuͤken, Haupt-<lb/> und Staats-Akzionen, oder Dramen, bei<lb/> denen man nicht lachen noch weinen kann,<lb/> und ſchaͤmen uns, es zu geſtehen; und um<lb/></p> </div> </body> </text> </TEI> [138/0150]
immer ein idealiſches Weſen ſeyn, ſelbſt ſeine
Jdealitaͤt iſt zwekmaͤßig. Seine Jake
exiſtirt nicht, ihr verzeiht man alſo alles. Er
kann die Thorheiten und Laſter am ſicherſten
geißeln, weil man ihn einmal fuͤr ein fanta-
ſtiſches Weſen haͤlt. Jhm und bei ihm iſt
nichts unnatuͤrlich. Aber eben deswegen er-
ſezt ihn der luſtige Bediente nicht, den
man ihm unterſtellen wollte; denn die Frech-
heit eines ſolchen wuͤrklichen Menſchen
empoͤrt, weil ſie nicht wahr iſt. Ueberdieß
giebt ſie fuͤr die Menſchen ſeiner Klaſſe ein
den Sitten ſehr nachtheiliges Beiſpiel.
Unbegreiflicher Widerſpruch der Menſch-
heit! Wir gaͤhnen in Ritter-Stuͤken, Haupt-
und Staats-Akzionen, oder Dramen, bei
denen man nicht lachen noch weinen kann,
und ſchaͤmen uns, es zu geſtehen; und um
Suche im WerkInformationen zum Werk
Download dieses Werks
XML (TEI P5) ·
HTML ·
Text Metadaten zum WerkTEI-Header · CMDI · Dublin Core Ansichten dieser Seite
Voyant Tools
|
| URL zu diesem Werk: | https://www.deutschestextarchiv.de/soden_alethia_1796 |
| URL zu dieser Seite: | https://www.deutschestextarchiv.de/soden_alethia_1796/150 |
| Zitationshilfe: | Soden, Julius von: Alethia. Leipzig, 1796, S. 138. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/soden_alethia_1796/150>, abgerufen am 23.09.2024. |


