Spener, Philipp Jakob: Theologische Bedencken. Bd. 2. Halle (Saale), 1701.ARTIC. I. SECTIO XII. dern zum zeichen seines alten bundes mit den Jsraeliten 2. Mos. 31/ 13. u. f.Ezech. 20/ 12. verordnet hat. Daher nicht allein das vorbild auff das künff- tige/ nachdem der leib selbs gekommen/ in dem N. T. auffhöret/ sondern alles dasjenige/ was über den in dem menschlichen leben nothwendigen sabbath/ als worinnen die krafft des gebots stehet/ und davon bald folgen solle/ in dem A. T. von unterschiedlichen satzungen hinzugethan/ und die strenge desselben sehr geschärfft worden ist/ uns in dem N. T. eigenlich nicht mehr angehet, Sonderlich müssen wir wohl anmercken/ daß das verbot der eusserlichen arbeit der art des A. T. welches mit eusserlichen dingen grossen theils umging/ al- lerdings gemäß/ und also wahrhafftig ein stück des gesetzes selbs gewesen. Da hingegen das N. T. mit dem eusserlichen nicht anders/ als wie es zu dem inner- lichen führet/ oder dessen übung ist/ oder auch hingegen daran hindert/ um- gehet/ dasselbe auszuschliessen/ oder zuerfordern. 3. Jndessen muß das haupt-werck in dem dritten gebot auch in dem N. zu F
ARTIC. I. SECTIO XII. dern zum zeichen ſeines alten bundes mit den Jſraeliten 2. Moſ. 31/ 13. u. f.Ezech. 20/ 12. verordnet hat. Daher nicht allein das vorbild auff das kuͤnff- tige/ nachdem der leib ſelbs gekommen/ in dem N. T. auffhoͤret/ ſondern alles dasjenige/ was uͤber den in dem menſchlichen leben nothwendigen ſabbath/ als worinnen die krafft des gebots ſtehet/ und davon bald folgen ſolle/ in dem A. T. von unterſchiedlichen ſatzungen hinzugethan/ und die ſtrenge deſſelben ſehr geſchaͤrfft worden iſt/ uns in dem N. T. eigenlich nicht mehr angehet, Sonderlich muͤſſen wir wohl anmerckẽ/ daß das verbot der euſſerlichen arbeit der art des A. T. welches mit euſſerlichen dingen groſſen theils umging/ al- lerdings gemaͤß/ und alſo wahrhafftig ein ſtuͤck des geſetzes ſelbs geweſen. Da hingegen das N. T. mit dem euſſerlichen nicht anders/ als wie es zu dem inner- lichen fuͤhret/ oder deſſen uͤbung iſt/ oder auch hingegen daran hindert/ um- gehet/ daſſelbe auszuſchlieſſen/ oder zuerfordern. 3. Jndeſſen muß das haupt-werck in dem dritten gebot auch in dem N. zu F
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ARTIC. I. SECTIO XII.
dern zum zeichen ſeines alten bundes mit den Jſraeliten 2. Moſ. 31/ 13. u. f.
Ezech. 20/ 12. verordnet hat. Daher nicht allein das vorbild auff das kuͤnff-
tige/ nachdem der leib ſelbs gekommen/ in dem N. T. auffhoͤret/ ſondern alles
dasjenige/ was uͤber den in dem menſchlichen leben nothwendigen ſabbath/
als worinnen die krafft des gebots ſtehet/ und davon bald folgen ſolle/ in dem
A. T. von unterſchiedlichen ſatzungen hinzugethan/ und die ſtrenge deſſelben
ſehr geſchaͤrfft worden iſt/ uns in dem N. T. eigenlich nicht mehr angehet,
Sonderlich muͤſſen wir wohl anmerckẽ/ daß das verbot der euſſerlichen arbeit
der art des A. T. welches mit euſſerlichen dingen groſſen theils umging/ al-
lerdings gemaͤß/ und alſo wahrhafftig ein ſtuͤck des geſetzes ſelbs geweſen. Da
hingegen das N. T. mit dem euſſerlichen nicht anders/ als wie es zu dem inner-
lichen fuͤhret/ oder deſſen uͤbung iſt/ oder auch hingegen daran hindert/ um-
gehet/ daſſelbe auszuſchlieſſen/ oder zuerfordern.
3. Jndeſſen muß das haupt-werck in dem dritten gebot auch in dem N.
T. allerdings bleiben. Wir koͤnnen aber daſſelbe ſonderlich finden/ wo wir
auff den unterſcheid der gebot der erſten taffel ſehen: da gehet nun das erſte
gebot damit um/ daß unſre ſeele mit allen ihren kraͤfften/ in erkaͤntnuͤß/ liebe/
furcht und vertrauen GOtt allein gewidmet werde: das andere damit/ daß
ſolcher innerliche erſte dienſt in der erkaͤntnuͤß/ liebe/ furcht und vertranen
GOttes ſich heraus laſſe in allem dem/ worinnen goͤttlicher nahme/ und wie
ſich der HErr uns offenbahret hat/ von uns geheiliget und recht gebraucht
werden moͤge. Auſſer dieſen beiden ſtuͤcken erfordert auch goͤttliche ehre noth-
wendig einstheils/ daß die menſchen nicht nur eintzeln und jeglicher fuͤr ſich
ſelbs GOtt dienen/ ihn loben und preiſen/ ſondern daß dergleichen auch in ei-
ner gemeinde geſchehe/ welcher dienſt GOtt ſo viel beſſer gefaͤlt/ und einer
durch den andern auffgemuntert wird; darzu aber muͤſſen verſammlungen
geſchehen: andeꝛn theils eꝛfordeꝛt ſie auch jetzo nach dem fall/ weil der menſch/
was das erſte gebot von ihm fordert/ die erkaͤntnuͤß/ liebe/ furcht und ver-
trauen GOttes nicht hat/ noch dieſelbe nach dem andern gebot aus ſich ſelbs
uͤben kan/ ſondern ſie erſt von GOTT in ihm gewircket werden muͤſſen/ fer-
ner ſie GOtt durch ſein wort wircken will/ daher mit deſemlben umzugehen/
ſolches zu hoͤren/ zu leſen und zu betrachten iſt/ hingegen der menſch wegen
nach dem fall aufferlegter ſchwehrer euſſerlicher arbeit und ſchweiß ſeines an-
geſichts 1. Moſ. 3/ 19. nun unmuͤglich alle zeit zu ſolchen geiſtlichen wercken/
darinnen an ſeiner heiligung abſonderlich gearbeitet wird/ anwenden kan/
ja deren aller meiſten wegen dero armuth oder dienſtbarkeit wenig darzu uͤ-
brig bleibet/ daß dann eine gewiſſe zeit ſeye/ welche den weltlichen und leibl.
verrichtungen ſofern entzogen werde/ damit der menſch dieſelbe ungehindert
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| Zitationshilfe: | Spener, Philipp Jakob: Theologische Bedencken. Bd. 2. Halle (Saale), 1701, S. 41. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/spener_bedencken02_1701/49>, abgerufen am 26.09.2024. |


