Spener, Philipp Jakob: Theologische Bedencken. Bd. 2. Halle (Saale), 1701.Das dritte Capitel. welcher von dergemeinde gesondert wird/ sich solcher gemeinschafft enthal-ten muß/ also daß die excommunication hauptsächlich darinnen bestehet/ wer von diesem mahl ausgeschlossen wird. Wann nun dieses werck einer solchen wichtigkeit/ und der gantzen gemeinde so hoch dran gelegen ist/ daß sie zwahr wol einige/ die sie nicht für brüder hält/ annoch in der gemeinschafft des gehörs göttlichen worts/ auch eben des gebets/ leidet/ nicht aber an die- sem tische dultet/ so gehöret der gantzen gemeinde vor allem die aufficht auf die verwaltung dieses Sacraments; welche auffsicht sie ordenlicher weise durch das predigamt übet/ aber sich auch billich über dasselbe die ober-macht und auffsicht/ damit es sich der gewalt nicht mißbrauche/ vorbehält. Hingegen will sichs nicht thun lassen/ daß einiger mensch in solcher sache für sich felbs etwas vornehme. Dabey zu mercken ist/ daß alle diese göttliche ordnungen angesehen werden müssen/ nicht wie sie etwa wircklich in einem mißbrauch in dem verderbten stand der kirche stehen: wo ich gern bekenne/ daß die frucht dieser auffsicht heut zutage sehr gering seye/ und den zweck Christi nicht errei- che; sondern in ihrem zustand/ wie sie eingesetzt sind/ und wie sichs damit verhalten solte: daher was auch in diesem stand der göttlichen ordnung würde abbruch thun können/ solches muß der absicht des HErrn auch entge- gen seyn. Nun wo die geheime communionen solten für recht gehalten werden/ würde darmit das vornehmste der krafft der excommunication der ärgerlichen (wo sie auch recht gebraucht worden wäre/) dahin fallen/ und sich ein solcher excommunicirter/ wenig darumzu bekümmern haben/ ob er zu der communion der übrigen gelassen würde/ indem er des Sacraments ent- weder vor sich allein/ oder wo er jemand anders dazu bereden würde/ so offt er nur wolte/ theilhafftig werden könte. Da aber jeder leicht begreifft/ was vor unordnung dieses nach sich ziehen würde; daher auch das jenige/ daraus solches von sich selbs entstehet/ die göttliche ordnung nicht seyn muß. Wie nun 7. auch noch dieses hinzu setze/ daß dergleichen heimliche gnug
Das dritte Capitel. welcher von dergemeinde geſondert wird/ ſich ſolcher gemeinſchafft enthal-ten muß/ alſo daß die excommunication hauptſaͤchlich darinnen beſtehet/ wer von dieſem mahl ausgeſchloſſen wird. Wann nun dieſes werck einer ſolchen wichtigkeit/ und der gantzen gemeinde ſo hoch dran gelegen iſt/ daß ſie zwahr wol einige/ die ſie nicht fuͤr bruͤder haͤlt/ annoch in der gemeinſchafft des gehoͤrs goͤttlichen worts/ auch eben des gebets/ leidet/ nicht aber an die- ſem tiſche dultet/ ſo gehoͤret deꝛ gantzen gemeinde vor allem die aufficht auf die verwaltung dieſes Sacraments; welche auffſicht ſie ordenlicher weiſe durch das predigamt uͤbet/ aber ſich auch billich uͤber daſſelbe die ober-macht und auffſicht/ damit es ſich der gewalt nicht mißbrauche/ vorbehaͤlt. Hingegen will ſichs nicht thun laſſen/ daß einiger menſch in ſolcher ſache fuͤr ſich felbs etwas vornehme. Dabey zu mercken iſt/ daß alle dieſe goͤttliche ordnungen angeſehen werden muͤſſen/ nicht wie ſie etwa wircklich in einem mißbrauch in dem verderbten ſtand der kirche ſtehen: wo ich gern bekenne/ daß die frucht dieſer auffſicht heut zutage ſehr gering ſeye/ und den zweck Chriſti nicht errei- che; ſondern in ihrem zuſtand/ wie ſie eingeſetzt ſind/ und wie ſichs damit verhalten ſolte: daher was auch in dieſem ſtand der goͤttlichen ordnung wuͤrde abbruch thun koͤnnen/ ſolches muß der abſicht des HErrn auch entge- gen ſeyn. Nun wo die geheime communionen ſolten fuͤr recht gehalten werden/ wuͤrde darmit das vornehmſte der krafft der excommunication der aͤrgerlichen (wo ſie auch recht gebraucht worden waͤre/) dahin fallen/ und ſich ein ſolcher excommunicirter/ wenig darumzu bekuͤmmern haben/ ob er zu der communion der uͤbrigen gelaſſen wuͤrde/ indem er des Sacraments ent- weder vor ſich allein/ oder wo er jemand anders dazu bereden wuͤrde/ ſo offt er nur wolte/ theilhafftig werden koͤnte. Da aber jeder leicht begreifft/ was vor unordnung dieſes nach ſich ziehen wuͤrde; daher auch das jenige/ daraus ſolches von ſich ſelbs entſtehet/ die goͤttliche ordnung nicht ſeyn muß. Wie nun 7. auch noch dieſes hinzu ſetze/ daß dergleichen heimliche gnug
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Das dritte Capitel.
welcher von dergemeinde geſondert wird/ ſich ſolcher gemeinſchafft enthal-
ten muß/ alſo daß die excommunication hauptſaͤchlich darinnen beſtehet/
wer von dieſem mahl ausgeſchloſſen wird. Wann nun dieſes werck einer
ſolchen wichtigkeit/ und der gantzen gemeinde ſo hoch dran gelegen iſt/ daß
ſie zwahr wol einige/ die ſie nicht fuͤr bruͤder haͤlt/ annoch in der gemeinſchafft
des gehoͤrs goͤttlichen worts/ auch eben des gebets/ leidet/ nicht aber an die-
ſem tiſche dultet/ ſo gehoͤret deꝛ gantzen gemeinde vor allem die aufficht auf die
verwaltung dieſes Sacraments; welche auffſicht ſie ordenlicher weiſe durch
das predigamt uͤbet/ aber ſich auch billich uͤber daſſelbe die ober-macht und
auffſicht/ damit es ſich der gewalt nicht mißbrauche/ vorbehaͤlt. Hingegen
will ſichs nicht thun laſſen/ daß einiger menſch in ſolcher ſache fuͤr ſich felbs
etwas vornehme. Dabey zu mercken iſt/ daß alle dieſe goͤttliche ordnungen
angeſehen werden muͤſſen/ nicht wie ſie etwa wircklich in einem mißbrauch
in dem verderbten ſtand der kirche ſtehen: wo ich gern bekenne/ daß die frucht
dieſer auffſicht heut zutage ſehr gering ſeye/ und den zweck Chriſti nicht errei-
che; ſondern in ihrem zuſtand/ wie ſie eingeſetzt ſind/ und wie ſichs damit
verhalten ſolte: daher was auch in dieſem ſtand der goͤttlichen ordnung
wuͤrde abbruch thun koͤnnen/ ſolches muß der abſicht des HErrn auch entge-
gen ſeyn. Nun wo die geheime communionen ſolten fuͤr recht gehalten
werden/ wuͤrde darmit das vornehmſte der krafft der excommunication der
aͤrgerlichen (wo ſie auch recht gebraucht worden waͤre/) dahin fallen/ und
ſich ein ſolcher excommunicirter/ wenig darumzu bekuͤmmern haben/ ob er zu
der communion der uͤbrigen gelaſſen wuͤrde/ indem er des Sacraments ent-
weder vor ſich allein/ oder wo er jemand anders dazu bereden wuͤrde/ ſo
offt er nur wolte/ theilhafftig werden koͤnte. Da aber jeder leicht begreifft/
was vor unordnung dieſes nach ſich ziehen wuͤrde; daher auch das jenige/
daraus ſolches von ſich ſelbs entſtehet/ die goͤttliche ordnung nicht ſeyn
muß.
Wie nun 7. auch noch dieſes hinzu ſetze/ daß dergleichen heimliche
communionen nicht recht/ und ſonderlich zu dieſer gegen waͤrtigen zeit nicht
einzufuͤhren ſeyn/ wegen faſt unzaͤhlicher aͤrgernuͤſſen/ dero die vornehmſte
etwa erzehlen ſolle. 1. Wuͤrden ſolche leute/ ſo bald dergleichen kund
wuͤrde/ eine trennung verurſachen/ und weil ſie eine ſonderbare communion
des Sacraments/ ſo der gantzen kirchen zu kommet/ anſtelleten/ damit ihre
ſonderung von den uͤbrigen bezeugen/ und daher auch ſelbs ausgeſtoſſen zu
werden veranlaſſen. Nun iſt die trennung in der kirchen eines der groͤſſe-
ſten uͤbel als gefunden werden kan/ nachdem ſie der einigkeit derſelben/ die
der leib Chriſti iſt/ und ein ſtuͤck ſeiner ehre in jener beſtehet/ ſchnurſtracks
entgegen/ hinwider unzaͤhlicher anderer ſuͤnden/ die/ wo jene einreißt/ nicht
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| Zitationshilfe: | Spener, Philipp Jakob: Theologische Bedencken. Bd. 2. Halle (Saale), 1701, S. 60. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/spener_bedencken02_1701/68>, abgerufen am 26.09.2024. |


