athemlos unten ankamen, sahen sie Bruno ohnmäch¬ tig, von Albert gehalten, während die Anderen rath¬ los umherstanden.
"Holen Sie Wasser, schnell!" sagte Oswald, Al¬ bert den Knaben abnehmend und diesem das Hals¬ tuch abknüpfend und die Kleider öffnend, woran noch Niemand gedacht hatte.
"Wie ist denn dies gekommen?" fragte Helene, die kalten Hände Bruno's in ihre Hände nehmend und angstvoll in sein schönes blasses Gesicht starrend.
"Es weiß Niemand von uns," sagte die Baronin.
"Es wird ein Anfall von Schwindel sein," meinte Felix.
Unterdessen hatte Oswald von dem Wasser, welches Albert -- in Bruno's Hut -- gebracht hatte, des Knaben Stirn und Schläfen und Brust reichlich be¬ netzt. Helene erinnerte sich, daß sie ein Fläschchen Eau de Cologne bei sich führe, und half Oswald in seinen Bemühungen. Es gelang ihnen in Kurzem, den Ohnmächtigen wieder zu sich zu bringen. Er schlug langsam die großen Augen auf, sein erster Blick fiel auf Helene, die sich über ihn beugte.
"Bist Du todt, ganz todt?" murmelte er, die Augen wieder schließend.
Man glaubte, er habe den Verstand verloren.
athemlos unten ankamen, ſahen ſie Bruno ohnmäch¬ tig, von Albert gehalten, während die Anderen rath¬ los umherſtanden.
„Holen Sie Waſſer, ſchnell!“ ſagte Oswald, Al¬ bert den Knaben abnehmend und dieſem das Hals¬ tuch abknüpfend und die Kleider öffnend, woran noch Niemand gedacht hatte.
„Wie iſt denn dies gekommen?“ fragte Helene, die kalten Hände Bruno's in ihre Hände nehmend und angſtvoll in ſein ſchönes blaſſes Geſicht ſtarrend.
„Es weiß Niemand von uns,“ ſagte die Baronin.
„Es wird ein Anfall von Schwindel ſein,“ meinte Felix.
Unterdeſſen hatte Oswald von dem Waſſer, welches Albert — in Bruno's Hut — gebracht hatte, des Knaben Stirn und Schläfen und Bruſt reichlich be¬ netzt. Helene erinnerte ſich, daß ſie ein Fläſchchen Eau de Cologne bei ſich führe, und half Oswald in ſeinen Bemühungen. Es gelang ihnen in Kurzem, den Ohnmächtigen wieder zu ſich zu bringen. Er ſchlug langſam die großen Augen auf, ſein erſter Blick fiel auf Helene, die ſich über ihn beugte.
„Biſt Du todt, ganz todt?“ murmelte er, die Augen wieder ſchließend.
Man glaubte, er habe den Verſtand verloren.
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athemlos unten ankamen, ſahen ſie Bruno ohnmäch¬
tig, von Albert gehalten, während die Anderen rath¬
los umherſtanden.
„Holen Sie Waſſer, ſchnell!“ ſagte Oswald, Al¬
bert den Knaben abnehmend und dieſem das Hals¬
tuch abknüpfend und die Kleider öffnend, woran noch
Niemand gedacht hatte.
„Wie iſt denn dies gekommen?“ fragte Helene,
die kalten Hände Bruno's in ihre Hände nehmend
und angſtvoll in ſein ſchönes blaſſes Geſicht ſtarrend.
„Es weiß Niemand von uns,“ ſagte die Baronin.
„Es wird ein Anfall von Schwindel ſein,“ meinte
Felix.
Unterdeſſen hatte Oswald von dem Waſſer, welches
Albert — in Bruno's Hut — gebracht hatte, des
Knaben Stirn und Schläfen und Bruſt reichlich be¬
netzt. Helene erinnerte ſich, daß ſie ein Fläſchchen
Eau de Cologne bei ſich führe, und half Oswald in
ſeinen Bemühungen. Es gelang ihnen in Kurzem,
den Ohnmächtigen wieder zu ſich zu bringen. Er
ſchlug langſam die großen Augen auf, ſein erſter Blick
fiel auf Helene, die ſich über ihn beugte.
„Biſt Du todt, ganz todt?“ murmelte er, die
Augen wieder ſchließend.
Man glaubte, er habe den Verſtand verloren.
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Spielhagen, Friedrich: Problematische Naturen. Bd. 4. Berlin, 1861, S. 30. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/spielhagen_problematische04_1861/40>, abgerufen am 10.08.2024.
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