aufgewachsen, dessen Keim er schon seit seiner Knaben- zeit in sich getragen hatte; er wiederholte es sich mehr als zu oft, er sei der rechte Mann, wenn's einen neuen Deichgrafen geben müsse. Das war es; sein Vater, der es verstehen mußte, der ja der klügste Mann im Dorf gewesen war, hatte ihm dieses Wort wie eine letzte Gabe seinem Erbe bei- gelegt; die Wohler'sche Fenne, die er ihm auch verdankte, sollte den ersten Trittstein zu dieser Höhe bilden! Denn, freilich, auch mit dieser -- ein Deich- graf mußte noch einen andern Grundbesitz auf- weisen können! -- -- Aber sein Vater hatte sich einsame Jahre knapp beholfen, und mit dem, was er sich entzogen hatte, war er des neuen Besitzes Herr geworden; das konnte er auch, er konnte noch mehr; denn seines Vaters Kraft war schon verbraucht gewesen, er aber konnte noch jahrelang die schwerste Arbeit thun! -- -- Freilich, wenn er es dadurch nach dieser Seite hin erzwang, durch die Schärfen und Spitzen, die er der Verwaltung seines alten Dienstherrn zugesetzt hatte, war ihm eben keine Freundschaft im Dorf zu Wege gebracht worden, und Ole Peters, sein alter Widersacher, hatte jüngsthin eine Erbschaft gethan und begann
aufgewachſen, deſſen Keim er ſchon ſeit ſeiner Knaben- zeit in ſich getragen hatte; er wiederholte es ſich mehr als zu oft, er ſei der rechte Mann, wenn's einen neuen Deichgrafen geben müſſe. Das war es; ſein Vater, der es verſtehen mußte, der ja der klügſte Mann im Dorf geweſen war, hatte ihm dieſes Wort wie eine letzte Gabe ſeinem Erbe bei- gelegt; die Wohler'ſche Fenne, die er ihm auch verdankte, ſollte den erſten Trittſtein zu dieſer Höhe bilden! Denn, freilich, auch mit dieſer — ein Deich- graf mußte noch einen andern Grundbeſitz auf- weiſen können! — — Aber ſein Vater hatte ſich einſame Jahre knapp beholfen, und mit dem, was er ſich entzogen hatte, war er des neuen Beſitzes Herr geworden; das konnte er auch, er konnte noch mehr; denn ſeines Vaters Kraft war ſchon verbraucht geweſen, er aber konnte noch jahrelang die ſchwerſte Arbeit thun! — — Freilich, wenn er es dadurch nach dieſer Seite hin erzwang, durch die Schärfen und Spitzen, die er der Verwaltung ſeines alten Dienſtherrn zugeſetzt hatte, war ihm eben keine Freundſchaft im Dorf zu Wege gebracht worden, und Ole Peters, ſein alter Widerſacher, hatte jüngſthin eine Erbſchaft gethan und begann
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aufgewachſen, deſſen Keim er ſchon ſeit ſeiner Knaben-
zeit in ſich getragen hatte; er wiederholte es ſich
mehr als zu oft, er ſei der rechte Mann, wenn's
einen neuen Deichgrafen geben müſſe. Das war
es; ſein Vater, der es verſtehen mußte, der ja der
klügſte Mann im Dorf geweſen war, hatte ihm
dieſes Wort wie eine letzte Gabe ſeinem Erbe bei-
gelegt; die Wohler'ſche Fenne, die er ihm auch
verdankte, ſollte den erſten Trittſtein zu dieſer Höhe
bilden! Denn, freilich, auch mit dieſer — ein Deich-
graf mußte noch einen andern Grundbeſitz auf-
weiſen können! — — Aber ſein Vater hatte ſich
einſame Jahre knapp beholfen, und mit dem, was
er ſich entzogen hatte, war er des neuen Beſitzes
Herr geworden; das konnte er auch, er konnte
noch mehr; denn ſeines Vaters Kraft war ſchon
verbraucht geweſen, er aber konnte noch jahrelang
die ſchwerſte Arbeit thun! — — Freilich, wenn er
es dadurch nach dieſer Seite hin erzwang, durch
die Schärfen und Spitzen, die er der Verwaltung
ſeines alten Dienſtherrn zugeſetzt hatte, war ihm
eben keine Freundſchaft im Dorf zu Wege gebracht
worden, und Ole Peters, ſein alter Widerſacher,
hatte jüngſthin eine Erbſchaft gethan und begann
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Kommentar zur DTA-Ausgabe
Zuerst erschienen in: Deutsche Rundschau (Berlin)… [mehr]
Zuerst erschienen in: Deutsche Rundschau (Berlin), April/Mai 1888. Erste Buchausgabe Berlin: Paetel 1888, diese wurde für das DTA zur Digitalisierung herangezogen.
Storm, Theodor: Der Schimmelreiter. Berlin, 1888, S. 84. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/storm_schimmelreiter_1888/96>, abgerufen am 23.09.2024.
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