ein wohlhabender Mann zu werden! Eine Reihe von Gesichtern ging vor seinem innern Blick vor- über, und sie sahen ihn alle mit bösen Augen an; da faßte ihn ein Groll gegen diese Menschen, er streckte die Arme aus, als griffe er nach ihnen; denn sie wollten ihn vom Amte drängen, zu dem von allen nur er berufen war. -- Und die Ge- danken ließen ihn nicht; sie waren immer wieder da, und so wuchsen in seinem jungen Herzen neben der Ehrenhaftigkeit und Liebe auch die Ehrsucht und der Haß. Aber diese Beiden verschloß er tief in seinem Innern; selbst Elke ahnte nichts davon.
-- Als das neue Jahr gekommen war, gab es eine Hochzeit; die Braut war eine Verwandte von den Haiens, und Hauke und Elke waren Beide dort geladene Gäste; ja, bei dem Hochzeit- essen traf es sich durch das Ausbleiben eines näheren Verwandten, daß sie ihre Plätze neben einander fanden. Nur ein Lächeln, das über Beider Antlitz glitt, verrieth ihre Freude darüber. Aber Elke saß heute theilnahmlos in dem Geräusche des Plauderns und Gläserklirrens
"Fehlt Dir etwas?" frug Hauke.
ein wohlhabender Mann zu werden! Eine Reihe von Geſichtern ging vor ſeinem innern Blick vor- über, und ſie ſahen ihn alle mit böſen Augen an; da faßte ihn ein Groll gegen dieſe Menſchen, er ſtreckte die Arme aus, als griffe er nach ihnen; denn ſie wollten ihn vom Amte drängen, zu dem von allen nur er berufen war. — Und die Ge- danken ließen ihn nicht; ſie waren immer wieder da, und ſo wuchſen in ſeinem jungen Herzen neben der Ehrenhaftigkeit und Liebe auch die Ehrſucht und der Haß. Aber dieſe Beiden verſchloß er tief in ſeinem Innern; ſelbſt Elke ahnte nichts davon.
— Als das neue Jahr gekommen war, gab es eine Hochzeit; die Braut war eine Verwandte von den Haiens, und Hauke und Elke waren Beide dort geladene Gäſte; ja, bei dem Hochzeit- eſſen traf es ſich durch das Ausbleiben eines näheren Verwandten, daß ſie ihre Plätze neben einander fanden. Nur ein Lächeln, das über Beider Antlitz glitt, verrieth ihre Freude darüber. Aber Elke ſaß heute theilnahmlos in dem Geräuſche des Plauderns und Gläſerklirrens
„Fehlt Dir etwas?” frug Hauke.
<TEI><text><body><divn="1"><p><pbfacs="#f0097"n="85"/>
ein wohlhabender Mann zu werden! Eine Reihe<lb/>
von Geſichtern ging vor ſeinem innern Blick vor-<lb/>
über, und ſie ſahen ihn alle mit böſen Augen an;<lb/>
da faßte ihn ein Groll gegen dieſe Menſchen, er<lb/>ſtreckte die Arme aus, als griffe er nach ihnen;<lb/>
denn ſie wollten ihn vom Amte drängen, zu dem<lb/>
von allen nur er berufen war. — Und die Ge-<lb/>
danken ließen ihn nicht; ſie waren immer wieder<lb/>
da, und ſo wuchſen in ſeinem jungen Herzen neben<lb/>
der Ehrenhaftigkeit und Liebe auch die Ehrſucht<lb/>
und der Haß. Aber dieſe Beiden verſchloß er<lb/>
tief in ſeinem Innern; ſelbſt Elke ahnte nichts<lb/>
davon.</p><lb/><p>— Als das neue Jahr gekommen war, gab<lb/>
es eine Hochzeit; die Braut war eine Verwandte<lb/>
von den Haiens, und Hauke und Elke waren<lb/>
Beide dort geladene Gäſte; ja, bei dem Hochzeit-<lb/>
eſſen traf es ſich durch das Ausbleiben eines näheren<lb/>
Verwandten, daß ſie ihre Plätze neben einander<lb/>
fanden. Nur ein Lächeln, das über Beider Antlitz<lb/>
glitt, verrieth ihre Freude darüber. Aber Elke<lb/>ſaß heute theilnahmlos in dem Geräuſche des<lb/>
Plauderns und Gläſerklirrens</p><lb/><p>„Fehlt Dir etwas?” frug Hauke.</p><lb/></div></body></text></TEI>
[85/0097]
ein wohlhabender Mann zu werden! Eine Reihe
von Geſichtern ging vor ſeinem innern Blick vor-
über, und ſie ſahen ihn alle mit böſen Augen an;
da faßte ihn ein Groll gegen dieſe Menſchen, er
ſtreckte die Arme aus, als griffe er nach ihnen;
denn ſie wollten ihn vom Amte drängen, zu dem
von allen nur er berufen war. — Und die Ge-
danken ließen ihn nicht; ſie waren immer wieder
da, und ſo wuchſen in ſeinem jungen Herzen neben
der Ehrenhaftigkeit und Liebe auch die Ehrſucht
und der Haß. Aber dieſe Beiden verſchloß er
tief in ſeinem Innern; ſelbſt Elke ahnte nichts
davon.
— Als das neue Jahr gekommen war, gab
es eine Hochzeit; die Braut war eine Verwandte
von den Haiens, und Hauke und Elke waren
Beide dort geladene Gäſte; ja, bei dem Hochzeit-
eſſen traf es ſich durch das Ausbleiben eines näheren
Verwandten, daß ſie ihre Plätze neben einander
fanden. Nur ein Lächeln, das über Beider Antlitz
glitt, verrieth ihre Freude darüber. Aber Elke
ſaß heute theilnahmlos in dem Geräuſche des
Plauderns und Gläſerklirrens
„Fehlt Dir etwas?” frug Hauke.
Informationen zur CAB-Ansicht
Diese Ansicht bietet Ihnen die Darstellung des Textes in normalisierter Orthographie.
Diese Textvariante wird vollautomatisch erstellt und kann aufgrund dessen auch Fehler enthalten.
Alle veränderten Wortformen sind grau hinterlegt. Als fremdsprachliches Material erkannte
Textteile sind ausgegraut dargestellt.
Sie haben einen Fehler gefunden?
Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform
DTAQ melden.
Kommentar zur DTA-Ausgabe
Zuerst erschienen in: Deutsche Rundschau (Berlin)… [mehr]
Zuerst erschienen in: Deutsche Rundschau (Berlin), April/Mai 1888. Erste Buchausgabe Berlin: Paetel 1888, diese wurde für das DTA zur Digitalisierung herangezogen.
Storm, Theodor: Der Schimmelreiter. Berlin, 1888, S. 85. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/storm_schimmelreiter_1888/97>, abgerufen am 23.09.2024.
Alle Inhalte dieser Seite unterstehen, soweit nicht anders gekennzeichnet, einer
Creative-Commons-Lizenz.
Die Rechte an den angezeigten Bilddigitalisaten, soweit nicht anders gekennzeichnet, liegen bei den besitzenden Bibliotheken.
Weitere Informationen finden Sie in den DTA-Nutzungsbedingungen.
Insbesondere im Hinblick auf die §§ 86a StGB und 130 StGB wird festgestellt, dass die auf
diesen Seiten abgebildeten Inhalte weder in irgendeiner Form propagandistischen Zwecken
dienen, oder Werbung für verbotene Organisationen oder Vereinigungen darstellen, oder
nationalsozialistische Verbrechen leugnen oder verharmlosen, noch zum Zwecke der
Herabwürdigung der Menschenwürde gezeigt werden.
Die auf diesen Seiten abgebildeten Inhalte (in Wort und Bild) dienen im Sinne des
§ 86 StGB Abs. 3 ausschließlich historischen, sozial- oder kulturwissenschaftlichen
Forschungszwecken. Ihre Veröffentlichung erfolgt in der Absicht, Wissen zur Anregung
der intellektuellen Selbstständigkeit und Verantwortungsbereitschaft des Staatsbürgers zu
vermitteln und damit der Förderung seiner Mündigkeit zu dienen.
Zitierempfehlung: Deutsches Textarchiv. Grundlage für ein Referenzkorpus der neuhochdeutschen Sprache. Herausgegeben von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Berlin 2024. URL: https://www.deutschestextarchiv.de/.