Töne c, g, cn, en. folglich ein Gemenge, oder einen Accord verschiedener und zwar consonirender Töne. Hieraus läßt sich schon begreifen, warum ein sol- cher Ton voller, mehrklingend und angenehmer ist, als wenn der Ton C ganz allein vernommen würde; jeder Ton ist ein Accord: dadurch hört der Klang auf ein bloßes Klappern zu seyn.
Diejenigen, welche die Bewegung, oder die Schwingungen der klingenden Sayte mathematisch untersucht haben, worin der Engländer Taylor zuerst glüklich gewesen ist, haben gefunden, daß eine et- was lange Sayte, wenn sie gestrichen, oder ge- zupft wird, zwar nach ihrer ganzen Länge schnell hin und her geschwungen wird, (welches Schwingen das Gefühl ihres Tones erwekt) zugleich aber die hälfte, der dritte, der vierte, der fünfte und alle folgende Theile der ganzen Länge der Sayte, jeder für sich noch besondere Schwingungen machen. Einigermaaßen läßt sich dieses mit Angen sehen. An dem Holfeldischen Bogenflügel (*) hab ich die besondern Schwingungen der Theile der tiefsten Baßsayten gar ofte und sehr deutlich gesehen. Man stelle sich, um dieses deutlich zu fassen vor, A B sey eine Sayte, deren Ton eine Octave tiefer ist, als unser C.
[Abbildung]
Jndem sie gestrichen wird, und also hin und her- schwinget, so daß sie wechselsweise in die Lage A a B und A b B kommt, so theilet sie sich zugleich in mehrere Theile, wie A C, C B, A g, g D, D B u. s. f. und jeder Theil macht für sich wieder besondere Schwingungen, und nihmt die Lagen an, die durch Punkte bezeichnet werden. Dieses ist die wahre Ursache, warum man in einem Klang viel Töne höret. Die Schwingungen der ganzen Sayte er- weken das Gefühl ihres Grundtones, den wir nach verhältnismäßiger Zahl seiner Schwingungen 1 nennen wollen. Die Hälfte der Sayte, macht [Spaltenumbruch]
Kla
ihre besondere Schwingungen, A c C, A e C, C f B, C d B, in halber Zeit, und erwekt das Gefühl des Tones 2; der dritte, vierte, fünfte, sechste und folgende Theile, der ganzen Sayte machen, je- der wider seine Schwingungen, und erweken das Gefühl der Töne 3, 4, 5, 6 u. s. f. Man stelle sich also viel gleichgespannte und gleichdike Sayten vor, die in Ansehung der Länge sich verhalten, wie folgende Zahlen: 1, 1/2, 1/3 , 1/4, 1/5 , 1/6 , , 1/8 , u. s. f. so ist, nach der vorhererklärten Bemerkung, der Klang der Sayte 1 aus den Klängen aller übrigen Sayten zusammengesetzt, und ein feines Ohr unter- scheidet wenigstens die vier oder fünf ersten, mit ziemlicher Deutlichkeit. Jn dem Artikel Consonanz sind diese in einem Klang enthaltene Töne, auf dem Notensystem vorgestellt. Merkwürdig ist es, daß diese harmonischen Töne, gerade die sind, welche die Trompete, in der Ordnung, wie sie hier stehen, an- giebt, erst den Einklang 1. denn die Octave 1/2, denn die Duodecime 1/3 u. s. f.
Wenn wir nun dieses voraussetzen, so läßt sich be- greifen, warum der Klang der Sayten, besonders der Baßsayten, etwas so volles, das Gehör so ver- gnügendes hat. Denn man hört vieles zugleich, und dieses viele fließt so vollkommen in einander, als wenn es nur eines wäre, und hat also eine schöne Harmonie.
Es läßt sich aus dieser wichtigen Entdekung un- gemein viel nützliches für die Musik herleiten, wo- von bereits in dem vorhergehenden, (*) verschiede- nes vorkommt. Ein neuerer französischer Schrift- steller Jamard hat einen nicht ganz mißgerathenen Versuch gemacht, fast gar alle Grundsätze der Har- monie, des Gesangs, und des Takts daraus herzu- leiten, welches man mit Vergnügen lesen wird. (*) Sein Versuch verdienet weit mehr Beyfall, als der den Rameau, aus der noch unvollkommenen Kennt- nis dieser Sache gemacht hat; wovon er und seine meisten Landsmänner, ein gar zu unbescheidenes Rühmen gemacht haben.
Etwas seltsam ist es, daß unser Tonsystem einige der vorhererwähnten harmonischen Töne einzeln ausgeschlossen hat, als den Ton , und andre. Der erwähnte französische Schriftsteller, dringet sehr darauf, daß man sie einführe, und in Deutschland hat vor ihm Hr. Kirnberger angetragen, wenigstens
den
(*) S. Fantasien.
(*) Man sehe die Ar- tikel, Baß; Consonanz; Fuge Har- monie u. a m.
(*)Re- cherches surlatheo- rie de la Musique par Mr. Jamard a Paris et a Rouen 1769. 80.
[Spaltenumbruch]
Kla
Toͤne c, g, c̄, ē. folglich ein Gemenge, oder einen Accord verſchiedener und zwar conſonirender Toͤne. Hieraus laͤßt ſich ſchon begreifen, warum ein ſol- cher Ton voller, mehrklingend und angenehmer iſt, als wenn der Ton C ganz allein vernommen wuͤrde; jeder Ton iſt ein Accord: dadurch hoͤrt der Klang auf ein bloßes Klappern zu ſeyn.
Diejenigen, welche die Bewegung, oder die Schwingungen der klingenden Sayte mathematiſch unterſucht haben, worin der Englaͤnder Taylor zuerſt gluͤklich geweſen iſt, haben gefunden, daß eine et- was lange Sayte, wenn ſie geſtrichen, oder ge- zupft wird, zwar nach ihrer ganzen Laͤnge ſchnell hin und her geſchwungen wird, (welches Schwingen das Gefuͤhl ihres Tones erwekt) zugleich aber die haͤlfte, der dritte, der vierte, der fuͤnfte und alle folgende Theile der ganzen Laͤnge der Sayte, jeder fuͤr ſich noch beſondere Schwingungen machen. Einigermaaßen laͤßt ſich dieſes mit Angen ſehen. An dem Holfeldiſchen Bogenfluͤgel (*) hab ich die beſondern Schwingungen der Theile der tiefſten Baßſayten gar ofte und ſehr deutlich geſehen. Man ſtelle ſich, um dieſes deutlich zu faſſen vor, A B ſey eine Sayte, deren Ton eine Octave tiefer iſt, als unſer C.
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Jndem ſie geſtrichen wird, und alſo hin und her- ſchwinget, ſo daß ſie wechſelsweiſe in die Lage A a B und A b B kommt, ſo theilet ſie ſich zugleich in mehrere Theile, wie A C, C B, A g, g D, D B u. ſ. f. und jeder Theil macht fuͤr ſich wieder beſondere Schwingungen, und nihmt die Lagen an, die durch Punkte bezeichnet werden. Dieſes iſt die wahre Urſache, warum man in einem Klang viel Toͤne hoͤret. Die Schwingungen der ganzen Sayte er- weken das Gefuͤhl ihres Grundtones, den wir nach verhaͤltnismaͤßiger Zahl ſeiner Schwingungen 1 nennen wollen. Die Haͤlfte der Sayte, macht [Spaltenumbruch]
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ihre beſondere Schwingungen, A c C, A e C, C f B, C d B, in halber Zeit, und erwekt das Gefuͤhl des Tones 2; der dritte, vierte, fuͤnfte, ſechste und folgende Theile, der ganzen Sayte machen, je- der wider ſeine Schwingungen, und erweken das Gefuͤhl der Toͤne 3, 4, 5, 6 u. ſ. f. Man ſtelle ſich alſo viel gleichgeſpannte und gleichdike Sayten vor, die in Anſehung der Laͤnge ſich verhalten, wie folgende Zahlen: 1, ½, ⅓, ¼, ⅕, ⅙, ⅐, ⅛, ⅑ u. ſ. f. ſo iſt, nach der vorhererklaͤrten Bemerkung, der Klang der Sayte 1 aus den Klaͤngen aller uͤbrigen Sayten zuſammengeſetzt, und ein feines Ohr unter- ſcheidet wenigſtens die vier oder fuͤnf erſten, mit ziemlicher Deutlichkeit. Jn dem Artikel Conſonanz ſind dieſe in einem Klang enthaltene Toͤne, auf dem Notenſyſtem vorgeſtellt. Merkwuͤrdig iſt es, daß dieſe harmoniſchen Toͤne, gerade die ſind, welche die Trompete, in der Ordnung, wie ſie hier ſtehen, an- giebt, erſt den Einklang 1. denn die Octave ½, denn die Duodecime ⅓ u. ſ. f.
Wenn wir nun dieſes vorausſetzen, ſo laͤßt ſich be- greifen, warum der Klang der Sayten, beſonders der Baßſayten, etwas ſo volles, das Gehoͤr ſo ver- gnuͤgendes hat. Denn man hoͤrt vieles zugleich, und dieſes viele fließt ſo vollkommen in einander, als wenn es nur eines waͤre, und hat alſo eine ſchoͤne Harmonie.
Es laͤßt ſich aus dieſer wichtigen Entdekung un- gemein viel nuͤtzliches fuͤr die Muſik herleiten, wo- von bereits in dem vorhergehenden, (*) verſchiede- nes vorkommt. Ein neuerer franzoͤſiſcher Schrift- ſteller Jamard hat einen nicht ganz mißgerathenen Verſuch gemacht, faſt gar alle Grundſaͤtze der Har- monie, des Geſangs, und des Takts daraus herzu- leiten, welches man mit Vergnuͤgen leſen wird. (*) Sein Verſuch verdienet weit mehr Beyfall, als der den Rameau, aus der noch unvollkommenen Kennt- nis dieſer Sache gemacht hat; wovon er und ſeine meiſten Landsmaͤnner, ein gar zu unbeſcheidenes Ruͤhmen gemacht haben.
Etwas ſeltſam iſt es, daß unſer Tonſyſtem einige der vorhererwaͤhnten harmoniſchen Toͤne einzeln ausgeſchloſſen hat, als den Ton ⅐, und andre. Der erwaͤhnte franzoͤſiſche Schriftſteller, dringet ſehr darauf, daß man ſie einfuͤhre, und in Deutſchland hat vor ihm Hr. Kirnberger angetragen, wenigſtens
den
(*) S. Fantaſien.
(*) Man ſehe die Ar- tikel, Baß; Conſonanz; Fuge Har- monie u. a m.
(*)Re- cherches ſurlatheo- rie de la Muſique par Mr. Jamard à Paris et à Rouen 1769. 80.
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[586/0021]
Kla
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Hieraus laͤßt ſich ſchon begreifen, warum ein ſol-
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jeder Ton iſt ein Accord: dadurch hoͤrt der Klang
auf ein bloßes Klappern zu ſeyn.
Diejenigen, welche die Bewegung, oder die
Schwingungen der klingenden Sayte mathematiſch
unterſucht haben, worin der Englaͤnder Taylor zuerſt
gluͤklich geweſen iſt, haben gefunden, daß eine et-
was lange Sayte, wenn ſie geſtrichen, oder ge-
zupft wird, zwar nach ihrer ganzen Laͤnge ſchnell
hin und her geſchwungen wird, (welches Schwingen
das Gefuͤhl ihres Tones erwekt) zugleich aber die
haͤlfte, der dritte, der vierte, der fuͤnfte und alle
folgende Theile der ganzen Laͤnge der Sayte, jeder
fuͤr ſich noch beſondere Schwingungen machen.
Einigermaaßen laͤßt ſich dieſes mit Angen ſehen.
An dem Holfeldiſchen Bogenfluͤgel (*) hab ich die
beſondern Schwingungen der Theile der tiefſten
Baßſayten gar ofte und ſehr deutlich geſehen. Man
ſtelle ſich, um dieſes deutlich zu faſſen vor, A B ſey
eine Sayte, deren Ton eine Octave tiefer iſt, als
unſer C.
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Jndem ſie geſtrichen wird, und alſo hin und her-
ſchwinget, ſo daß ſie wechſelsweiſe in die Lage
A a B und A b B kommt, ſo theilet ſie ſich zugleich
in mehrere Theile, wie A C, C B, A g, g D, D B
u. ſ. f. und jeder Theil macht fuͤr ſich wieder beſondere
Schwingungen, und nihmt die Lagen an, die durch
Punkte bezeichnet werden. Dieſes iſt die wahre
Urſache, warum man in einem Klang viel Toͤne
hoͤret. Die Schwingungen der ganzen Sayte er-
weken das Gefuͤhl ihres Grundtones, den wir nach
verhaͤltnismaͤßiger Zahl ſeiner Schwingungen 1
nennen wollen. Die Haͤlfte der Sayte, macht
ihre beſondere Schwingungen, A c C, A e C,
C f B, C d B, in halber Zeit, und erwekt das Gefuͤhl
des Tones 2; der dritte, vierte, fuͤnfte, ſechste
und folgende Theile, der ganzen Sayte machen, je-
der wider ſeine Schwingungen, und erweken das
Gefuͤhl der Toͤne 3, 4, 5, 6 u. ſ. f. Man ſtelle
ſich alſo viel gleichgeſpannte und gleichdike Sayten
vor, die in Anſehung der Laͤnge ſich verhalten, wie
folgende Zahlen:
1, ½, ⅓, ¼, ⅕, ⅙, ⅐, ⅛, ⅑ u. ſ. f.
ſo iſt, nach der vorhererklaͤrten Bemerkung, der
Klang der Sayte 1 aus den Klaͤngen aller uͤbrigen
Sayten zuſammengeſetzt, und ein feines Ohr unter-
ſcheidet wenigſtens die vier oder fuͤnf erſten, mit
ziemlicher Deutlichkeit. Jn dem Artikel Conſonanz
ſind dieſe in einem Klang enthaltene Toͤne, auf dem
Notenſyſtem vorgeſtellt. Merkwuͤrdig iſt es, daß
dieſe harmoniſchen Toͤne, gerade die ſind, welche die
Trompete, in der Ordnung, wie ſie hier ſtehen, an-
giebt, erſt den Einklang 1. denn die Octave ½, denn
die Duodecime ⅓ u. ſ. f.
Wenn wir nun dieſes vorausſetzen, ſo laͤßt ſich be-
greifen, warum der Klang der Sayten, beſonders
der Baßſayten, etwas ſo volles, das Gehoͤr ſo ver-
gnuͤgendes hat. Denn man hoͤrt vieles zugleich,
und dieſes viele fließt ſo vollkommen in einander,
als wenn es nur eines waͤre, und hat alſo eine
ſchoͤne Harmonie.
Es laͤßt ſich aus dieſer wichtigen Entdekung un-
gemein viel nuͤtzliches fuͤr die Muſik herleiten, wo-
von bereits in dem vorhergehenden, (*) verſchiede-
nes vorkommt. Ein neuerer franzoͤſiſcher Schrift-
ſteller Jamard hat einen nicht ganz mißgerathenen
Verſuch gemacht, faſt gar alle Grundſaͤtze der Har-
monie, des Geſangs, und des Takts daraus herzu-
leiten, welches man mit Vergnuͤgen leſen wird. (*)
Sein Verſuch verdienet weit mehr Beyfall, als der
den Rameau, aus der noch unvollkommenen Kennt-
nis dieſer Sache gemacht hat; wovon er und ſeine
meiſten Landsmaͤnner, ein gar zu unbeſcheidenes
Ruͤhmen gemacht haben.
Etwas ſeltſam iſt es, daß unſer Tonſyſtem einige
der vorhererwaͤhnten harmoniſchen Toͤne einzeln
ausgeſchloſſen hat, als den Ton ⅐, [FORMEL] und andre.
Der erwaͤhnte franzoͤſiſche Schriftſteller, dringet ſehr
darauf, daß man ſie einfuͤhre, und in Deutſchland
hat vor ihm Hr. Kirnberger angetragen, wenigſtens
den
(*) S.
Fantaſien.
(*) Man
ſehe die Ar-
tikel, Baß;
Conſonanz;
Fuge Har-
monie u.
a m.
(*) Re-
cherches
ſurlatheo-
rie de la
Muſique
par Mr.
Jamard à
Paris et
à Rouen
1769. 80.
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Sulzer, Johann Georg: Allgemeine Theorie der Schönen Künste. Bd. 2. Leipzig, 1774, S. 586. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/sulzer_theorie02_1774/21>, abgerufen am 11.09.2024.
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