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Suppius, Christoph Eusebius: Oden und Lieder. Gotha, 1749.

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Drittes Buch.
Ort der Ruhe.



HORAT. Carm. lib. II. od. X.
Auream quisquis mediocritatem
Diligit, tutus caret obsoleti
Sordibus tecti, caret inuidenda
Sobrius aula.



Du güldne Mittelmässigkeit,
Fort! hilf mir jenes Land beschreiben,
Wo meiner Tage stille Zeit
Der Dichtkunst Werk soll ungehindert treiben,
Auf! meiner Wünsche Königin!
Komm, führe mich im Geist dahin,
Wo rauschende Gewässer wallen,
Allwo ein ganz gelinder West
Jm voraus mich versichern läßt;
Daß Musenlieder da wohl zehnfach wiederschallen.
Der Friede muß daselbst sein Zelt
Und Einsamkeit die Wohnung haben;
Ein selbstgebauter Morgen Feld
Bey Müdigkeit die Essens-Lust begaben,
Die Nachbarschaft vom klaren Bach
Befeuchtet trocknes Ungemach,
Erqvickt aus reinlichem Gefässe,
Worauf kein banger Traum erschreckt,
Wenn sich der Körper ausgestreckt,
Und seinen Raum bestimmt nach rechter Lebensgrösse.
Hier
Drittes Buch.
Ort der Ruhe.



HORAT. Carm. lib. II. od. X.
Auream quisquis mediocritatem
Diligit, tutus caret obſoleti
Sordibus tecti, caret inuidenda
Sobrius aula.



Du guͤldne Mittelmaͤſſigkeit,
Fort! hilf mir jenes Land beſchreiben,
Wo meiner Tage ſtille Zeit
Der Dichtkunſt Werk ſoll ungehindert treiben,
Auf! meiner Wuͤnſche Koͤnigin!
Komm, fuͤhre mich im Geiſt dahin,
Wo rauſchende Gewaͤſſer wallen,
Allwo ein ganz gelinder Weſt
Jm voraus mich verſichern laͤßt;
Daß Muſenlieder da wohl zehnfach wiederſchallen.
Der Friede muß daſelbſt ſein Zelt
Und Einſamkeit die Wohnung haben;
Ein ſelbſtgebauter Morgen Feld
Bey Muͤdigkeit die Eſſens-Luſt begaben,
Die Nachbarſchaft vom klaren Bach
Befeuchtet trocknes Ungemach,
Erqvickt aus reinlichem Gefaͤſſe,
Worauf kein banger Traum erſchreckt,
Wenn ſich der Koͤrper ausgeſtreckt,
Und ſeinen Raum beſtimmt nach rechter Lebensgroͤſſe.
Hier
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[188/0208] Drittes Buch. Ort der Ruhe. 1745. HORAT. Carm. lib. II. od. X. Auream quisquis mediocritatem Diligit, tutus caret obſoleti Sordibus tecti, caret inuidenda Sobrius aula. Du guͤldne Mittelmaͤſſigkeit, Fort! hilf mir jenes Land beſchreiben, Wo meiner Tage ſtille Zeit Der Dichtkunſt Werk ſoll ungehindert treiben, Auf! meiner Wuͤnſche Koͤnigin! Komm, fuͤhre mich im Geiſt dahin, Wo rauſchende Gewaͤſſer wallen, Allwo ein ganz gelinder Weſt Jm voraus mich verſichern laͤßt; Daß Muſenlieder da wohl zehnfach wiederſchallen. Der Friede muß daſelbſt ſein Zelt Und Einſamkeit die Wohnung haben; Ein ſelbſtgebauter Morgen Feld Bey Muͤdigkeit die Eſſens-Luſt begaben, Die Nachbarſchaft vom klaren Bach Befeuchtet trocknes Ungemach, Erqvickt aus reinlichem Gefaͤſſe, Worauf kein banger Traum erſchreckt, Wenn ſich der Koͤrper ausgeſtreckt, Und ſeinen Raum beſtimmt nach rechter Lebensgroͤſſe. Hier

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Zitationshilfe: Suppius, Christoph Eusebius: Oden und Lieder. Gotha, 1749, S. 188. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/suppius_oden_1749/208>, abgerufen am 22.04.2021.