Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Suppius, Christoph Eusebius: Oden und Lieder. Gotha, 1749.

Bild:
<< vorherige Seite
Drittes Buch.
Hätt ich mich erstlich eingewöhnt,
Wie würd es mir so wohl behagen!
Da hiesse mir ein Feind versöhnt,
Jch wollte mich mit aller Welt vertragen;
Und Güter? o! die braucht ich nicht,
Versuchte nun ein Bösewicht,
Ein Räuber, mich in Furcht zu setzen,
So sagt ich ihm mit einem Wort:
Nimm, was du willst, denn wandre fort,
Säh ich ihn denn beschämt, das wäre mein Ergetzen!
Der Neid? ich frage nichts nach dem,
Wenn er mich auch daselbst besuchte,
Sein Zuspruch ist mir angenehm,
Ob er gleich oft, doch heimlich auf mich fluchte,
Und brummt er noch ohn Unterlaß,
Wie das Gerüst von einem Baß,
Auf mein geruhig Leben böse,
So spräch ich da: Mein guter Mann,
Du kommest, glaub ich, unrecht an,
Begieb dich dorten hin, hier mache kein Getöse.
O güldne Mittelmässigkeit!
Dein Zustand ist kaum zu beschreiben,
Du bringst die rechte güldne Zeit!
Jch sehne mich nach deinen Zeitvertreiben!
Sey künftig meine Königin,
Berufe mich im Ernst dahin,
Wo ich so gerne möchte wallen!
Es sey in Nord, Süd, Osten, West,
Wenn du mir nur die Leyer läßt,
So soll dieselbe stets von deinem Lobe schallen.


An
Drittes Buch.
Haͤtt ich mich erſtlich eingewoͤhnt,
Wie wuͤrd es mir ſo wohl behagen!
Da hieſſe mir ein Feind verſoͤhnt,
Jch wollte mich mit aller Welt vertragen;
Und Guͤter? o! die braucht ich nicht,
Verſuchte nun ein Boͤſewicht,
Ein Raͤuber, mich in Furcht zu ſetzen,
So ſagt ich ihm mit einem Wort:
Nimm, was du willſt, denn wandre fort,
Saͤh ich ihn denn beſchaͤmt, das waͤre mein Ergetzen!
Der Neid? ich frage nichts nach dem,
Wenn er mich auch daſelbſt beſuchte,
Sein Zuſpruch iſt mir angenehm,
Ob er gleich oft, doch heimlich auf mich fluchte,
Und brummt er noch ohn Unterlaß,
Wie das Geruͤſt von einem Baß,
Auf mein geruhig Leben boͤſe,
So ſpraͤch ich da: Mein guter Mann,
Du kommeſt, glaub ich, unrecht an,
Begieb dich dorten hin, hier mache kein Getoͤſe.
O guͤldne Mittelmaͤſſigkeit!
Dein Zuſtand iſt kaum zu beſchreiben,
Du bringſt die rechte guͤldne Zeit!
Jch ſehne mich nach deinen Zeitvertreiben!
Sey kuͤnftig meine Koͤnigin,
Berufe mich im Ernſt dahin,
Wo ich ſo gerne moͤchte wallen!
Es ſey in Nord, Suͤd, Oſten, Weſt,
Wenn du mir nur die Leyer laͤßt,
So ſoll dieſelbe ſtets von deinem Lobe ſchallen.


An
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <lg type="poem">
            <pb facs="#f0210" n="190"/>
            <fw place="top" type="header"> <hi rendition="#b">Drittes Buch.</hi> </fw><lb/>
            <lg n="6">
              <l>Ha&#x0364;tt ich mich er&#x017F;tlich eingewo&#x0364;hnt,</l><lb/>
              <l>Wie wu&#x0364;rd es mir &#x017F;o wohl behagen!</l><lb/>
              <l>Da hie&#x017F;&#x017F;e mir ein Feind ver&#x017F;o&#x0364;hnt,</l><lb/>
              <l>Jch wollte mich mit aller Welt vertragen;</l><lb/>
              <l>Und Gu&#x0364;ter? o! die braucht ich nicht,</l><lb/>
              <l>Ver&#x017F;uchte nun ein Bo&#x0364;&#x017F;ewicht,</l><lb/>
              <l>Ein Ra&#x0364;uber, mich in Furcht zu &#x017F;etzen,</l><lb/>
              <l>So &#x017F;agt ich ihm mit einem Wort:</l><lb/>
              <l>Nimm, was du will&#x017F;t, denn wandre fort,</l><lb/>
              <l>Sa&#x0364;h ich ihn denn be&#x017F;cha&#x0364;mt, das wa&#x0364;re mein Ergetzen!</l>
            </lg><lb/>
            <lg n="7">
              <l>Der Neid? ich frage nichts nach dem,</l><lb/>
              <l>Wenn er mich auch da&#x017F;elb&#x017F;t be&#x017F;uchte,</l><lb/>
              <l>Sein Zu&#x017F;pruch i&#x017F;t mir angenehm,</l><lb/>
              <l>Ob er gleich oft, doch heimlich auf mich fluchte,</l><lb/>
              <l>Und brummt er noch ohn Unterlaß,</l><lb/>
              <l>Wie das Geru&#x0364;&#x017F;t von einem Baß,</l><lb/>
              <l>Auf mein geruhig Leben bo&#x0364;&#x017F;e,</l><lb/>
              <l>So &#x017F;pra&#x0364;ch ich da: Mein guter Mann,</l><lb/>
              <l>Du komme&#x017F;t, glaub ich, unrecht an,</l><lb/>
              <l>Begieb dich dorten hin, hier mache kein Geto&#x0364;&#x017F;e.</l>
            </lg><lb/>
            <lg n="8">
              <l>O gu&#x0364;ldne Mittelma&#x0364;&#x017F;&#x017F;igkeit!</l><lb/>
              <l>Dein Zu&#x017F;tand i&#x017F;t kaum zu be&#x017F;chreiben,</l><lb/>
              <l>Du bring&#x017F;t die rechte gu&#x0364;ldne Zeit!</l><lb/>
              <l>Jch &#x017F;ehne mich nach deinen Zeitvertreiben!</l><lb/>
              <l>Sey ku&#x0364;nftig meine Ko&#x0364;nigin,</l><lb/>
              <l>Berufe mich im Ern&#x017F;t dahin,</l><lb/>
              <l>Wo ich &#x017F;o gerne mo&#x0364;chte wallen!</l><lb/>
              <l>Es &#x017F;ey in Nord, Su&#x0364;d, O&#x017F;ten, We&#x017F;t,</l><lb/>
              <l>Wenn du mir nur die Leyer la&#x0364;ßt,</l><lb/>
              <l>So &#x017F;oll die&#x017F;elbe &#x017F;tets von deinem Lobe &#x017F;challen.</l>
            </lg>
          </lg>
        </div><lb/>
        <milestone rendition="#hr" unit="section"/><lb/>
        <fw place="bottom" type="catch"> <hi rendition="#b">An</hi> </fw><lb/>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[190/0210] Drittes Buch. Haͤtt ich mich erſtlich eingewoͤhnt, Wie wuͤrd es mir ſo wohl behagen! Da hieſſe mir ein Feind verſoͤhnt, Jch wollte mich mit aller Welt vertragen; Und Guͤter? o! die braucht ich nicht, Verſuchte nun ein Boͤſewicht, Ein Raͤuber, mich in Furcht zu ſetzen, So ſagt ich ihm mit einem Wort: Nimm, was du willſt, denn wandre fort, Saͤh ich ihn denn beſchaͤmt, das waͤre mein Ergetzen! Der Neid? ich frage nichts nach dem, Wenn er mich auch daſelbſt beſuchte, Sein Zuſpruch iſt mir angenehm, Ob er gleich oft, doch heimlich auf mich fluchte, Und brummt er noch ohn Unterlaß, Wie das Geruͤſt von einem Baß, Auf mein geruhig Leben boͤſe, So ſpraͤch ich da: Mein guter Mann, Du kommeſt, glaub ich, unrecht an, Begieb dich dorten hin, hier mache kein Getoͤſe. O guͤldne Mittelmaͤſſigkeit! Dein Zuſtand iſt kaum zu beſchreiben, Du bringſt die rechte guͤldne Zeit! Jch ſehne mich nach deinen Zeitvertreiben! Sey kuͤnftig meine Koͤnigin, Berufe mich im Ernſt dahin, Wo ich ſo gerne moͤchte wallen! Es ſey in Nord, Suͤd, Oſten, Weſt, Wenn du mir nur die Leyer laͤßt, So ſoll dieſelbe ſtets von deinem Lobe ſchallen. An

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/suppius_oden_1749
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/suppius_oden_1749/210
Zitationshilfe: Suppius, Christoph Eusebius: Oden und Lieder. Gotha, 1749, S. 190. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/suppius_oden_1749/210>, abgerufen am 07.05.2021.