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Suppius, Christoph Eusebius: Oden und Lieder. Gotha, 1749.

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Fünftes Buch.
Sey es! gut! ich will dich ewig lassen!
Aber nein! ich kann sie doch nicht hassen,
Doch warum nicht? nein! doch! ja! o Seele,
Wie ich mich qväle!
Kleiner Dieb erweichter Menschen Herzen,
Wüsst ich nur, du machtest mir die Schmerzen,
Und du sähest tückisch deine Freude
An meinem Leide;
O! da solltest du bald Rache sehen,
Und im Regen vor der Thüre stehen,
Jn der dunklen Nacht, bey kaltem Wetter,
Mein guter Vetter!
Wenn du einst mich zu verwunden kämest,
Und dich wieder so was unternähmest,
Wie du einst Anakreon gefangen
Und hintergangen.
Doch du hast gar kein mitleidig Herze,
Und die Liebespein dient dir zum Scherze,
Junge! hat vielleicht dein Pfeil und Bogen
Chloris betrogen.
Gut! so will ichs deiner Mutter klagen,
Und so lange ihrer Macht entsagen,
Bis sie dich mit deinen eignen Waffen
Hart wird bestraffen.
Mit Poeten es einmahl verderben,
Das wird immer Ungemach erwerben,
Wenn zumahl der Gott der Pfeile schiesset,
Auch deshalb büsset.
Der


Fünftes Buch.
Sey es! gut! ich will dich ewig laſſen!
Aber nein! ich kann ſie doch nicht haſſen,
Doch warum nicht? nein! doch! ja! o Seele,
Wie ich mich qvaͤle!
Kleiner Dieb erweichter Menſchen Herzen,
Wuͤſſt ich nur, du machteſt mir die Schmerzen,
Und du ſaͤheſt tuͤckiſch deine Freude
An meinem Leide;
O! da ſollteſt du bald Rache ſehen,
Und im Regen vor der Thuͤre ſtehen,
Jn der dunklen Nacht, bey kaltem Wetter,
Mein guter Vetter!
Wenn du einſt mich zu verwunden kaͤmeſt,
Und dich wieder ſo was unternaͤhmeſt,
Wie du einſt Anakreon gefangen
Und hintergangen.
Doch du haſt gar kein mitleidig Herze,
Und die Liebespein dient dir zum Scherze,
Junge! hat vielleicht dein Pfeil und Bogen
Chloris betrogen.
Gut! ſo will ichs deiner Mutter klagen,
Und ſo lange ihrer Macht entſagen,
Bis ſie dich mit deinen eignen Waffen
Hart wird beſtraffen.
Mit Poeten es einmahl verderben,
Das wird immer Ungemach erwerben,
Wenn zumahl der Gott der Pfeile ſchieſſet,
Auch deshalb buͤſſet.
Der


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[340/0360] Fünftes Buch. Sey es! gut! ich will dich ewig laſſen! Aber nein! ich kann ſie doch nicht haſſen, Doch warum nicht? nein! doch! ja! o Seele, Wie ich mich qvaͤle! Kleiner Dieb erweichter Menſchen Herzen, Wuͤſſt ich nur, du machteſt mir die Schmerzen, Und du ſaͤheſt tuͤckiſch deine Freude An meinem Leide; O! da ſollteſt du bald Rache ſehen, Und im Regen vor der Thuͤre ſtehen, Jn der dunklen Nacht, bey kaltem Wetter, Mein guter Vetter! Wenn du einſt mich zu verwunden kaͤmeſt, Und dich wieder ſo was unternaͤhmeſt, Wie du einſt Anakreon gefangen Und hintergangen. Doch du haſt gar kein mitleidig Herze, Und die Liebespein dient dir zum Scherze, Junge! hat vielleicht dein Pfeil und Bogen Chloris betrogen. Gut! ſo will ichs deiner Mutter klagen, Und ſo lange ihrer Macht entſagen, Bis ſie dich mit deinen eignen Waffen Hart wird beſtraffen. Mit Poeten es einmahl verderben, Das wird immer Ungemach erwerben, Wenn zumahl der Gott der Pfeile ſchieſſet, Auch deshalb buͤſſet. Der

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Zitationshilfe: Suppius, Christoph Eusebius: Oden und Lieder. Gotha, 1749, S. 340. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/suppius_oden_1749/360>, abgerufen am 10.05.2021.