zu kleinen, pfefferkornartigen Gebilden zusammen, was dem Gesicht durchaus nichts Angenehmes verleiht. Dieser eigenartigen Haar- bildung wegen, die man auch bei den Buschmännern antrifft und die auch den Kaffern nicht ganz fehlt, wurden die Hottentotten von den Buren spottweise als Pfefferköpfe bezeichnet. Im Alter ergrauen die Haare, fallen aber selten aus. Der Bartwuchs ist nicht gerade stark, aber auch nicht allzu spärlich. Die Zähne sind vortrefflich; Plattfüße kommen häufig vor.
Hottentotten reiner Rasse sind von mittlerer Größe, doch kommen auch große Leute vor, wenigstens sind solche nicht viel seltener als bei uns. Wo kleine Gestalten in der Mehrzahl sind,, da darf man auf eine Vermischung mit Buschmännern schließen. Dagegen findet sich volle Muskulatur bei echten Hottentotten selten, häufiger schon bei Mischlingen; ihre Gliedmaßen sind vielmehr hager und dünn, die Hände und Füße klein und zierlich. Doch entbehren die Körperteile in ihren Beziehungen zueinander eines gut wirkenden Verhältnisses, namentlich tritt das Gesäß stark hervor. Es ist eine körperliche Eigentümlichkeit ganz eigener Art, daß bei den Hotten- totten, besonders aber bei Frauen vorgerückten Alters, eine An- häufung großer Fettmassen in der Hüftgegend und an den Schen- keln auftritt, die bei der sonst herrschenden Magerkeit natürlich doppelt auffällig ist. In ihren früheren Wohnsitzen, die besser waren, machte auch die körperliche Erscheinung der Hottentotten einen besseren Eindruck.
Die Körperkraft wird wenig geübt und ist darum gering; auch die Widerstandskraft gegen das Tropenklima, in das die Hottentotten erst in den letzten Jahrhunderten gedrängt wurden, ist nicht groß.
Diejenigen Hottentotten, die noch einigermaßen den alten Sitten treu geblieben sind, tragen außer dem Lendenschurz für gewöhnlich einen Mantel aus Schaf-, Schakal- oder Wildkatzenfell, wohl auch einen solchen aus dem Fell der Antilope. Dieser Mantel, Karoß genannt, ist sowohl die Tracht der Männer wie der Frauen, aber nicht mehr allzu häufig anzutreffen; die europäische Kleidung ist von den meisten angenommen und ein Hottentotte ohne Hosen heute kaum noch denkbar. Als Fußbekleidung werden Sandalen und zwar geflochtene und solche aus Leder benutzt, wenigstens auf der Wanderung, weil längeres Gehen mit bloßen Füßen auf dem harten, steinigen und heißen Boden des Landes zur Unmöglichkeit
zu kleinen, pfefferkornartigen Gebilden zusammen, was dem Gesicht durchaus nichts Angenehmes verleiht. Dieser eigenartigen Haar- bildung wegen, die man auch bei den Buschmännern antrifft und die auch den Kaffern nicht ganz fehlt, wurden die Hottentotten von den Buren spottweise als Pfefferköpfe bezeichnet. Im Alter ergrauen die Haare, fallen aber selten aus. Der Bartwuchs ist nicht gerade stark, aber auch nicht allzu spärlich. Die Zähne sind vortrefflich; Plattfüße kommen häufig vor.
Hottentotten reiner Rasse sind von mittlerer Größe, doch kommen auch große Leute vor, wenigstens sind solche nicht viel seltener als bei uns. Wo kleine Gestalten in der Mehrzahl sind,, da darf man auf eine Vermischung mit Buschmännern schließen. Dagegen findet sich volle Muskulatur bei echten Hottentotten selten, häufiger schon bei Mischlingen; ihre Gliedmaßen sind vielmehr hager und dünn, die Hände und Füße klein und zierlich. Doch entbehren die Körperteile in ihren Beziehungen zueinander eines gut wirkenden Verhältnisses, namentlich tritt das Gesäß stark hervor. Es ist eine körperliche Eigentümlichkeit ganz eigener Art, daß bei den Hotten- totten, besonders aber bei Frauen vorgerückten Alters, eine An- häufung großer Fettmassen in der Hüftgegend und an den Schen- keln auftritt, die bei der sonst herrschenden Magerkeit natürlich doppelt auffällig ist. In ihren früheren Wohnsitzen, die besser waren, machte auch die körperliche Erscheinung der Hottentotten einen besseren Eindruck.
Die Körperkraft wird wenig geübt und ist darum gering; auch die Widerstandskraft gegen das Tropenklima, in das die Hottentotten erst in den letzten Jahrhunderten gedrängt wurden, ist nicht groß.
Diejenigen Hottentotten, die noch einigermaßen den alten Sitten treu geblieben sind, tragen außer dem Lendenschurz für gewöhnlich einen Mantel aus Schaf-, Schakal- oder Wildkatzenfell, wohl auch einen solchen aus dem Fell der Antilope. Dieser Mantel, Karoß genannt, ist sowohl die Tracht der Männer wie der Frauen, aber nicht mehr allzu häufig anzutreffen; die europäische Kleidung ist von den meisten angenommen und ein Hottentotte ohne Hosen heute kaum noch denkbar. Als Fußbekleidung werden Sandalen und zwar geflochtene und solche aus Leder benutzt, wenigstens auf der Wanderung, weil längeres Gehen mit bloßen Füßen auf dem harten, steinigen und heißen Boden des Landes zur Unmöglichkeit
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zu kleinen, pfefferkornartigen Gebilden zusammen, was dem Gesicht
durchaus nichts Angenehmes verleiht. Dieser eigenartigen Haar-
bildung wegen, die man auch bei den Buschmännern antrifft und
die auch den Kaffern nicht ganz fehlt, wurden die Hottentotten
von den Buren spottweise als Pfefferköpfe bezeichnet. Im Alter
ergrauen die Haare, fallen aber selten aus. Der Bartwuchs ist
nicht gerade stark, aber auch nicht allzu spärlich. Die Zähne sind
vortrefflich; Plattfüße kommen häufig vor.
Hottentotten reiner Rasse sind von mittlerer Größe, doch
kommen auch große Leute vor, wenigstens sind solche nicht viel
seltener als bei uns. Wo kleine Gestalten in der Mehrzahl sind,,
da darf man auf eine Vermischung mit Buschmännern schließen.
Dagegen findet sich volle Muskulatur bei echten Hottentotten selten,
häufiger schon bei Mischlingen; ihre Gliedmaßen sind vielmehr hager
und dünn, die Hände und Füße klein und zierlich. Doch entbehren
die Körperteile in ihren Beziehungen zueinander eines gut wirkenden
Verhältnisses, namentlich tritt das Gesäß stark hervor. Es ist eine
körperliche Eigentümlichkeit ganz eigener Art, daß bei den Hotten-
totten, besonders aber bei Frauen vorgerückten Alters, eine An-
häufung großer Fettmassen in der Hüftgegend und an den Schen-
keln auftritt, die bei der sonst herrschenden Magerkeit natürlich
doppelt auffällig ist. In ihren früheren Wohnsitzen, die besser
waren, machte auch die körperliche Erscheinung der Hottentotten
einen besseren Eindruck.
Die Körperkraft wird wenig geübt und ist darum gering;
auch die Widerstandskraft gegen das Tropenklima, in das die
Hottentotten erst in den letzten Jahrhunderten gedrängt wurden,
ist nicht groß.
Diejenigen Hottentotten, die noch einigermaßen den alten Sitten
treu geblieben sind, tragen außer dem Lendenschurz für gewöhnlich
einen Mantel aus Schaf-, Schakal- oder Wildkatzenfell, wohl auch
einen solchen aus dem Fell der Antilope. Dieser Mantel, Karoß
genannt, ist sowohl die Tracht der Männer wie der Frauen, aber
nicht mehr allzu häufig anzutreffen; die europäische Kleidung ist
von den meisten angenommen und ein Hottentotte ohne Hosen
heute kaum noch denkbar. Als Fußbekleidung werden Sandalen
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Tewes, Hermann: Menschenrassen und Völkertypen. Bd. 2. 2. Aufl. Leipzig, 1913, S. â 61 â. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/tewes_menschenrassen_1913/65>, abgerufen am 11.09.2024.
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