wird. Die Männer tragen Filzhüte; die Frauen, bei denen früher spitze Fellmützen sehr beliebt waren, hüllen den Kopf in bunte baumwollene Tücher ein.
Als Schmuckgegenstände waren Elfenbeinringe früher sehr be- liebt; jetzt trägt man Kupfer- und Messingringe, wohl auch Eisen- spangen, seitdem das teure Elfenbein verschwunden ist. In ledernen Taschen, die um den Hals gehängt werden, führt man die wich- tigsten Geräte mit. Ein unentbehrlicher Teil der Hottentotten- ausrüstung ist eine Fettbüchse, denn der Körper wird mit Fett und Ocker eingerieben und das Gesicht, selbst von christlichen Frauen, mit Rötel bemalt.
Die Wohnstätten der Hottentotten sind niedrige Hütten in Halbkugel- oder Bienenkorbform, so leicht wie möglich gebaut, und bestehen aus einem Gerippe von dünnen, biegsamen Stäben, die mit Matten oder Fellen bedeckt werden. Für das Gerüst ver- wendet man die Zweige des Dornbaumes, die frisch geschnitten, entästet und bogenförmig gekrümmt werden. Zu dem Zweck bringt man sie in die entsprechende Lage und hält sie mittels schwerer Steine darin solange, bis sie trocken und gestaltsfest geworden sind. Die Stäbe werden dann in erforderlicher Anzahl - etwa 20 bis 60 für einen Kreis von 3 bis 5 Meter Durchmesser - mit einem Ende in die Erde gegraben und mit dem andern oben zu einer Kuppel zusammengebunden und mit Riemen verschnürt. Die Herstellung des Gerüstes ist Männerarbeit, es zu bedecken Aufgabe der Frauen. Dazu verwendet man in der Regel Matten, die aus Binsen oder Grashalmen kunstvoll hergestellt werden und zwar in der Weise, daß man die Halme aneinanderreiht und in Abständen von 3 Zentimeter mit Schnüren durchzieht, die man aus dem in heißem Wasser er- weichten Bast der Mimosen gedreht hat. Die fertigen Binsenmatten, die rings quer über die Hütte gelegt werden, sind zirka 5 Meter lang, sehr haltbar und äußerst praktisch; der darunter befindliche Wohn- raum ist bei warmer, trockener Witterung luftig, bei Regenwetter aber gegen Wasser vollständig geschützt, weil die Binsen in der Feuchtigkeit aufquellen und undurchlässig werden. Vor der niedrigen Öffnung der Hütte hängt ein Ziegenfell; früher wurden als Tür- verschluß gern Elefantenohren verarbeitet. Die Türöffnung ist in der Regel nach Osten gerichtet, läßt sich aber nach der herr- sehenden Windrichtung durch Verschieben der mit Steinen be- schwerten Matten sehr leicht verändern. Der Tür gegenüber ist
wird. Die Männer tragen Filzhüte; die Frauen, bei denen früher spitze Fellmützen sehr beliebt waren, hüllen den Kopf in bunte baumwollene Tücher ein.
Als Schmuckgegenstände waren Elfenbeinringe früher sehr be- liebt; jetzt trägt man Kupfer- und Messingringe, wohl auch Eisen- spangen, seitdem das teure Elfenbein verschwunden ist. In ledernen Taschen, die um den Hals gehängt werden, führt man die wich- tigsten Geräte mit. Ein unentbehrlicher Teil der Hottentotten- ausrüstung ist eine Fettbüchse, denn der Körper wird mit Fett und Ocker eingerieben und das Gesicht, selbst von christlichen Frauen, mit Rötel bemalt.
Die Wohnstätten der Hottentotten sind niedrige Hütten in Halbkugel- oder Bienenkorbform, so leicht wie möglich gebaut, und bestehen aus einem Gerippe von dünnen, biegsamen Stäben, die mit Matten oder Fellen bedeckt werden. Für das Gerüst ver- wendet man die Zweige des Dornbaumes, die frisch geschnitten, entästet und bogenförmig gekrümmt werden. Zu dem Zweck bringt man sie in die entsprechende Lage und hält sie mittels schwerer Steine darin solange, bis sie trocken und gestaltsfest geworden sind. Die Stäbe werden dann in erforderlicher Anzahl – etwa 20 bis 60 für einen Kreis von 3 bis 5 Meter Durchmesser – mit einem Ende in die Erde gegraben und mit dem andern oben zu einer Kuppel zusammengebunden und mit Riemen verschnürt. Die Herstellung des Gerüstes ist Männerarbeit, es zu bedecken Aufgabe der Frauen. Dazu verwendet man in der Regel Matten, die aus Binsen oder Grashalmen kunstvoll hergestellt werden und zwar in der Weise, daß man die Halme aneinanderreiht und in Abständen von 3 Zentimeter mit Schnüren durchzieht, die man aus dem in heißem Wasser er- weichten Bast der Mimosen gedreht hat. Die fertigen Binsenmatten, die rings quer über die Hütte gelegt werden, sind zirka 5 Meter lang, sehr haltbar und äußerst praktisch; der darunter befindliche Wohn- raum ist bei warmer, trockener Witterung luftig, bei Regenwetter aber gegen Wasser vollständig geschützt, weil die Binsen in der Feuchtigkeit aufquellen und undurchlässig werden. Vor der niedrigen Öffnung der Hütte hängt ein Ziegenfell; früher wurden als Tür- verschluß gern Elefantenohren verarbeitet. Die Türöffnung ist in der Regel nach Osten gerichtet, läßt sich aber nach der herr- sehenden Windrichtung durch Verschieben der mit Steinen be- schwerten Matten sehr leicht verändern. Der Tür gegenüber ist
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wird. Die Männer tragen Filzhüte; die Frauen, bei denen früher
spitze Fellmützen sehr beliebt waren, hüllen den Kopf in bunte
baumwollene Tücher ein.
Als Schmuckgegenstände waren Elfenbeinringe früher sehr be-
liebt; jetzt trägt man Kupfer- und Messingringe, wohl auch Eisen-
spangen, seitdem das teure Elfenbein verschwunden ist. In ledernen
Taschen, die um den Hals gehängt werden, führt man die wich-
tigsten Geräte mit. Ein unentbehrlicher Teil der Hottentotten-
ausrüstung ist eine Fettbüchse, denn der Körper wird mit Fett
und Ocker eingerieben und das Gesicht, selbst von christlichen
Frauen, mit Rötel bemalt.
Die Wohnstätten der Hottentotten sind niedrige Hütten in
Halbkugel- oder Bienenkorbform, so leicht wie möglich gebaut,
und bestehen aus einem Gerippe von dünnen, biegsamen Stäben,
die mit Matten oder Fellen bedeckt werden. Für das Gerüst ver-
wendet man die Zweige des Dornbaumes, die frisch geschnitten,
entästet und bogenförmig gekrümmt werden. Zu dem Zweck bringt
man sie in die entsprechende Lage und hält sie mittels schwerer
Steine darin solange, bis sie trocken und gestaltsfest geworden sind.
Die Stäbe werden dann in erforderlicher Anzahl – etwa 20 bis
60 für einen Kreis von 3 bis 5 m Durchmesser – mit einem Ende
in die Erde gegraben und mit dem andern oben zu einer Kuppel
zusammengebunden und mit Riemen verschnürt. Die Herstellung
des Gerüstes ist Männerarbeit, es zu bedecken Aufgabe der Frauen.
Dazu verwendet man in der Regel Matten, die aus Binsen oder
Grashalmen kunstvoll hergestellt werden und zwar in der Weise,
daß man die Halme aneinanderreiht und in Abständen von 3 cm
mit Schnüren durchzieht, die man aus dem in heißem Wasser er-
weichten Bast der Mimosen gedreht hat. Die fertigen Binsenmatten,
die rings quer über die Hütte gelegt werden, sind za. 5 m lang,
sehr haltbar und äußerst praktisch; der darunter befindliche Wohn-
raum ist bei warmer, trockener Witterung luftig, bei Regenwetter
aber gegen Wasser vollständig geschützt, weil die Binsen in der
Feuchtigkeit aufquellen und undurchlässig werden. Vor der niedrigen
Öffnung der Hütte hängt ein Ziegenfell; früher wurden als Tür-
verschluß gern Elefantenohren verarbeitet. Die Türöffnung ist in
der Regel nach Osten gerichtet, läßt sich aber nach der herr-
sehenden Windrichtung durch Verschieben der mit Steinen be-
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Tewes, Hermann: Menschenrassen und Völkertypen. Bd. 2. 2. Aufl. Leipzig, 1913, S. â 62 â. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/tewes_menschenrassen_1913/66>, abgerufen am 11.09.2024.
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