Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Thomasius, Christian: Ernsthaffte, aber doch Muntere und Vernünfftige Thomasische Gedancken und Errinnerungen über allerhand außerlesene Juristische Händel. Erster Theil. Halle, 1723.

Bild:
<< vorherige Seite

wieder von ihnen zu seinen Meister begeben wollen, seines Meisters Frau selbst für ihn gebeten, er alsobald alles in Güte gestanden, seine Begünstigungen mit Thränen bereuet, und Besserung versprochen, Gnade erzeigen, auff den Fall würde er in der Gefängniß durch den Stockmeister oder Stadt-Knecht mit Ruthen zimlicher massen gezüchtiget und nach ausgestandener Straffe, und beschehenen ernsten Vorhaltung, und Vermahnung, wo er von dergleichen bösen Händeln nicht abstehen wird, er künfftig mit härterer Straffe angesehen werden solle, desselbigen wieder entlediget V. R. W.

§. III. Dieses kame nun freylich dem Rath zu Z. aus denen §. 1.Dessen Vertheidigung wieder die gemachten Einwürffe. angeführten Ursachen wunderlich für, und befragten uns deßwegen alsobald in Monat Julio; ob denn nicht sie selbst Vermöge des ihnen zustehenden imperii meri die dictirte Straffe des Staupenschlags in eine geringere verwandeln könten, sie bekamen aber diese Antwort darauff

Daß dieselben gestalten Sachen nach ohne communication und Einwilligung der Hohen Landes-Obrigkeit die Hansen Paulen zuerkandte poen des Staupbesens in eine Geld-Busse, oder andere gelindere Straffe zu verwandeln nicht befugt, sondern es verbleibet dißfalls bey dem von uns am verwichenen Monath in dieser Sache gesprochenen Urtheil billig V. R. W.

Rationes decidendi,

Haben wir in obigen Sachen in vorigen Monat zu recht erkant, daß Christian und Hanß Paul H. der begangenen Deuben halber mit Staupen-Schlägen des Landes ewig billig zu verweisen; Es wolte denn die Hohe Obrigkeit Hanß Paulen in Ansehen er annoch ein junger Mensch etc. Gnade erzeigen etc.

Ob nun wohl dieselbigen für sich anführen, daß Ihnen als dem Stadt-Nath sothane Veränderung der Straffe, vermöge des Ihnen zustehenden imperii meri billig zukomme, und Ihnen hierinnen die doctrina

Carpzovii praxi Crimin, quaeft. 150. n. 6. Struvii in Syntagm. J. C. Exerc. 49. th. 90.

Beyfall gebe, auch sie, besage der Beylagen A. B. C. & D. allbereit anno 1646. und 1664. und zwar in ersten Fall vermöge eines Rechts-Spruchs aus der Juristen Facultät der Universität Wittenberg die Straffe des Landes-Verweisung in eine Geld-Busse verwandelt; auch endlich in der Beylage E. die Schöppen des Gerichts auff den Berge vor dem Rolande zu Halle zu recht erkant, daß Sie der Rath einen zum Strang verurtheileten nach Gelegenheit aller Umstände mit dem Schwerd von Leben zum Tode bringen, oder, da Sie Ihm ferner Gnade erzeigen wolten, Ihm das Leben schencken, und der Gerichte mit öffentlichen Staupen-Schlägen ewig verweisen lassen möchten:

wieder von ihnen zu seinen Meister begeben wollen, seines Meisters Frau selbst für ihn gebeten, er alsobald alles in Güte gestanden, seine Begünstigungen mit Thränen bereuet, und Besserung versprochen, Gnade erzeigen, auff den Fall würde er in der Gefängniß durch den Stockmeister oder Stadt-Knecht mit Ruthen zimlicher massen gezüchtiget und nach ausgestandener Straffe, und beschehenen ernsten Vorhaltung, und Vermahnung, wo er von dergleichen bösen Händeln nicht abstehen wird, er künfftig mit härterer Straffe angesehen werden solle, desselbigen wieder entlediget V. R. W.

§. III. Dieses kame nun freylich dem Rath zu Z. aus denen §. 1.Dessen Vertheidigung wieder die gemachten Einwürffe. angeführten Ursachen wunderlich für, und befragten uns deßwegen alsobald in Monat Julio; ob denn nicht sie selbst Vermöge des ihnen zustehenden imperii meri die dictirte Straffe des Staupenschlags in eine geringere verwandeln könten, sie bekamen aber diese Antwort darauff

Daß dieselben gestalten Sachen nach ohne communication und Einwilligung der Hohen Landes-Obrigkeit die Hansen Paulen zuerkandte poen des Staupbesens in eine Geld-Busse, oder andere gelindere Straffe zu verwandeln nicht befugt, sondern es verbleibet dißfalls bey dem von uns am verwichenen Monath in dieser Sache gesprochenen Urtheil billig V. R. W.

Rationes decidendi,

Haben wir in obigen Sachen in vorigen Monat zu recht erkant, daß Christian und Hanß Paul H. der begangenen Deuben halber mit Staupen-Schlägen des Landes ewig billig zu verweisen; Es wolte denn die Hohe Obrigkeit Hanß Paulen in Ansehen er annoch ein junger Mensch etc. Gnade erzeigen etc.

Ob nun wohl dieselbigen für sich anführen, daß Ihnen als dem Stadt-Nath sothane Veränderung der Straffe, vermöge des Ihnen zustehenden imperii meri billig zukomme, und Ihnen hierinnen die doctrina

Carpzovii praxi Crimin, quaeft. 150. n. 6. Struvii in Syntagm. J. C. Exerc. 49. th. 90.

Beyfall gebe, auch sie, besage der Beylagen A. B. C. & D. allbereit anno 1646. und 1664. und zwar in ersten Fall vermöge eines Rechts-Spruchs aus der Juristen Facultät der Universität Wittenberg die Straffe des Landes-Verweisung in eine Geld-Busse verwandelt; auch endlich in der Beylage E. die Schöppen des Gerichts auff den Berge vor dem Rolande zu Halle zu recht erkant, daß Sie der Rath einen zum Strang verurtheileten nach Gelegenheit aller Umstände mit dem Schwerd von Leben zum Tode bringen, oder, da Sie Ihm ferner Gnade erzeigen wolten, Ihm das Leben schencken, und der Gerichte mit öffentlichen Staupen-Schlägen ewig verweisen lassen möchten:

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div>
        <p><pb facs="#f0143" n="127"/>
wieder von ihnen                      zu seinen Meister begeben wollen, seines Meisters Frau selbst für ihn gebeten,                      er alsobald alles in Güte gestanden, seine Begünstigungen mit Thränen bereuet,                      und Besserung versprochen, Gnade erzeigen, auff den Fall würde er in der                      Gefängniß durch den Stockmeister oder Stadt-Knecht mit Ruthen zimlicher massen                      gezüchtiget und nach ausgestandener Straffe, und beschehenen ernsten Vorhaltung,                      und Vermahnung, wo er von dergleichen bösen Händeln nicht abstehen wird, er                      künfftig mit härterer Straffe angesehen werden solle, desselbigen wieder                      entlediget V. R. W.</p>
        <p>§. III. Dieses kame nun freylich dem Rath zu Z. aus denen §. 1.<note place="right">Dessen Vertheidigung wieder die gemachten                      Einwürffe.</note> angeführten Ursachen wunderlich für, und befragten uns                      deßwegen alsobald in Monat Julio; ob denn nicht sie selbst Vermöge des ihnen                      zustehenden imperii meri die dictirte Straffe des Staupenschlags in eine                      geringere verwandeln könten, sie bekamen aber diese Antwort darauff</p>
        <p>Daß dieselben gestalten Sachen nach ohne communication und Einwilligung der Hohen                      Landes-Obrigkeit die Hansen Paulen zuerkandte poen des Staupbesens in eine                      Geld-Busse, oder andere gelindere Straffe zu verwandeln nicht befugt, sondern es                      verbleibet dißfalls bey dem von uns am verwichenen Monath in dieser Sache                      gesprochenen Urtheil billig V. R. W.</p>
      </div>
      <div>
        <head>Rationes decidendi,</head><lb/>
        <p>Haben wir in obigen Sachen in vorigen Monat zu recht erkant, daß Christian und                      Hanß Paul H. der begangenen Deuben halber mit Staupen-Schlägen des Landes ewig                      billig zu verweisen; Es wolte denn die Hohe Obrigkeit Hanß Paulen in Ansehen er                      annoch ein junger Mensch etc. Gnade erzeigen etc.</p>
        <p>Ob nun wohl dieselbigen für sich anführen, daß Ihnen als dem Stadt-Nath sothane                      Veränderung der Straffe, vermöge des Ihnen zustehenden imperii meri billig                      zukomme, und Ihnen hierinnen die doctrina</p>
        <l>Carpzovii praxi Crimin, quaeft. 150. n. 6. Struvii in Syntagm. J. C. Exerc. 49.                      th. 90.</l>
        <p>Beyfall gebe, auch sie, besage der Beylagen A. B. C. &amp; D. allbereit anno                      1646. und 1664. und zwar in ersten Fall vermöge eines Rechts-Spruchs aus der                      Juristen Facultät der Universität Wittenberg die Straffe des Landes-Verweisung                      in eine Geld-Busse verwandelt; auch endlich in der Beylage E. die Schöppen des                      Gerichts auff den Berge vor dem Rolande zu Halle zu recht erkant, daß Sie der                      Rath einen zum Strang verurtheileten nach Gelegenheit aller Umstände mit dem                      Schwerd von Leben zum Tode bringen, oder, da Sie Ihm ferner Gnade erzeigen                      wolten, Ihm das Leben schencken, und der Gerichte mit öffentlichen                      Staupen-Schlägen ewig verweisen lassen möchten:</p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[127/0143] wieder von ihnen zu seinen Meister begeben wollen, seines Meisters Frau selbst für ihn gebeten, er alsobald alles in Güte gestanden, seine Begünstigungen mit Thränen bereuet, und Besserung versprochen, Gnade erzeigen, auff den Fall würde er in der Gefängniß durch den Stockmeister oder Stadt-Knecht mit Ruthen zimlicher massen gezüchtiget und nach ausgestandener Straffe, und beschehenen ernsten Vorhaltung, und Vermahnung, wo er von dergleichen bösen Händeln nicht abstehen wird, er künfftig mit härterer Straffe angesehen werden solle, desselbigen wieder entlediget V. R. W. §. III. Dieses kame nun freylich dem Rath zu Z. aus denen §. 1. angeführten Ursachen wunderlich für, und befragten uns deßwegen alsobald in Monat Julio; ob denn nicht sie selbst Vermöge des ihnen zustehenden imperii meri die dictirte Straffe des Staupenschlags in eine geringere verwandeln könten, sie bekamen aber diese Antwort darauff Dessen Vertheidigung wieder die gemachten Einwürffe. Daß dieselben gestalten Sachen nach ohne communication und Einwilligung der Hohen Landes-Obrigkeit die Hansen Paulen zuerkandte poen des Staupbesens in eine Geld-Busse, oder andere gelindere Straffe zu verwandeln nicht befugt, sondern es verbleibet dißfalls bey dem von uns am verwichenen Monath in dieser Sache gesprochenen Urtheil billig V. R. W. Rationes decidendi, Haben wir in obigen Sachen in vorigen Monat zu recht erkant, daß Christian und Hanß Paul H. der begangenen Deuben halber mit Staupen-Schlägen des Landes ewig billig zu verweisen; Es wolte denn die Hohe Obrigkeit Hanß Paulen in Ansehen er annoch ein junger Mensch etc. Gnade erzeigen etc. Ob nun wohl dieselbigen für sich anführen, daß Ihnen als dem Stadt-Nath sothane Veränderung der Straffe, vermöge des Ihnen zustehenden imperii meri billig zukomme, und Ihnen hierinnen die doctrina Carpzovii praxi Crimin, quaeft. 150. n. 6. Struvii in Syntagm. J. C. Exerc. 49. th. 90. Beyfall gebe, auch sie, besage der Beylagen A. B. C. & D. allbereit anno 1646. und 1664. und zwar in ersten Fall vermöge eines Rechts-Spruchs aus der Juristen Facultät der Universität Wittenberg die Straffe des Landes-Verweisung in eine Geld-Busse verwandelt; auch endlich in der Beylage E. die Schöppen des Gerichts auff den Berge vor dem Rolande zu Halle zu recht erkant, daß Sie der Rath einen zum Strang verurtheileten nach Gelegenheit aller Umstände mit dem Schwerd von Leben zum Tode bringen, oder, da Sie Ihm ferner Gnade erzeigen wolten, Ihm das Leben schencken, und der Gerichte mit öffentlichen Staupen-Schlägen ewig verweisen lassen möchten:

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Wolfenbütteler Digitale Bibliothek: Bereitstellung der Texttranskription und Auszeichnung in TEI. (2012-11-23T14:00:00Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme der Wolfenbütteler Digitalen Bibliothek entsprechen muss.
Wolfenbütteler Digitale Bibliothek: Bereitstellung der Bilddigitalisate (2012-11-23T14:00:00Z)
Frank Wiegand: Konvertierung nach XML/TEI gemäß DTA-Basisformat. (2012-11-23T14:00:00Z)

Weitere Informationen:

Anmerkungen zur Transkription:

  • Langes s (ſ) wird als rundes s (s) wiedergegeben.
  • Rundes r (ꝛ) wird als normales r (r) wiedergegeben bzw. in der Kombination ꝛc. als et (etc.) aufgelöst.
  • Die Majuskel J im Frakturdruck wird in der Transkription je nach Lautwert als I bzw. J wiedergegeben.
  • Übergeschriebenes „e“ über „a“, „o“ und „u“ wird als „ä“, „ö“, „ü“ transkribiert.
  • Ligaturen werden aufgelöst.
  • Silbentrennungen über Zeilengrenzen hinweg werden aufgelöst.
  • Silbentrennungen über Seitengrenzen hinweg werden beibehalten.
  • Kolumnentitel, Bogensignaturen und Kustoden werden nicht erfasst.
  • Griechische Schrift wird nicht transkribiert, sondern im XML mit <foreign xml:lang="el"><gap reason="fm"/></foreign> vermerkt.



Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/thomasius_ernsthaffte01_1723
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/thomasius_ernsthaffte01_1723/143
Zitationshilfe: Thomasius, Christian: Ernsthaffte, aber doch Muntere und Vernünfftige Thomasische Gedancken und Errinnerungen über allerhand außerlesene Juristische Händel. Erster Theil. Halle, 1723, S. 127. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/thomasius_ernsthaffte01_1723/143>, abgerufen am 13.04.2021.