Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Thomasius, Christian: Ernsthaffte, aber doch Muntere und Vernünfftige Thomasische Gedancken und Errinnerungen über allerhand außerlesene Juristische Händel. Erster Theil. Halle, 1723.

Bild:
<< vorherige Seite
19.
Ob sonsten dieser Spruch: kan mit dem Recht bestehen Und denen Regelen der Wohlanständigkeit? Will mit geschloßnem Mund, ich jetzo übergehen: Doch bleibet dieser Satz, ohn Wiederred' und Streit; Die Sache hätt der Rath, geneigter können enden: Ohn desfalls, ein Decret der Abreiß, mir zu senden.
20.
Selbst die Entschuldigung: die man sucht vorzuschützen, Als wann den Rath dazu, die Geistlichkeit gebracht Durch ihre Predigten: ihr Schmähen: Schelten: Blitzen; Wird von der Billigkeit, unbillig gantz geacht. Der Rath ist das Stadt-Haupt: die Priester sind nur Glieder: Die Glieder, müssen thun nichts ihrem Haupt zu wieder.
21.
Denn nach dem meine Schrifft, den Priesteren mißfallen: Und sie durch ein Verboht; wurd in die Acht erklährt; So war nicht nöthig mehr der Cantzeln Donner-Knallen. Warum ward von dem Rath, es ihnen nicht verwehrt? Auff Cantzeln hören nicht subtile Streit und Schrifften. Sie pflegen insgemein vergallten Haß zu stifften.
22.
Es wär vom weisen Rath, ein weises Werck verrichtet: Hätt er dem Predigt-Stuhl ein Schweigen aufferlegt; Durch dieses Mittel wär der schwere Zanck vernichtet: Der vielleicht mehreren, noch mit der Zeit erregt. Der Brauch ist im Gebrauch, in vielen Königreichen: So bald die Geistlichkeit, fängt aus der Bahn zu weichen.
23.
Das Lehr-Amt: hätte selbst sich frömmer können führen. Es stimmet nicht ihr Zorn mit Christi sanffter Lehr. Sie predigen die Lieb: und lassen keine spühren. Ihr Eifer heisset nichts: für GOttes Lehr und Ehr. Es bleibet GOtt doch GOtt bey allen Ketzereyen. Die Falschheit: will den Glantz der Warheit, mehr verneuen.
19.
Ob sonsten dieser Spruch: kan mit dem Recht bestehen Und denen Regelen der Wohlanständigkeit? Will mit geschloßnem Mund, ich jetzo übergehen: Doch bleibet dieser Satz, ohn Wiederred’ und Streit; Die Sache hätt der Rath, geneigter können enden: Ohn desfalls, ein Decret der Abreiß, mir zu senden.
20.
Selbst die Entschuldigung: die man sucht vorzuschützen, Als wann den Rath dazu, die Geistlichkeit gebracht Durch ihre Predigten: ihr Schmähen: Schelten: Blitzen; Wird von der Billigkeit, unbillig gantz geacht. Der Rath ist das Stadt-Haupt: die Priester sind nur Glieder: Die Glieder, müssen thun nichts ihrem Haupt zu wieder.
21.
Denn nach dem meine Schrifft, den Priesteren mißfallen: Und sie durch ein Verboht; wurd in die Acht erklährt; So war nicht nöthig mehr der Cantzeln Donner-Knallen. Warum ward von dem Rath, es ihnen nicht verwehrt? Auff Cantzeln hören nicht subtile Streit und Schrifften. Sie pflegen insgemein vergallten Haß zu stifften.
22.
Es wär vom weisen Rath, ein weises Werck verrichtet: Hätt er dem Predigt-Stuhl ein Schweigen aufferlegt; Durch dieses Mittel wär der schwere Zanck vernichtet: Der vielleicht mehreren, noch mit der Zeit erregt. Der Brauch ist im Gebrauch, in vielen Königreichen: So bald die Geistlichkeit, fängt aus der Bahn zu weichen.
23.
Das Lehr-Amt: hätte selbst sich frömmer können führen. Es stimmet nicht ihr Zorn mit Christi sanffter Lehr. Sie predigen die Lieb: und lassen keine spühren. Ihr Eifer heisset nichts: für GOttes Lehr und Ehr. Es bleibet GOtt doch GOtt bey allen Ketzereyen. Die Falschheit: will den Glantz der Warheit, mehr verneuen.
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div>
        <pb facs="#f0354" n="338"/>
      </div>
      <div>
        <head>19.</head><lb/>
        <l>Ob sonsten dieser Spruch: kan mit dem Recht bestehen Und denen Regelen der                      Wohlanständigkeit? Will mit geschloßnem Mund, ich jetzo übergehen: Doch bleibet                      dieser Satz, ohn Wiederred&#x2019; und Streit; Die Sache hätt der Rath, geneigter                      können enden: Ohn desfalls, ein Decret der Abreiß, mir zu senden.</l>
      </div>
      <div>
        <head>20.</head><lb/>
        <l>Selbst die Entschuldigung: die man sucht vorzuschützen, Als wann den Rath dazu,                      die Geistlichkeit gebracht Durch ihre Predigten: ihr Schmähen: Schelten:                      Blitzen; Wird von der Billigkeit, unbillig gantz geacht. Der Rath ist das                      Stadt-Haupt: die Priester sind nur Glieder: Die Glieder, müssen thun nichts                      ihrem Haupt zu wieder.</l>
      </div>
      <div>
        <head>21.</head><lb/>
        <l>Denn nach dem meine Schrifft, den Priesteren mißfallen: Und sie durch ein                      Verboht; wurd in die Acht erklährt; So war nicht nöthig mehr der Cantzeln                      Donner-Knallen. Warum ward von dem Rath, es ihnen nicht verwehrt? Auff Cantzeln                      hören nicht subtile Streit und Schrifften. Sie pflegen insgemein vergallten Haß                      zu stifften.</l>
      </div>
      <div>
        <head>22.</head><lb/>
        <l>Es wär vom weisen Rath, ein weises Werck verrichtet: Hätt er dem Predigt-Stuhl                      ein Schweigen aufferlegt; Durch dieses Mittel wär der schwere Zanck vernichtet:                      Der vielleicht mehreren, noch mit der Zeit erregt. Der Brauch ist im Gebrauch,                      in vielen Königreichen: So bald die Geistlichkeit, fängt aus der Bahn zu                      weichen.</l>
      </div>
      <div>
        <head>23.</head><lb/>
        <l>Das Lehr-Amt: hätte selbst sich frömmer können führen. Es stimmet nicht ihr Zorn                      mit Christi sanffter Lehr. Sie predigen die Lieb: und lassen keine spühren. Ihr                      Eifer heisset nichts: für GOttes Lehr und Ehr. Es bleibet GOtt doch GOtt bey                      allen Ketzereyen. Die Falschheit: will den Glantz der Warheit, mehr verneuen.</l>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[338/0354] 19. Ob sonsten dieser Spruch: kan mit dem Recht bestehen Und denen Regelen der Wohlanständigkeit? Will mit geschloßnem Mund, ich jetzo übergehen: Doch bleibet dieser Satz, ohn Wiederred’ und Streit; Die Sache hätt der Rath, geneigter können enden: Ohn desfalls, ein Decret der Abreiß, mir zu senden. 20. Selbst die Entschuldigung: die man sucht vorzuschützen, Als wann den Rath dazu, die Geistlichkeit gebracht Durch ihre Predigten: ihr Schmähen: Schelten: Blitzen; Wird von der Billigkeit, unbillig gantz geacht. Der Rath ist das Stadt-Haupt: die Priester sind nur Glieder: Die Glieder, müssen thun nichts ihrem Haupt zu wieder. 21. Denn nach dem meine Schrifft, den Priesteren mißfallen: Und sie durch ein Verboht; wurd in die Acht erklährt; So war nicht nöthig mehr der Cantzeln Donner-Knallen. Warum ward von dem Rath, es ihnen nicht verwehrt? Auff Cantzeln hören nicht subtile Streit und Schrifften. Sie pflegen insgemein vergallten Haß zu stifften. 22. Es wär vom weisen Rath, ein weises Werck verrichtet: Hätt er dem Predigt-Stuhl ein Schweigen aufferlegt; Durch dieses Mittel wär der schwere Zanck vernichtet: Der vielleicht mehreren, noch mit der Zeit erregt. Der Brauch ist im Gebrauch, in vielen Königreichen: So bald die Geistlichkeit, fängt aus der Bahn zu weichen. 23. Das Lehr-Amt: hätte selbst sich frömmer können führen. Es stimmet nicht ihr Zorn mit Christi sanffter Lehr. Sie predigen die Lieb: und lassen keine spühren. Ihr Eifer heisset nichts: für GOttes Lehr und Ehr. Es bleibet GOtt doch GOtt bey allen Ketzereyen. Die Falschheit: will den Glantz der Warheit, mehr verneuen.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Wolfenbütteler Digitale Bibliothek: Bereitstellung der Texttranskription und Auszeichnung in TEI. (2012-11-23T14:00:00Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme der Wolfenbütteler Digitalen Bibliothek entsprechen muss.
Wolfenbütteler Digitale Bibliothek: Bereitstellung der Bilddigitalisate (2012-11-23T14:00:00Z)
Frank Wiegand: Konvertierung nach XML/TEI gemäß DTA-Basisformat. (2012-11-23T14:00:00Z)

Weitere Informationen:

Anmerkungen zur Transkription:

  • Langes s (ſ) wird als rundes s (s) wiedergegeben.
  • Rundes r (ꝛ) wird als normales r (r) wiedergegeben bzw. in der Kombination ꝛc. als et (etc.) aufgelöst.
  • Die Majuskel J im Frakturdruck wird in der Transkription je nach Lautwert als I bzw. J wiedergegeben.
  • Übergeschriebenes „e“ über „a“, „o“ und „u“ wird als „ä“, „ö“, „ü“ transkribiert.
  • Ligaturen werden aufgelöst.
  • Silbentrennungen über Zeilengrenzen hinweg werden aufgelöst.
  • Silbentrennungen über Seitengrenzen hinweg werden beibehalten.
  • Kolumnentitel, Bogensignaturen und Kustoden werden nicht erfasst.
  • Griechische Schrift wird nicht transkribiert, sondern im XML mit <foreign xml:lang="el"><gap reason="fm"/></foreign> vermerkt.



Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/thomasius_ernsthaffte01_1723
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/thomasius_ernsthaffte01_1723/354
Zitationshilfe: Thomasius, Christian: Ernsthaffte, aber doch Muntere und Vernünfftige Thomasische Gedancken und Errinnerungen über allerhand außerlesene Juristische Händel. Erster Theil. Halle, 1723, S. 338. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/thomasius_ernsthaffte01_1723/354>, abgerufen am 11.04.2021.