Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Thomasius, Christian: Ernsthaffte, aber doch Muntere und Vernünfftige Thomasische Gedancken und Errinnerungen über allerhand außerlesene Juristische Händel. Zweyter Theil. Halle, 1724.

Bild:
<< vorherige Seite

ger Schluß des gantzen Collegii sey; so habe ich dafür gehalten, es werde meiner allgemeinen Verpflichtung und unsern statutis kein Abbruch geschehen, wenn ich eines theils die vota singulorum dem geneigten Leser ohne Benennung der Herren Autorum vor Augen legte, andern theils aber auch in recensirung derselben den gewöhnlichen Rang und Ordnung in unserer Facultät (absque tamen praejudicio) nicht beobachtete, sondern gleichsam wie aus einem Glücks-Topf dieselben eines nach dem andern ergriffe. Das erste votum nun, das mir unter die Hände fället, stellet kurtz vor, was der Herr Autor desselbigen an diesem und jenem paragrapho der Proceß-Ordnung quaestionis desiderire, ohne daß es dem Herrn Autori beliebet, in genere etwas zu melden, was seine Gedancken von Verkürtzung der Processe seyn möchten.

Ad §. 1.

Bey dem ersten Articul der überschickten Proceß-Ordnung finde zu erinnern, daß die Advocaten und Richter mit der Zeit disputiren werden, was zur Erforschung der Wahrheit und also zum summarischen Proceß gehöre, wenn selbiger nicht erst deutlicher beschrieben wird.

Ad §. 8.

Wann die Processe summarisch geführet werden sollen, so sehe ich nicht, warum über den Beweiß-Articuln jederzeit Interrogatoria zugelassen worden, da bekannt, daß man dadurch sowohl die Zeugen als den Richter meistentheils zu verwirren suche; auch sonsten in processu summario die interrogatoria cessiren.

Ad §. 9.

Wenn der Processe weniger werden sollen, so hielte ich für rathsam, daß man die Reconvention erst finita conventione anstellte; alsdenn würde mancher mit seiner affectirten reconvention wegbleiben, und die conventio bald aus werden. Und ob zwar gesaget werden könte, hier, wo die caussa reconventionis cum conventione geführet würde, seye ein Proceß, dort würden zwey daraus; so halte ich doch dafür, daß die Deutlichkeit und bessere Ordnung solche moram compensiren oder vielleicht cum lucro ersetzen würde. Wozu noch kommet, daß wer in conventione verspielet, sich wohl propter expensas besinnen werde, die reconvention, wenn er nicht klar fundirt, anzustellen.

Ad §. 12.

Hierbey ist bedencklich, daß gar keine Disputir-Gesetze sollen zugelassen werden, hernach aber, daß doch nach einigen Umbständen so wohl wieder der Zeugen Person als deren Aussage Schrifften mögen zugelassen werden. Das erste kan nicht absolute bestehen, weil der Richter offt über ein und andere circumstanz aus solchen Gesetzen eclairciret wird. Uber die Zulassung der Schrifften aber werden sich neue

ger Schluß des gantzen Collegii sey; so habe ich dafür gehalten, es werde meiner allgemeinen Verpflichtung und unsern statutis kein Abbruch geschehen, wenn ich eines theils die vota singulorum dem geneigten Leser ohne Benennung der Herren Autorum vor Augen legte, andern theils aber auch in recensirung derselben den gewöhnlichen Rang und Ordnung in unserer Facultät (absque tamen praejudicio) nicht beobachtete, sondern gleichsam wie aus einem Glücks-Topf dieselben eines nach dem andern ergriffe. Das erste votum nun, das mir unter die Hände fället, stellet kurtz vor, was der Herr Autor desselbigen an diesem und jenem paragrapho der Proceß-Ordnung quaestionis desiderire, ohne daß es dem Herrn Autori beliebet, in genere etwas zu melden, was seine Gedancken von Verkürtzung der Processe seyn möchten.

Ad §. 1.

Bey dem ersten Articul der überschickten Proceß-Ordnung finde zu erinnern, daß die Advocaten und Richter mit der Zeit disputiren werden, was zur Erforschung der Wahrheit und also zum summarischen Proceß gehöre, wenn selbiger nicht erst deutlicher beschrieben wird.

Ad §. 8.

Wann die Processe summarisch geführet werden sollen, so sehe ich nicht, warum über den Beweiß-Articuln jederzeit Interrogatoria zugelassen worden, da bekannt, daß man dadurch sowohl die Zeugen als den Richter meistentheils zu verwirren suche; auch sonsten in processu summario die interrogatoria cessiren.

Ad §. 9.

Wenn der Processe weniger werden sollen, so hielte ich für rathsam, daß man die Reconvention erst finita conventione anstellte; alsdenn würde mancher mit seiner affectirten reconvention wegbleiben, und die conventio bald aus werden. Und ob zwar gesaget werden könte, hier, wo die caussa reconventionis cum conventione geführet würde, seye ein Proceß, dort würden zwey daraus; so halte ich doch dafür, daß die Deutlichkeit und bessere Ordnung solche moram compensiren oder vielleicht cum lucro ersetzen würde. Wozu noch kommet, daß wer in conventione verspielet, sich wohl propter expensas besinnen werde, die reconvention, wenn er nicht klar fundirt, anzustellen.

Ad §. 12.

Hierbey ist bedencklich, daß gar keine Disputir-Gesetze sollen zugelassen werden, hernach aber, daß doch nach einigen Umbständen so wohl wieder der Zeugen Person als deren Aussage Schrifften mögen zugelassen werden. Das erste kan nicht absolute bestehen, weil der Richter offt über ein und andere circumstanz aus solchen Gesetzen eclairciret wird. Uber die Zulassung der Schrifften aber werden sich neue

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div>
        <p><pb facs="#f0152" n="144"/>
ger Schluß des gantzen Collegii sey; so habe ich dafür gehalten, es werde                      meiner allgemeinen Verpflichtung und unsern statutis kein Abbruch geschehen,                      wenn ich eines theils die vota singulorum dem geneigten Leser ohne Benennung der                      Herren Autorum vor Augen legte, andern theils aber auch in recensirung derselben                      den gewöhnlichen Rang und Ordnung in unserer Facultät (absque tamen praejudicio)                      nicht beobachtete, sondern gleichsam wie aus einem Glücks-Topf dieselben eines                      nach dem andern ergriffe. Das erste votum nun, das mir unter die Hände fället,                      stellet kurtz vor, was der Herr Autor desselbigen an diesem und jenem paragrapho                      der Proceß-Ordnung quaestionis desiderire, ohne daß es dem Herrn Autori                      beliebet, in genere etwas zu melden, was seine Gedancken von Verkürtzung der                      Processe seyn möchten.</p>
      </div>
      <div>
        <head>Ad §. 1.</head><lb/>
        <p>Bey dem ersten Articul der überschickten Proceß-Ordnung finde zu erinnern, daß                      die Advocaten und Richter mit der Zeit disputiren werden, was zur Erforschung                      der Wahrheit und also zum summarischen Proceß gehöre, wenn selbiger nicht erst                      deutlicher beschrieben wird.</p>
      </div>
      <div>
        <head>Ad §. 8.</head><lb/>
        <p>Wann die Processe summarisch geführet werden sollen, so sehe ich nicht, warum                      über den Beweiß-Articuln jederzeit Interrogatoria zugelassen worden, da bekannt,                      daß man dadurch sowohl die Zeugen als den Richter meistentheils zu verwirren                      suche; auch sonsten in processu summario die interrogatoria cessiren.</p>
      </div>
      <div>
        <head>Ad §. 9.</head><lb/>
        <p>Wenn der Processe weniger werden sollen, so hielte ich für rathsam, daß man die                      Reconvention erst finita conventione anstellte; alsdenn würde mancher mit seiner                      affectirten reconvention wegbleiben, und die conventio bald aus werden. Und ob                      zwar gesaget werden könte, hier, wo die caussa reconventionis cum conventione                      geführet würde, seye ein Proceß, dort würden zwey daraus; so halte ich doch                      dafür, daß die Deutlichkeit und bessere Ordnung solche moram compensiren oder                      vielleicht cum lucro ersetzen würde. Wozu noch kommet, daß wer in conventione                      verspielet, sich wohl propter expensas besinnen werde, die reconvention, wenn er                      nicht klar fundirt, anzustellen.</p>
      </div>
      <div>
        <head>Ad §. 12.</head><lb/>
        <p>Hierbey ist bedencklich, daß gar keine Disputir-Gesetze sollen zugelassen werden,                      hernach aber, daß doch nach einigen Umbständen so wohl wieder der Zeugen Person                      als deren Aussage Schrifften mögen zugelassen werden. Das erste kan nicht                      absolute bestehen, weil der Richter offt über ein und andere circumstanz aus                      solchen Gesetzen eclairciret wird. Uber die Zulassung der Schrifften aber werden                      sich neue
</p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[144/0152] ger Schluß des gantzen Collegii sey; so habe ich dafür gehalten, es werde meiner allgemeinen Verpflichtung und unsern statutis kein Abbruch geschehen, wenn ich eines theils die vota singulorum dem geneigten Leser ohne Benennung der Herren Autorum vor Augen legte, andern theils aber auch in recensirung derselben den gewöhnlichen Rang und Ordnung in unserer Facultät (absque tamen praejudicio) nicht beobachtete, sondern gleichsam wie aus einem Glücks-Topf dieselben eines nach dem andern ergriffe. Das erste votum nun, das mir unter die Hände fället, stellet kurtz vor, was der Herr Autor desselbigen an diesem und jenem paragrapho der Proceß-Ordnung quaestionis desiderire, ohne daß es dem Herrn Autori beliebet, in genere etwas zu melden, was seine Gedancken von Verkürtzung der Processe seyn möchten. Ad §. 1. Bey dem ersten Articul der überschickten Proceß-Ordnung finde zu erinnern, daß die Advocaten und Richter mit der Zeit disputiren werden, was zur Erforschung der Wahrheit und also zum summarischen Proceß gehöre, wenn selbiger nicht erst deutlicher beschrieben wird. Ad §. 8. Wann die Processe summarisch geführet werden sollen, so sehe ich nicht, warum über den Beweiß-Articuln jederzeit Interrogatoria zugelassen worden, da bekannt, daß man dadurch sowohl die Zeugen als den Richter meistentheils zu verwirren suche; auch sonsten in processu summario die interrogatoria cessiren. Ad §. 9. Wenn der Processe weniger werden sollen, so hielte ich für rathsam, daß man die Reconvention erst finita conventione anstellte; alsdenn würde mancher mit seiner affectirten reconvention wegbleiben, und die conventio bald aus werden. Und ob zwar gesaget werden könte, hier, wo die caussa reconventionis cum conventione geführet würde, seye ein Proceß, dort würden zwey daraus; so halte ich doch dafür, daß die Deutlichkeit und bessere Ordnung solche moram compensiren oder vielleicht cum lucro ersetzen würde. Wozu noch kommet, daß wer in conventione verspielet, sich wohl propter expensas besinnen werde, die reconvention, wenn er nicht klar fundirt, anzustellen. Ad §. 12. Hierbey ist bedencklich, daß gar keine Disputir-Gesetze sollen zugelassen werden, hernach aber, daß doch nach einigen Umbständen so wohl wieder der Zeugen Person als deren Aussage Schrifften mögen zugelassen werden. Das erste kan nicht absolute bestehen, weil der Richter offt über ein und andere circumstanz aus solchen Gesetzen eclairciret wird. Uber die Zulassung der Schrifften aber werden sich neue

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Obrigkeitskritik und Fürstenberatung: Die Oberhofprediger in Braunschweig-Wolfenbüttel 1568-1714: Bereitstellung der Texttranskription und Auszeichnung in XML/TEI. (2013-02-15T13:54:31Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme entsprechen muss.
Wolfenbütteler Digitale Bibliothek: Bereitstellung der Bilddigitalisate (2013-02-15T13:54:31Z)
Marcus Baumgarten, Frederike Neuber, Frank Wiegand: Konvertierung nach XML gemäß DTA-Basisformat, Tagging der Titelblätter, Korrekturen der Transkription. (2013-02-15T13:54:31Z)

Weitere Informationen:

Anmerkungen zur Transkription:

  • Langes s (ſ) wird als rundes s (s) wiedergegeben.
  • Rundes r (ꝛ) wird als normales r (r) wiedergegeben bzw. in der Kombination ꝛc. als et (etc.) aufgelöst.
  • Die Majuskel J im Frakturdruck wird in der Transkription je nach Lautwert als I bzw. J wiedergegeben.
  • Übergeschriebenes „e“ über „a“, „o“ und „u“ wird als „ä“, „ö“, „ü“ transkribiert.
  • Ligaturen werden aufgelöst.
  • Silbentrennungen über Zeilengrenzen hinweg werden aufgelöst.
  • Silbentrennungen über Seitengrenzen hinweg werden beibehalten.
  • Kolumnentitel, Bogensignaturen und Kustoden werden nicht erfasst.
  • Griechische Schrift wird nicht transkribiert, sondern im XML mit <foreign xml:lang="el"><gap reason="fm"/></foreign> vermerkt.



Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/thomasius_ernsthaffte02_1724
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/thomasius_ernsthaffte02_1724/152
Zitationshilfe: Thomasius, Christian: Ernsthaffte, aber doch Muntere und Vernünfftige Thomasische Gedancken und Errinnerungen über allerhand außerlesene Juristische Händel. Zweyter Theil. Halle, 1724, S. 144. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/thomasius_ernsthaffte02_1724/152>, abgerufen am 11.04.2021.