Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Thomasius, Christian: Ernsthaffte, aber doch Muntere und Vernünfftige Thomasische Gedancken und Errinnerungen über allerhand außerlesene Juristische Händel. Zweyter Theil. Halle, 1724.

Bild:
<< vorherige Seite

wegen wurden uns mense Majo die bißhero excerpirte zwey voluminaUrtheil selbst. Actorum zugesandt, auch alsobald, wie folget, expediret. Wir sahen wohl, daß nicht allein der Amts Vogt, sondern auch die Regierung selbst sich sehr vergangen, daß sie auf solch närrisch Zeug zu zweyen mahlen die inquisition verhänget oder gar anbefohlen; weil es sich aber nicht schickte, daß wir dieses dem Regimini verwiesen hätten; gleichwohl auch die Nothdurfft es erforderte, daß wir es nicht gar tacendo approbirten, als nahmen wir daher Gelegenheit, rationem dubitandi zu formiren, (die wir sonst nicht wusten, wo wir andere, die nicht ridicul wären, finden solten) und in der Beantwortung in glimpflichen terminis diesen ihren Unfug ihnen, wiewohl per indirectum vorzustellen. Daß aber in denen rationibus gar nichts von der Alberkeit der gemeinen Meynung vom Hexen-Teuffel erwehnet worden, geschahe aus zweyerley Ursachen. Erstlich, weil die Herren Requirentes Catholisch waren, und wir ihnen nicht zumuthen durfften, die Thorheit dieses praejudicii so geschwind zuerkennen, da von denen Evangelischen noch viele Juristen und Politici darinnen ersoffen sind: Zum andern, brauchte es in gegenwärtigem casu dieses moniti nicht; indem, wenn gleich sonst alles wahr wäre, was das Papstthum von dem Hexen-Teuffel die Leute bereden wollen, dennoch die auch nach denen principiis der Catholischen zur Inquisition in Hexen-Sachen determinirte indicia sich allhier gar nicht befunden. Und solchergestalt wurde nun das Urtheil also abgefasset.

P. P. Daß in Ermangelung gnugsamen Verdachts und Anzeige wieder Elisabeth Kohlin ferner nichts vorzunehmen, sondern sie auch ohne caution und Erstattung einiger Unkosten der gefänglichen Hafft wieder zu erlassen und von der angestellten inquisition wieder zu entbinden. Es ist auch wieder Catharinen Schlteperin, jetzo Christop Adams Eheweib, und Marien, Andreas Missels Eheweib, derer Dinge wegen, weshalben Elisabeth Kohlin vernommen worden, nichts praejudicirliches zu verhängen, sondern es werden dieselben insgesamt bey ihrem gutem Leumuth wieder alle Verläumdungen und unzulängliche suspiciones billig geschützet. V. R. W.

Rationes decidendi.

Obwohl aus denen beyden Fasciculis Actorum zu ersehen, daß vor dem wieder Catharinen Schlieperin, jetzo wieder Elisabeth Kohlin in puncto magiae inquiriret worden.

Dieweil aber dennoch wieder beyde das geringste indicium, das nach Anleitung der Peinlichen Hals-Gerichts-Ordnung Käyser Carl des V.

wegen wurden uns mense Majo die bißhero excerpirte zwey voluminaUrtheil selbst. Actorum zugesandt, auch alsobald, wie folget, expediret. Wir sahen wohl, daß nicht allein der Amts Vogt, sondern auch die Regierung selbst sich sehr vergangen, daß sie auf solch närrisch Zeug zu zweyen mahlen die inquisition verhänget oder gar anbefohlen; weil es sich aber nicht schickte, daß wir dieses dem Regimini verwiesen hätten; gleichwohl auch die Nothdurfft es erforderte, daß wir es nicht gar tacendo approbirten, als nahmen wir daher Gelegenheit, rationem dubitandi zu formiren, (die wir sonst nicht wusten, wo wir andere, die nicht ridicul wären, finden solten) und in der Beantwortung in glimpflichen terminis diesen ihren Unfug ihnen, wiewohl per indirectum vorzustellen. Daß aber in denen rationibus gar nichts von der Alberkeit der gemeinen Meynung vom Hexen-Teuffel erwehnet worden, geschahe aus zweyerley Ursachen. Erstlich, weil die Herren Requirentes Catholisch waren, und wir ihnen nicht zumuthen durfften, die Thorheit dieses praejudicii so geschwind zuerkennen, da von denen Evangelischen noch viele Juristen und Politici darinnen ersoffen sind: Zum andern, brauchte es in gegenwärtigem casu dieses moniti nicht; indem, wenn gleich sonst alles wahr wäre, was das Papstthum von dem Hexen-Teuffel die Leute bereden wollen, dennoch die auch nach denen principiis der Catholischen zur Inquisition in Hexen-Sachen determinirte indicia sich allhier gar nicht befunden. Und solchergestalt wurde nun das Urtheil also abgefasset.

P. P. Daß in Ermangelung gnugsamen Verdachts und Anzeige wieder Elisabeth Kohlin ferner nichts vorzunehmen, sondern sie auch ohne caution und Erstattung einiger Unkosten der gefänglichen Hafft wieder zu erlassen und von der angestellten inquisition wieder zu entbinden. Es ist auch wieder Catharinen Schlteperin, jetzo Christop Adams Eheweib, und Marien, Andreas Missels Eheweib, derer Dinge wegen, weshalben Elisabeth Kohlin vernommen worden, nichts praejudicirliches zu verhängen, sondern es werden dieselben insgesamt bey ihrem gutem Leumuth wieder alle Verläumdungen und unzulängliche suspiciones billig geschützet. V. R. W.

Rationes decidendi.

Obwohl aus denen beyden Fasciculis Actorum zu ersehen, daß vor dem wieder Catharinen Schlieperin, jetzo wieder Elisabeth Kohlin in puncto magiae inquiriret worden.

Dieweil aber dennoch wieder beyde das geringste indicium, das nach Anleitung der Peinlichen Hals-Gerichts-Ordnung Käyser Carl des V.

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div>
        <p><pb facs="#f0341" n="333"/>
wegen wurden uns mense Majo                      die bißhero excerpirte zwey volumina<note place="right">Urtheil                      selbst.</note> Actorum zugesandt, auch alsobald, wie folget, expediret. Wir                      sahen wohl, daß nicht allein der Amts Vogt, sondern auch die Regierung selbst                      sich sehr vergangen, daß sie auf solch närrisch Zeug zu zweyen mahlen die                      inquisition verhänget oder gar anbefohlen; weil es sich aber nicht schickte, daß                      wir dieses dem Regimini verwiesen hätten; gleichwohl auch die Nothdurfft es                      erforderte, daß wir es nicht gar tacendo approbirten, als nahmen wir daher                      Gelegenheit, rationem dubitandi zu formiren, (die wir sonst nicht wusten, wo wir                      andere, die nicht ridicul wären, finden solten) und in der Beantwortung in                      glimpflichen terminis diesen ihren Unfug ihnen, wiewohl per indirectum                      vorzustellen. Daß aber in denen rationibus gar nichts von der Alberkeit der                      gemeinen Meynung vom Hexen-Teuffel erwehnet worden, geschahe aus zweyerley                      Ursachen. Erstlich, weil die Herren Requirentes Catholisch waren, und wir ihnen                      nicht zumuthen durfften, die Thorheit dieses praejudicii so geschwind                      zuerkennen, da von denen Evangelischen noch viele Juristen und Politici darinnen                      ersoffen sind: Zum andern, brauchte es in gegenwärtigem casu dieses moniti                      nicht; indem, wenn gleich sonst alles wahr wäre, was das Papstthum von dem                      Hexen-Teuffel die Leute bereden wollen, dennoch die auch nach denen principiis                      der Catholischen zur Inquisition in Hexen-Sachen determinirte indicia sich                      allhier gar nicht befunden. Und solchergestalt wurde nun das Urtheil also                      abgefasset.</p>
        <p>P. P. Daß in Ermangelung gnugsamen Verdachts und Anzeige wieder Elisabeth Kohlin                      ferner nichts vorzunehmen, sondern sie auch ohne caution und Erstattung einiger                      Unkosten der gefänglichen Hafft wieder zu erlassen und von der angestellten                      inquisition wieder zu entbinden. Es ist auch wieder Catharinen Schlteperin,                      jetzo Christop Adams Eheweib, und Marien, Andreas Missels Eheweib, derer Dinge                      wegen, weshalben Elisabeth Kohlin vernommen worden, nichts praejudicirliches zu                      verhängen, sondern es werden dieselben insgesamt bey ihrem gutem Leumuth wieder                      alle Verläumdungen und unzulängliche suspiciones billig geschützet. V. R. W.</p>
      </div>
      <div>
        <head>Rationes decidendi.</head><lb/>
        <p>Obwohl aus denen beyden Fasciculis Actorum zu ersehen, daß vor dem wieder                      Catharinen Schlieperin, jetzo wieder Elisabeth Kohlin in puncto magiae                      inquiriret worden.</p>
        <p>Dieweil aber dennoch wieder beyde das geringste indicium, das nach Anleitung der                      Peinlichen Hals-Gerichts-Ordnung Käyser Carl des V.</p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[333/0341] wegen wurden uns mense Majo die bißhero excerpirte zwey volumina Actorum zugesandt, auch alsobald, wie folget, expediret. Wir sahen wohl, daß nicht allein der Amts Vogt, sondern auch die Regierung selbst sich sehr vergangen, daß sie auf solch närrisch Zeug zu zweyen mahlen die inquisition verhänget oder gar anbefohlen; weil es sich aber nicht schickte, daß wir dieses dem Regimini verwiesen hätten; gleichwohl auch die Nothdurfft es erforderte, daß wir es nicht gar tacendo approbirten, als nahmen wir daher Gelegenheit, rationem dubitandi zu formiren, (die wir sonst nicht wusten, wo wir andere, die nicht ridicul wären, finden solten) und in der Beantwortung in glimpflichen terminis diesen ihren Unfug ihnen, wiewohl per indirectum vorzustellen. Daß aber in denen rationibus gar nichts von der Alberkeit der gemeinen Meynung vom Hexen-Teuffel erwehnet worden, geschahe aus zweyerley Ursachen. Erstlich, weil die Herren Requirentes Catholisch waren, und wir ihnen nicht zumuthen durfften, die Thorheit dieses praejudicii so geschwind zuerkennen, da von denen Evangelischen noch viele Juristen und Politici darinnen ersoffen sind: Zum andern, brauchte es in gegenwärtigem casu dieses moniti nicht; indem, wenn gleich sonst alles wahr wäre, was das Papstthum von dem Hexen-Teuffel die Leute bereden wollen, dennoch die auch nach denen principiis der Catholischen zur Inquisition in Hexen-Sachen determinirte indicia sich allhier gar nicht befunden. Und solchergestalt wurde nun das Urtheil also abgefasset. Urtheil selbst. P. P. Daß in Ermangelung gnugsamen Verdachts und Anzeige wieder Elisabeth Kohlin ferner nichts vorzunehmen, sondern sie auch ohne caution und Erstattung einiger Unkosten der gefänglichen Hafft wieder zu erlassen und von der angestellten inquisition wieder zu entbinden. Es ist auch wieder Catharinen Schlteperin, jetzo Christop Adams Eheweib, und Marien, Andreas Missels Eheweib, derer Dinge wegen, weshalben Elisabeth Kohlin vernommen worden, nichts praejudicirliches zu verhängen, sondern es werden dieselben insgesamt bey ihrem gutem Leumuth wieder alle Verläumdungen und unzulängliche suspiciones billig geschützet. V. R. W. Rationes decidendi. Obwohl aus denen beyden Fasciculis Actorum zu ersehen, daß vor dem wieder Catharinen Schlieperin, jetzo wieder Elisabeth Kohlin in puncto magiae inquiriret worden. Dieweil aber dennoch wieder beyde das geringste indicium, das nach Anleitung der Peinlichen Hals-Gerichts-Ordnung Käyser Carl des V.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Obrigkeitskritik und Fürstenberatung: Die Oberhofprediger in Braunschweig-Wolfenbüttel 1568-1714: Bereitstellung der Texttranskription und Auszeichnung in XML/TEI. (2013-02-15T13:54:31Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme entsprechen muss.
Wolfenbütteler Digitale Bibliothek: Bereitstellung der Bilddigitalisate (2013-02-15T13:54:31Z)
Marcus Baumgarten, Frederike Neuber, Frank Wiegand: Konvertierung nach XML gemäß DTA-Basisformat, Tagging der Titelblätter, Korrekturen der Transkription. (2013-02-15T13:54:31Z)

Weitere Informationen:

Anmerkungen zur Transkription:

  • Langes s (ſ) wird als rundes s (s) wiedergegeben.
  • Rundes r (ꝛ) wird als normales r (r) wiedergegeben bzw. in der Kombination ꝛc. als et (etc.) aufgelöst.
  • Die Majuskel J im Frakturdruck wird in der Transkription je nach Lautwert als I bzw. J wiedergegeben.
  • Übergeschriebenes „e“ über „a“, „o“ und „u“ wird als „ä“, „ö“, „ü“ transkribiert.
  • Ligaturen werden aufgelöst.
  • Silbentrennungen über Zeilengrenzen hinweg werden aufgelöst.
  • Silbentrennungen über Seitengrenzen hinweg werden beibehalten.
  • Kolumnentitel, Bogensignaturen und Kustoden werden nicht erfasst.
  • Griechische Schrift wird nicht transkribiert, sondern im XML mit <foreign xml:lang="el"><gap reason="fm"/></foreign> vermerkt.



Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/thomasius_ernsthaffte02_1724
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/thomasius_ernsthaffte02_1724/341
Zitationshilfe: Thomasius, Christian: Ernsthaffte, aber doch Muntere und Vernünfftige Thomasische Gedancken und Errinnerungen über allerhand außerlesene Juristische Händel. Zweyter Theil. Halle, 1724, S. 333. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/thomasius_ernsthaffte02_1724/341>, abgerufen am 11.04.2021.