nige vierseitige hölzerne Leisten, zwischen welche man von Binsen gemachte Jalousie-Matten hängt, die aufgezogen und niedergelassen werden können, und verhindern sollen, theils daß die Vorbeygehenden nicht ins Haus hinein se- hen, theils hauptsächlich aber, daß der Regen nicht an die papiernen Fenster kommen kann. In den Dörfern und kleinen Städten sind die Häuser auf den Seiten, be- sonders die Hinterseite, ebenfalls mit Schindeln, und zwar von Borke, belegt, die durch darauf genagelte ganz schmale und dünne hölzerne Leisten zusammen gehalten werden, und das Eindringen des Regens in der Wand verhüthen.
Fenster sind in jedem Zimmer zwey oder mehrere. Sie fangen beynahe unter der Decke an, und gehen bis auf eine Elle vom Fußboden hinab. Sie bestehen aus leichten Rahmen, die man ausnehmen, einsetzen und in zwey, zu diesem Ende in den Querhölzern und Riegeln oben und unten angebrachten, Vertiefungen oder Ein- schnitten vor einander schieben kann. Diese Rahmen sind durch Leisten oder Sprossen in kleine Parallelogram- me, deren bisweilen an vierzig sind, eingetheilt. Auf der auswendigen Seite sind diese kleinen Fächer, die gleichsam die einzelnen Fensterscheiben ausmachen, mit feinem weißen Papier überzogen, das selten oder nie- mahls mit Oehl getränkt wird, und zwar einen guten Theil des Tageslichts durchläßt, aber alle Aussicht be- nimmt, weil man nicht durchsehen kann. Gläserne Fen- ster werden nicht gebraucht, eben so wenig als man Per- lenmutter oder Glimmer dazu nimmt.
Der Fußboden ist allezeit mit Matten bedeckt, die aus feinen Binsen (Iuncus) geflochten, mit Reißstroh ausgefüllt, drey bis vier Zoll dick und im ganzen Lande von einerley Größe, nämlich ein Klafter lang und ein hal-
Fuͤnfte Abtheilung. Dritter Abſchnitt.
nige vierſeitige hoͤlzerne Leiſten, zwiſchen welche man von Binſen gemachte Jalouſie-Matten haͤngt, die aufgezogen und niedergelaſſen werden koͤnnen, und verhindern ſollen, theils daß die Vorbeygehenden nicht ins Haus hinein ſe- hen, theils hauptſaͤchlich aber, daß der Regen nicht an die papiernen Fenſter kommen kann. In den Doͤrfern und kleinen Staͤdten ſind die Haͤuſer auf den Seiten, be- ſonders die Hinterſeite, ebenfalls mit Schindeln, und zwar von Borke, belegt, die durch darauf genagelte ganz ſchmale und duͤnne hoͤlzerne Leiſten zuſammen gehalten werden, und das Eindringen des Regens in der Wand verhuͤthen.
Fenſter ſind in jedem Zimmer zwey oder mehrere. Sie fangen beynahe unter der Decke an, und gehen bis auf eine Elle vom Fußboden hinab. Sie beſtehen aus leichten Rahmen, die man ausnehmen, einſetzen und in zwey, zu dieſem Ende in den Querhoͤlzern und Riegeln oben und unten angebrachten, Vertiefungen oder Ein- ſchnitten vor einander ſchieben kann. Dieſe Rahmen ſind durch Leiſten oder Sproſſen in kleine Parallelogram- me, deren bisweilen an vierzig ſind, eingetheilt. Auf der auswendigen Seite ſind dieſe kleinen Faͤcher, die gleichſam die einzelnen Fenſterſcheiben ausmachen, mit feinem weißen Papier uͤberzogen, das ſelten oder nie- mahls mit Oehl getraͤnkt wird, und zwar einen guten Theil des Tageslichts durchlaͤßt, aber alle Ausſicht be- nimmt, weil man nicht durchſehen kann. Glaͤſerne Fen- ſter werden nicht gebraucht, eben ſo wenig als man Per- lenmutter oder Glimmer dazu nimmt.
Der Fußboden iſt allezeit mit Matten bedeckt, die aus feinen Binſen (Iuncus) geflochten, mit Reißſtroh ausgefuͤllt, drey bis vier Zoll dick und im ganzen Lande von einerley Groͤße, naͤmlich ein Klafter lang und ein hal-
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Fuͤnfte Abtheilung. Dritter Abſchnitt.
nige vierſeitige hoͤlzerne Leiſten, zwiſchen welche man von
Binſen gemachte Jalouſie-Matten haͤngt, die aufgezogen
und niedergelaſſen werden koͤnnen, und verhindern ſollen,
theils daß die Vorbeygehenden nicht ins Haus hinein ſe-
hen, theils hauptſaͤchlich aber, daß der Regen nicht an
die papiernen Fenſter kommen kann. In den Doͤrfern
und kleinen Staͤdten ſind die Haͤuſer auf den Seiten, be-
ſonders die Hinterſeite, ebenfalls mit Schindeln, und
zwar von Borke, belegt, die durch darauf genagelte ganz
ſchmale und duͤnne hoͤlzerne Leiſten zuſammen gehalten
werden, und das Eindringen des Regens in der Wand
verhuͤthen.
Fenſter ſind in jedem Zimmer zwey oder mehrere.
Sie fangen beynahe unter der Decke an, und gehen bis
auf eine Elle vom Fußboden hinab. Sie beſtehen aus
leichten Rahmen, die man ausnehmen, einſetzen und in
zwey, zu dieſem Ende in den Querhoͤlzern und Riegeln
oben und unten angebrachten, Vertiefungen oder Ein-
ſchnitten vor einander ſchieben kann. Dieſe Rahmen
ſind durch Leiſten oder Sproſſen in kleine Parallelogram-
me, deren bisweilen an vierzig ſind, eingetheilt. Auf
der auswendigen Seite ſind dieſe kleinen Faͤcher, die
gleichſam die einzelnen Fenſterſcheiben ausmachen, mit
feinem weißen Papier uͤberzogen, das ſelten oder nie-
mahls mit Oehl getraͤnkt wird, und zwar einen guten
Theil des Tageslichts durchlaͤßt, aber alle Ausſicht be-
nimmt, weil man nicht durchſehen kann. Glaͤſerne Fen-
ſter werden nicht gebraucht, eben ſo wenig als man Per-
lenmutter oder Glimmer dazu nimmt.
Der Fußboden iſt allezeit mit Matten bedeckt, die
aus feinen Binſen (Iuncus) geflochten, mit Reißſtroh
ausgefuͤllt, drey bis vier Zoll dick und im ganzen Lande
von einerley Groͤße, naͤmlich ein Klafter lang und ein hal-
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Thunberg, Carl Peter: Reisen durch einen Theil von Europa, Afrika und Asien [...] in den Jahren 1770 bis 1779. Bd. 2. Übers. v. Christian Heinrich Groskurd. Berlin, 1794, S. 168. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/thunberg_reisen02_1794/202>, abgerufen am 11.09.2024.
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