bes Klafter breit, und an den beyden längern Seiten mit dünnem, blauem oder schwarzem Bande eingefaßt sind. Nur im Kaiserlichen Schlosse zu Jedo sah ich Matten, die größer als die gewöhnlichen waren. In den Häusern der geringen Leute ist der vordere oder äußere Theil des Zimmers nicht mit Matten belegt, sondern dient zur Diele oder zum äußern Vorzimmer, wo man die Schuhe absetzt; darauf folgt ein erhöheter Fußboden, der mit Matten bedeckt ist, das Wohnzimmer ausmacht, und durch Rahmwände in mehrere abgetheilt werden kann.
Inwendig im Hause werden so wohl die Wände als das Dach mit schönem dicken Papier überklebt, wor- auf mancherley Blumen gedruckt sind. Diese Tapeten sind grün, gelb oder weiß; bisweilen ist auch Silber und Gold darauf angebracht. Der Leim, welchen sie dazu brauchen, besteht aus einem dünnen Brey von Reiß. Da der Rauch des Winters die Tapeten sehr verdirbt, so klebt man alle drey bis fünf Jahr neue auf.
Die Häuser sind sehr geräumig, allein niemahls mehr als zwey Stockwerke hoch, wovon aber gewöhnlich nur das untere bewohnt wird. Im oberen wohnt selten jemand, sondern es wird als Boden, oder dergleichen ge- braucht, um allerhand Sachen hinzusetzen oder zu ver- wahren. Es ist auch gemeiniglich niedriger. Die Häu- ser der Reichen und Vornehmen unterscheiden sich zwar durch Größe, Ansehen und Schönheit, sind aber doch nicht über zwey Etagen oder zehn Ellen hoch.
In den Häusern der Kaufleute und Handwerker macht der an der Straße liegende Vordertheil gewöhnlich die Bude oder Werkstätte aus. Darauf folgt die Küche und die Stuben für die Dienstbothen. Der nach dem Hofe gehende Theil ist eigentlich der, welcher bewohnt wird. Die dicht an den Hof stoßenden Zimmer werden
Haͤuſer und Hausgeraͤth.
bes Klafter breit, und an den beyden laͤngern Seiten mit duͤnnem, blauem oder ſchwarzem Bande eingefaßt ſind. Nur im Kaiſerlichen Schloſſe zu Jedo ſah ich Matten, die groͤßer als die gewoͤhnlichen waren. In den Haͤuſern der geringen Leute iſt der vordere oder aͤußere Theil des Zimmers nicht mit Matten belegt, ſondern dient zur Diele oder zum aͤußern Vorzimmer, wo man die Schuhe abſetzt; darauf folgt ein erhoͤheter Fußboden, der mit Matten bedeckt iſt, das Wohnzimmer ausmacht, und durch Rahmwaͤnde in mehrere abgetheilt werden kann.
Inwendig im Hauſe werden ſo wohl die Waͤnde als das Dach mit ſchoͤnem dicken Papier uͤberklebt, wor- auf mancherley Blumen gedruckt ſind. Dieſe Tapeten ſind gruͤn, gelb oder weiß; bisweilen iſt auch Silber und Gold darauf angebracht. Der Leim, welchen ſie dazu brauchen, beſteht aus einem duͤnnen Brey von Reiß. Da der Rauch des Winters die Tapeten ſehr verdirbt, ſo klebt man alle drey bis fuͤnf Jahr neue auf.
Die Haͤuſer ſind ſehr geraͤumig, allein niemahls mehr als zwey Stockwerke hoch, wovon aber gewoͤhnlich nur das untere bewohnt wird. Im oberen wohnt ſelten jemand, ſondern es wird als Boden, oder dergleichen ge- braucht, um allerhand Sachen hinzuſetzen oder zu ver- wahren. Es iſt auch gemeiniglich niedriger. Die Haͤu- ſer der Reichen und Vornehmen unterſcheiden ſich zwar durch Groͤße, Anſehen und Schoͤnheit, ſind aber doch nicht uͤber zwey Etagen oder zehn Ellen hoch.
In den Haͤuſern der Kaufleute und Handwerker macht der an der Straße liegende Vordertheil gewoͤhnlich die Bude oder Werkſtaͤtte aus. Darauf folgt die Kuͤche und die Stuben fuͤr die Dienſtbothen. Der nach dem Hofe gehende Theil iſt eigentlich der, welcher bewohnt wird. Die dicht an den Hof ſtoßenden Zimmer werden
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Haͤuſer und Hausgeraͤth.
bes Klafter breit, und an den beyden laͤngern Seiten
mit duͤnnem, blauem oder ſchwarzem Bande eingefaßt
ſind. Nur im Kaiſerlichen Schloſſe zu Jedo ſah ich
Matten, die groͤßer als die gewoͤhnlichen waren. In
den Haͤuſern der geringen Leute iſt der vordere oder aͤußere
Theil des Zimmers nicht mit Matten belegt, ſondern dient
zur Diele oder zum aͤußern Vorzimmer, wo man die
Schuhe abſetzt; darauf folgt ein erhoͤheter Fußboden, der
mit Matten bedeckt iſt, das Wohnzimmer ausmacht, und
durch Rahmwaͤnde in mehrere abgetheilt werden kann.
Inwendig im Hauſe werden ſo wohl die Waͤnde
als das Dach mit ſchoͤnem dicken Papier uͤberklebt, wor-
auf mancherley Blumen gedruckt ſind. Dieſe Tapeten
ſind gruͤn, gelb oder weiß; bisweilen iſt auch Silber und
Gold darauf angebracht. Der Leim, welchen ſie dazu
brauchen, beſteht aus einem duͤnnen Brey von Reiß.
Da der Rauch des Winters die Tapeten ſehr verdirbt,
ſo klebt man alle drey bis fuͤnf Jahr neue auf.
Die Haͤuſer ſind ſehr geraͤumig, allein niemahls
mehr als zwey Stockwerke hoch, wovon aber gewoͤhnlich
nur das untere bewohnt wird. Im oberen wohnt ſelten
jemand, ſondern es wird als Boden, oder dergleichen ge-
braucht, um allerhand Sachen hinzuſetzen oder zu ver-
wahren. Es iſt auch gemeiniglich niedriger. Die Haͤu-
ſer der Reichen und Vornehmen unterſcheiden ſich zwar
durch Groͤße, Anſehen und Schoͤnheit, ſind aber doch
nicht uͤber zwey Etagen oder zehn Ellen hoch.
In den Haͤuſern der Kaufleute und Handwerker
macht der an der Straße liegende Vordertheil gewoͤhnlich
die Bude oder Werkſtaͤtte aus. Darauf folgt die Kuͤche
und die Stuben fuͤr die Dienſtbothen. Der nach dem
Hofe gehende Theil iſt eigentlich der, welcher bewohnt
wird. Die dicht an den Hof ſtoßenden Zimmer werden
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Thunberg, Carl Peter: Reisen durch einen Theil von Europa, Afrika und Asien [...] in den Jahren 1770 bis 1779. Bd. 2. Übers. v. Christian Heinrich Groskurd. Berlin, 1794, S. 169. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/thunberg_reisen02_1794/203>, abgerufen am 11.09.2024.
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