für die vornehmsten und bequemsten gehalten, weil sie von dem Geräusche und Lärmen auf der Straße am weitsten entfernt sind; zugleich sind sie die schönsten. Sie haben die Aussicht und auch eine Thür nach ei- nem mit verschiednen Bäumen, Büschen, Gewächsen und Blumentöpfen besetzten Hofe oder leeren Platze, der nach Umständen groß oder klein, auch wohl in der Mitte mit einem kleinen Berge geziert ist. Aus die- sen Ursachen werden die hintersten Zimmer allemahl den Fremden eingeräumt. Sie waren es daher auch, wo wir auf der Reise und zu Jedo logirt zu werden die Ehre hatten.
Selten findet man ein Haus, das nicht ein zum Baden eingerichtetes, und mit den dazu nöthigen Wan- nen und Geräthschaften versehenes Zimmer hat. Es liegt gewöhnlich an der Seite des Hofes. In bessern Häusern, wo besondre Zimmer für Fremde sind, ist dicht bey denselben eine kleine Badestube für diese befind- lich, wo sie sich baden können, wenn sie Lust haben.
In derjenigen Abtheilung des Hauses, welche die Küche vorstellt, ist kein andrer Herd, als ein großes viereckiges Loch, das im Fußboden, oft gerade in der Mitte angebracht, und mit einigen Steinen, in der nämlichen Fläche mit den umher liegenden Matten, belegt ist. Der Kohlenrauch macht das Haus schwarz, weil es keinen andern Schornstein, als nur ein Loch im Dache hat; und die Nähe der Fußboden-Matten verursacht oft Schaden und Unglück, wenn die Leute sich mit dem Feuer nicht sehr in Acht nehmen.
Bey jedem Hause ist in einem kleinen abgesonderten Gebäude ein Abtritt befindlich. Dieser besteht aber bloß aus einer im Fußboden angebrachten länglichen Oeff- nung, auf welche die Japaner sich setzen. An der
Fuͤnfte Abtheilung. Dritter Abſchnitt.
fuͤr die vornehmſten und bequemſten gehalten, weil ſie von dem Geraͤuſche und Laͤrmen auf der Straße am weitſten entfernt ſind; zugleich ſind ſie die ſchoͤnſten. Sie haben die Ausſicht und auch eine Thuͤr nach ei- nem mit verſchiednen Baͤumen, Buͤſchen, Gewaͤchſen und Blumentoͤpfen beſetzten Hofe oder leeren Platze, der nach Umſtaͤnden groß oder klein, auch wohl in der Mitte mit einem kleinen Berge geziert iſt. Aus die- ſen Urſachen werden die hinterſten Zimmer allemahl den Fremden eingeraͤumt. Sie waren es daher auch, wo wir auf der Reiſe und zu Jedo logirt zu werden die Ehre hatten.
Selten findet man ein Haus, das nicht ein zum Baden eingerichtetes, und mit den dazu noͤthigen Wan- nen und Geraͤthſchaften verſehenes Zimmer hat. Es liegt gewoͤhnlich an der Seite des Hofes. In beſſern Haͤuſern, wo beſondre Zimmer fuͤr Fremde ſind, iſt dicht bey denſelben eine kleine Badeſtube fuͤr dieſe befind- lich, wo ſie ſich baden koͤnnen, wenn ſie Luſt haben.
In derjenigen Abtheilung des Hauſes, welche die Kuͤche vorſtellt, iſt kein andrer Herd, als ein großes viereckiges Loch, das im Fußboden, oft gerade in der Mitte angebracht, und mit einigen Steinen, in der naͤmlichen Flaͤche mit den umher liegenden Matten, belegt iſt. Der Kohlenrauch macht das Haus ſchwarz, weil es keinen andern Schornſtein, als nur ein Loch im Dache hat; und die Naͤhe der Fußboden-Matten verurſacht oft Schaden und Ungluͤck, wenn die Leute ſich mit dem Feuer nicht ſehr in Acht nehmen.
Bey jedem Hauſe iſt in einem kleinen abgeſonderten Gebaͤude ein Abtritt befindlich. Dieſer beſteht aber bloß aus einer im Fußboden angebrachten laͤnglichen Oeff- nung, auf welche die Japaner ſich ſetzen. An der
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Fuͤnfte Abtheilung. Dritter Abſchnitt.
fuͤr die vornehmſten und bequemſten gehalten, weil ſie
von dem Geraͤuſche und Laͤrmen auf der Straße am
weitſten entfernt ſind; zugleich ſind ſie die ſchoͤnſten.
Sie haben die Ausſicht und auch eine Thuͤr nach ei-
nem mit verſchiednen Baͤumen, Buͤſchen, Gewaͤchſen
und Blumentoͤpfen beſetzten Hofe oder leeren Platze,
der nach Umſtaͤnden groß oder klein, auch wohl in der
Mitte mit einem kleinen Berge geziert iſt. Aus die-
ſen Urſachen werden die hinterſten Zimmer allemahl
den Fremden eingeraͤumt. Sie waren es daher auch,
wo wir auf der Reiſe und zu Jedo logirt zu werden die
Ehre hatten.
Selten findet man ein Haus, das nicht ein zum
Baden eingerichtetes, und mit den dazu noͤthigen Wan-
nen und Geraͤthſchaften verſehenes Zimmer hat. Es
liegt gewoͤhnlich an der Seite des Hofes. In beſſern
Haͤuſern, wo beſondre Zimmer fuͤr Fremde ſind, iſt
dicht bey denſelben eine kleine Badeſtube fuͤr dieſe befind-
lich, wo ſie ſich baden koͤnnen, wenn ſie Luſt haben.
In derjenigen Abtheilung des Hauſes, welche die
Kuͤche vorſtellt, iſt kein andrer Herd, als ein großes
viereckiges Loch, das im Fußboden, oft gerade in der
Mitte angebracht, und mit einigen Steinen, in der
naͤmlichen Flaͤche mit den umher liegenden Matten, belegt
iſt. Der Kohlenrauch macht das Haus ſchwarz, weil
es keinen andern Schornſtein, als nur ein Loch im Dache
hat; und die Naͤhe der Fußboden-Matten verurſacht oft
Schaden und Ungluͤck, wenn die Leute ſich mit dem Feuer
nicht ſehr in Acht nehmen.
Bey jedem Hauſe iſt in einem kleinen abgeſonderten
Gebaͤude ein Abtritt befindlich. Dieſer beſteht aber bloß
aus einer im Fußboden angebrachten laͤnglichen Oeff-
nung, auf welche die Japaner ſich ſetzen. An der
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Thunberg, Carl Peter: Reisen durch einen Theil von Europa, Afrika und Asien [...] in den Jahren 1770 bis 1779. Bd. 2. Übers. v. Christian Heinrich Groskurd. Berlin, 1794, S. 170. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/thunberg_reisen02_1794/204>, abgerufen am 11.09.2024.
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