gegen die Sonnenhitze. Nur auf Reisen gebrauchen sie einen Hut, der aus einer Art Gras oder Binsen kegel- förmig geflochten ist, und mit einem Bande unter dem Kinne fest gebunden wird. Ein solcher Hut ist sehr dünn und leicht. Auch die Fischer brauchen dergleichen. Verschiedne reisende Frauenspersonen, die uns unterwe- ges begegneten, hatten Mützen auf, die wie tiefe Sup- penschalen aussahen, von Zeug, das mit Gold durch- wirkt war, gemacht, und über den Kopf gestülpt waren. An einigen Orten trägt das weibliche Geschlecht im Win- ter gegen die Kälte eine gar besondre Art Mützen, die den Kopf vorn bedecken, an beyden Seiten ausstehen und unterm Kinne zugebunden werden. Sie werden von weißen seidnen Watten verfertigt, mit Kleister be- strichen und ganz glatt gemacht. Ich habe aber nicht finden können, wie sie im Stande sind zu wärmen.
Durchgängig bedient man sich eines Sonnen- und Regenschirms, um den unbedeckten Kopf gegen die Son- nenstrahlen und den Regen zu schützen.
Auf Reisen, so wohl zu Fuß, als zu Pferde, ge- braucht man auch häufig einen Regenmantel. Dieser ist weit und kurz, von dickem, durch Oehl gezognem Pa- pier, und von derselben Gestalt, als der Talar. Derglei- chen Mäntel tragen die Bedienten der Vornehmen, wenn sie mit ihren Herren reisen; und ich und meine Gefährten mußten auf unsrer Jedoer Reise unsern Aufwärtern, als wir durch den Ort kamen, wo sie verfertigt werden, mit solchen auch ein Geschenk machen. Sie halten allen Re- gen ab, und sind unglaublich leicht, werden auch nicht, wie die Europäischen Mäntel und Oberröcke, vom Re- gen schwerer. Geringe Leute, die sich einen solchen Mantel nicht anschaffen können, hängen eine stroherne Matte über den Rücken, die entweder glatt, oder aus
Kleidung und Putz.
gegen die Sonnenhitze. Nur auf Reiſen gebrauchen ſie einen Hut, der aus einer Art Gras oder Binſen kegel- foͤrmig geflochten iſt, und mit einem Bande unter dem Kinne feſt gebunden wird. Ein ſolcher Hut iſt ſehr duͤnn und leicht. Auch die Fiſcher brauchen dergleichen. Verſchiedne reiſende Frauensperſonen, die uns unterwe- ges begegneten, hatten Muͤtzen auf, die wie tiefe Sup- penſchalen ausſahen, von Zeug, das mit Gold durch- wirkt war, gemacht, und uͤber den Kopf geſtuͤlpt waren. An einigen Orten traͤgt das weibliche Geſchlecht im Win- ter gegen die Kaͤlte eine gar beſondre Art Muͤtzen, die den Kopf vorn bedecken, an beyden Seiten ausſtehen und unterm Kinne zugebunden werden. Sie werden von weißen ſeidnen Watten verfertigt, mit Kleiſter be- ſtrichen und ganz glatt gemacht. Ich habe aber nicht finden koͤnnen, wie ſie im Stande ſind zu waͤrmen.
Durchgaͤngig bedient man ſich eines Sonnen- und Regenſchirms, um den unbedeckten Kopf gegen die Son- nenſtrahlen und den Regen zu ſchuͤtzen.
Auf Reiſen, ſo wohl zu Fuß, als zu Pferde, ge- braucht man auch haͤufig einen Regenmantel. Dieſer iſt weit und kurz, von dickem, durch Oehl gezognem Pa- pier, und von derſelben Geſtalt, als der Talar. Derglei- chen Maͤntel tragen die Bedienten der Vornehmen, wenn ſie mit ihren Herren reiſen; und ich und meine Gefaͤhrten mußten auf unſrer Jedoer Reiſe unſern Aufwaͤrtern, als wir durch den Ort kamen, wo ſie verfertigt werden, mit ſolchen auch ein Geſchenk machen. Sie halten allen Re- gen ab, und ſind unglaublich leicht, werden auch nicht, wie die Europaͤiſchen Maͤntel und Oberroͤcke, vom Re- gen ſchwerer. Geringe Leute, die ſich einen ſolchen Mantel nicht anſchaffen koͤnnen, haͤngen eine ſtroherne Matte uͤber den Ruͤcken, die entweder glatt, oder aus
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Kleidung und Putz.
gegen die Sonnenhitze. Nur auf Reiſen gebrauchen ſie
einen Hut, der aus einer Art Gras oder Binſen kegel-
foͤrmig geflochten iſt, und mit einem Bande unter dem
Kinne feſt gebunden wird. Ein ſolcher Hut iſt ſehr
duͤnn und leicht. Auch die Fiſcher brauchen dergleichen.
Verſchiedne reiſende Frauensperſonen, die uns unterwe-
ges begegneten, hatten Muͤtzen auf, die wie tiefe Sup-
penſchalen ausſahen, von Zeug, das mit Gold durch-
wirkt war, gemacht, und uͤber den Kopf geſtuͤlpt waren.
An einigen Orten traͤgt das weibliche Geſchlecht im Win-
ter gegen die Kaͤlte eine gar beſondre Art Muͤtzen, die
den Kopf vorn bedecken, an beyden Seiten ausſtehen
und unterm Kinne zugebunden werden. Sie werden
von weißen ſeidnen Watten verfertigt, mit Kleiſter be-
ſtrichen und ganz glatt gemacht. Ich habe aber nicht
finden koͤnnen, wie ſie im Stande ſind zu waͤrmen.
Durchgaͤngig bedient man ſich eines Sonnen- und
Regenſchirms, um den unbedeckten Kopf gegen die Son-
nenſtrahlen und den Regen zu ſchuͤtzen.
Auf Reiſen, ſo wohl zu Fuß, als zu Pferde, ge-
braucht man auch haͤufig einen Regenmantel. Dieſer
iſt weit und kurz, von dickem, durch Oehl gezognem Pa-
pier, und von derſelben Geſtalt, als der Talar. Derglei-
chen Maͤntel tragen die Bedienten der Vornehmen, wenn
ſie mit ihren Herren reiſen; und ich und meine Gefaͤhrten
mußten auf unſrer Jedoer Reiſe unſern Aufwaͤrtern, als
wir durch den Ort kamen, wo ſie verfertigt werden, mit
ſolchen auch ein Geſchenk machen. Sie halten allen Re-
gen ab, und ſind unglaublich leicht, werden auch nicht,
wie die Europaͤiſchen Maͤntel und Oberroͤcke, vom Re-
gen ſchwerer. Geringe Leute, die ſich einen ſolchen
Mantel nicht anſchaffen koͤnnen, haͤngen eine ſtroherne
Matte uͤber den Ruͤcken, die entweder glatt, oder aus
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Thunberg, Carl Peter: Reisen durch einen Theil von Europa, Afrika und Asien [...] in den Jahren 1770 bis 1779. Bd. 2. Übers. v. Christian Heinrich Groskurd. Berlin, 1794, S. 185. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/thunberg_reisen02_1794/219>, abgerufen am 11.09.2024.
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