Zwischenraume Erde herausgenommen, und sehr behut- sam unten um die Saat herumgelegt, welche dadurch neuen Saft und Dünger bekommt; die Zwischenräume werden auf diese Art in tiefe Furchen, oder kleine Gra- ben, verwandelt, in welche das Wasser einzieht. Diese mühsame Arbeit macht die Saatfelder zu wirklichen Gartenbeeten, die auf den Anhöhen und Bergen, von kleinen Mauern unterstützt, terrassenförmig übereinan- der hervorragen, welches einen vortreflichen Anblick, gewährt. Zu seiner Zeit wird die Erde wieder weg- genommen, und in die Furche geworfen, und dagegen für das künftige Jahr, das, was Saatbeet war, zu Zwischenraum und Graben gemacht.
Sobald die Gerste abgeschnitten ist, wird nicht sel- ten andre Gerste, oder auch wohl Bohnen zwischen die Stoppeln gesäet, und zwar entweder auf das vorige Beet, oder auf den Zwischenraum, so, daß das Land wirk- lich zweymal im Jahr, obwohl an verschiedenen Stellen, besäet wird, ohne daß der Acker deshalb zum zweyten- mal von vorn bearbeitet werden dürste.
Rübsaamen wird in allen Gegenden von Japan überflüssig gebauet. Im Monath April, sehen über das ganze Land die Aecker von den Blüthen wie vergol- det aus. Die Rübe wird nicht gebraucht, aus dem Saamen aber, welcher im May reif wird, preßt man Oel, das überall in den Lampen gebrannt wird. Die Japaner nennen das Kraut Na Tanne, das Oel Na- tanne Abra oder Natanne no Abra.
Gersten, Weitzen, Kohlsaamen und Senf, wer- den ohne viele Umstände auf Strohmatten, unter freyem Himmel, nicht selten auch in den Dörfern vor der Hausthür, gedroschen, und zwar mit Flegeln, die drey
Schlägel
Erſte Abtheilung. Vierter Abſchnitt.
Zwiſchenraume Erde herausgenommen, und ſehr behut- ſam unten um die Saat herumgelegt, welche dadurch neuen Saft und Duͤnger bekommt; die Zwiſchenraͤume werden auf dieſe Art in tiefe Furchen, oder kleine Gra- ben, verwandelt, in welche das Waſſer einzieht. Dieſe muͤhſame Arbeit macht die Saatfelder zu wirklichen Gartenbeeten, die auf den Anhoͤhen und Bergen, von kleinen Mauern unterſtuͤtzt, terraſſenfoͤrmig uͤbereinan- der hervorragen, welches einen vortreflichen Anblick, gewaͤhrt. Zu ſeiner Zeit wird die Erde wieder weg- genommen, und in die Furche geworfen, und dagegen fuͤr das kuͤnftige Jahr, das, was Saatbeet war, zu Zwiſchenraum und Graben gemacht.
Sobald die Gerſte abgeſchnitten iſt, wird nicht ſel- ten andre Gerſte, oder auch wohl Bohnen zwiſchen die Stoppeln geſaͤet, und zwar entweder auf das vorige Beet, oder auf den Zwiſchenraum, ſo, daß das Land wirk- lich zweymal im Jahr, obwohl an verſchiedenen Stellen, beſaͤet wird, ohne daß der Acker deshalb zum zweyten- mal von vorn bearbeitet werden duͤrſte.
Ruͤbſaamen wird in allen Gegenden von Japan uͤberfluͤſſig gebauet. Im Monath April, ſehen uͤber das ganze Land die Aecker von den Bluͤthen wie vergol- det aus. Die Ruͤbe wird nicht gebraucht, aus dem Saamen aber, welcher im May reif wird, preßt man Oel, das uͤberall in den Lampen gebrannt wird. Die Japaner nennen das Kraut Na Tanne, das Oel Na- tanne Abra oder Natanne no Abra.
Gerſten, Weitzen, Kohlſaamen und Senf, wer- den ohne viele Umſtaͤnde auf Strohmatten, unter freyem Himmel, nicht ſelten auch in den Doͤrfern vor der Hausthuͤr, gedroſchen, und zwar mit Flegeln, die drey
Schlaͤgel
<TEI><text><body><divn="1"><divn="2"><divn="3"><p><pbfacs="#f0354"n="64"/><fwplace="top"type="header"><hirendition="#b">Erſte Abtheilung. Vierter Abſchnitt.</hi></fw><lb/>
Zwiſchenraume Erde herausgenommen, und ſehr behut-<lb/>ſam unten um die Saat herumgelegt, welche dadurch<lb/>
neuen Saft und Duͤnger bekommt; die Zwiſchenraͤume<lb/>
werden auf dieſe Art in tiefe Furchen, oder kleine Gra-<lb/>
ben, verwandelt, in welche das Waſſer einzieht. Dieſe<lb/>
muͤhſame Arbeit macht die Saatfelder zu wirklichen<lb/>
Gartenbeeten, die auf den Anhoͤhen und Bergen, von<lb/>
kleinen Mauern unterſtuͤtzt, terraſſenfoͤrmig uͤbereinan-<lb/>
der hervorragen, welches einen vortreflichen Anblick,<lb/>
gewaͤhrt. Zu ſeiner Zeit wird die Erde wieder weg-<lb/>
genommen, und in die Furche geworfen, und dagegen<lb/>
fuͤr das kuͤnftige Jahr, das, was Saatbeet war, zu<lb/>
Zwiſchenraum und Graben gemacht.</p><lb/><p>Sobald die Gerſte abgeſchnitten iſt, wird nicht ſel-<lb/>
ten andre Gerſte, oder auch wohl Bohnen zwiſchen die<lb/>
Stoppeln geſaͤet, und zwar entweder auf das vorige<lb/>
Beet, oder auf den Zwiſchenraum, ſo, daß das Land wirk-<lb/>
lich zweymal im Jahr, obwohl an verſchiedenen Stellen,<lb/>
beſaͤet wird, ohne daß der Acker deshalb zum zweyten-<lb/>
mal von vorn bearbeitet werden duͤrſte.</p><lb/><p>Ruͤbſaamen wird in allen Gegenden von <placeName>Japan</placeName><lb/>
uͤberfluͤſſig gebauet. Im Monath April, ſehen uͤber<lb/>
das ganze Land die Aecker von den Bluͤthen wie vergol-<lb/>
det aus. Die Ruͤbe wird nicht gebraucht, aus dem<lb/>
Saamen aber, welcher im May reif wird, preßt man<lb/>
Oel, das uͤberall in den Lampen gebrannt wird. Die<lb/>
Japaner nennen das Kraut Na Tanne, das Oel Na-<lb/>
tanne Abra oder Natanne no Abra.</p><lb/><p>Gerſten, Weitzen, Kohlſaamen und Senf, wer-<lb/>
den ohne viele Umſtaͤnde auf Strohmatten, unter freyem<lb/>
Himmel, nicht ſelten auch in den Doͤrfern vor der<lb/>
Hausthuͤr, gedroſchen, und zwar mit Flegeln, die drey<lb/><fwplace="bottom"type="catch">Schlaͤgel</fw><lb/></p></div></div></div></body></text></TEI>
[64/0354]
Erſte Abtheilung. Vierter Abſchnitt.
Zwiſchenraume Erde herausgenommen, und ſehr behut-
ſam unten um die Saat herumgelegt, welche dadurch
neuen Saft und Duͤnger bekommt; die Zwiſchenraͤume
werden auf dieſe Art in tiefe Furchen, oder kleine Gra-
ben, verwandelt, in welche das Waſſer einzieht. Dieſe
muͤhſame Arbeit macht die Saatfelder zu wirklichen
Gartenbeeten, die auf den Anhoͤhen und Bergen, von
kleinen Mauern unterſtuͤtzt, terraſſenfoͤrmig uͤbereinan-
der hervorragen, welches einen vortreflichen Anblick,
gewaͤhrt. Zu ſeiner Zeit wird die Erde wieder weg-
genommen, und in die Furche geworfen, und dagegen
fuͤr das kuͤnftige Jahr, das, was Saatbeet war, zu
Zwiſchenraum und Graben gemacht.
Sobald die Gerſte abgeſchnitten iſt, wird nicht ſel-
ten andre Gerſte, oder auch wohl Bohnen zwiſchen die
Stoppeln geſaͤet, und zwar entweder auf das vorige
Beet, oder auf den Zwiſchenraum, ſo, daß das Land wirk-
lich zweymal im Jahr, obwohl an verſchiedenen Stellen,
beſaͤet wird, ohne daß der Acker deshalb zum zweyten-
mal von vorn bearbeitet werden duͤrſte.
Ruͤbſaamen wird in allen Gegenden von Japan
uͤberfluͤſſig gebauet. Im Monath April, ſehen uͤber
das ganze Land die Aecker von den Bluͤthen wie vergol-
det aus. Die Ruͤbe wird nicht gebraucht, aus dem
Saamen aber, welcher im May reif wird, preßt man
Oel, das uͤberall in den Lampen gebrannt wird. Die
Japaner nennen das Kraut Na Tanne, das Oel Na-
tanne Abra oder Natanne no Abra.
Gerſten, Weitzen, Kohlſaamen und Senf, wer-
den ohne viele Umſtaͤnde auf Strohmatten, unter freyem
Himmel, nicht ſelten auch in den Doͤrfern vor der
Hausthuͤr, gedroſchen, und zwar mit Flegeln, die drey
Schlaͤgel
Informationen zur CAB-Ansicht
Diese Ansicht bietet Ihnen die Darstellung des Textes in normalisierter Orthographie.
Diese Textvariante wird vollautomatisch erstellt und kann aufgrund dessen auch Fehler enthalten.
Alle veränderten Wortformen sind grau hinterlegt. Als fremdsprachliches Material erkannte
Textteile sind ausgegraut dargestellt.
Thunberg, Carl Peter: Reisen durch einen Theil von Europa, Afrika und Asien [...] in den Jahren 1770 bis 1779. Bd. 2. Übers. v. Christian Heinrich Groskurd. Berlin, 1794, S. 64. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/thunberg_reisen02_1794/354>, abgerufen am 11.09.2024.
Alle Inhalte dieser Seite unterstehen, soweit nicht anders gekennzeichnet, einer
Creative-Commons-Lizenz.
Die Rechte an den angezeigten Bilddigitalisaten, soweit nicht anders gekennzeichnet, liegen bei den besitzenden Bibliotheken.
Weitere Informationen finden Sie in den DTA-Nutzungsbedingungen.
Insbesondere im Hinblick auf die §§ 86a StGB und 130 StGB wird festgestellt, dass die auf
diesen Seiten abgebildeten Inhalte weder in irgendeiner Form propagandistischen Zwecken
dienen, oder Werbung für verbotene Organisationen oder Vereinigungen darstellen, oder
nationalsozialistische Verbrechen leugnen oder verharmlosen, noch zum Zwecke der
Herabwürdigung der Menschenwürde gezeigt werden.
Die auf diesen Seiten abgebildeten Inhalte (in Wort und Bild) dienen im Sinne des
§ 86 StGB Abs. 3 ausschließlich historischen, sozial- oder kulturwissenschaftlichen
Forschungszwecken. Ihre Veröffentlichung erfolgt in der Absicht, Wissen zur Anregung
der intellektuellen Selbstständigkeit und Verantwortungsbereitschaft des Staatsbürgers zu
vermitteln und damit der Förderung seiner Mündigkeit zu dienen.
Zitierempfehlung: Deutsches Textarchiv. Grundlage für ein Referenzkorpus der neuhochdeutschen Sprache. Herausgegeben von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Berlin 2024. URL: https://www.deutschestextarchiv.de/.