Wallnüsse und vielerley andre. In den Dörfern trift man an sehr vielen Stellen Mandeln- Pfirschen- und Apricosenbäumen gepflanzt an, deren rothe Blüthe schon im April die alsdann noch unbelaubten Zweige bedeckt. Diese Bäume sowohl als die Pflaumen, Kirsch- Aepfel-Birn- und Quittenbäume, haben hier auch häufig doppelte oder gefüllte Blüthen, worauf die Japaner einen besondern Werth setzen.
Als Gewürze, zieht man in den Gärten, Ingber (Amomum Mioya); den Pfefferbusch (Fagara piperita) wovon man sowohl die Blätter als die Frucht braucht, um Suppen und Brühen einen starken Specereyge- schmack zu geben; wie auch spanischen Pfeffer (Capsi- cum). Senf gebrauchen die Japaner zwar selten ans Essen, aber sie pressen Oel aus den Senfkörnern, das sie in den Lampen brennen. Am meisten säen sie von der niederhangenden Gattung (Sinapis cernua),
Hopfen bauet und gebraucht man in Japan nicht; ich sah ihn aber doch hie und da wild wachsen.
Da in Japan alles Land offen liegt, ohne Zäune und andre Befriedigung, so sieht man viele Küchenge- wächse und Gartenfrüchte auf dem freyen Felde stehen. Eigentliche Gärten giebt es daher keine andere, als die, welche man bey jedem Hause antrift; diese sind aber von unbedeutender Größe, und dienen mehr zur Zierde und zum Vergnügen, als zum Nutzen. Man findet darin Bäume, die mit schönen und großen, oft gefüllten Blumen prangen, und verschiedne Kräuter und Zwie- belgewächse mit vorzüglich schönen Blumen, als indi- sches Felsenkraut (Azalea indica) die Nandine (Nandina domestica) die Gardenie (Gardenia florida) Spierkraut (Spirea), die Magnolie (Magnolia), Sammetblume
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Von der Landwirthſchaft der Japaner.
Wallnuͤſſe und vielerley andre. In den Doͤrfern trift man an ſehr vielen Stellen Mandeln- Pfirſchen- und Apricoſenbaͤumen gepflanzt an, deren rothe Bluͤthe ſchon im April die alsdann noch unbelaubten Zweige bedeckt. Dieſe Baͤume ſowohl als die Pflaumen, Kirſch- Aepfel-Birn- und Quittenbaͤume, haben hier auch haͤufig doppelte oder gefuͤllte Bluͤthen, worauf die Japaner einen beſondern Werth ſetzen.
Als Gewuͤrze, zieht man in den Gaͤrten, Ingber (Amomum Mioya); den Pfefferbuſch (Fagara piperita) wovon man ſowohl die Blaͤtter als die Frucht braucht, um Suppen und Bruͤhen einen ſtarken Specereyge- ſchmack zu geben; wie auch ſpaniſchen Pfeffer (Capſi- cum). Senf gebrauchen die Japaner zwar ſelten ans Eſſen, aber ſie preſſen Oel aus den Senfkoͤrnern, das ſie in den Lampen brennen. Am meiſten ſaͤen ſie von der niederhangenden Gattung (Sinapis cernua),
Hopfen bauet und gebraucht man in Japan nicht; ich ſah ihn aber doch hie und da wild wachſen.
Da in Japan alles Land offen liegt, ohne Zaͤune und andre Befriedigung, ſo ſieht man viele Kuͤchenge- waͤchſe und Gartenfruͤchte auf dem freyen Felde ſtehen. Eigentliche Gaͤrten giebt es daher keine andere, als die, welche man bey jedem Hauſe antrift; dieſe ſind aber von unbedeutender Groͤße, und dienen mehr zur Zierde und zum Vergnuͤgen, als zum Nutzen. Man findet darin Baͤume, die mit ſchoͤnen und großen, oft gefuͤllten Blumen prangen, und verſchiedne Kraͤuter und Zwie- belgewaͤchſe mit vorzuͤglich ſchoͤnen Blumen, als indi- ſches Felſenkraut (Azalea indica) die Nandine (Nandina domeſtica) die Gardenie (Gardenia florida) Spierkraut (Spirea), die Magnolie (Magnolia), Sammetblume
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Von der Landwirthſchaft der Japaner.
Wallnuͤſſe und vielerley andre. In den Doͤrfern trift
man an ſehr vielen Stellen Mandeln- Pfirſchen- und
Apricoſenbaͤumen gepflanzt an, deren rothe Bluͤthe
ſchon im April die alsdann noch unbelaubten Zweige
bedeckt. Dieſe Baͤume ſowohl als die Pflaumen,
Kirſch- Aepfel-Birn- und Quittenbaͤume, haben hier
auch haͤufig doppelte oder gefuͤllte Bluͤthen, worauf die
Japaner einen beſondern Werth ſetzen.
Als Gewuͤrze, zieht man in den Gaͤrten, Ingber
(Amomum Mioya); den Pfefferbuſch (Fagara piperita)
wovon man ſowohl die Blaͤtter als die Frucht braucht,
um Suppen und Bruͤhen einen ſtarken Specereyge-
ſchmack zu geben; wie auch ſpaniſchen Pfeffer (Capſi-
cum). Senf gebrauchen die Japaner zwar ſelten ans
Eſſen, aber ſie preſſen Oel aus den Senfkoͤrnern, das
ſie in den Lampen brennen. Am meiſten ſaͤen ſie von
der niederhangenden Gattung (Sinapis cernua),
Hopfen bauet und gebraucht man in Japan nicht;
ich ſah ihn aber doch hie und da wild wachſen.
Da in Japan alles Land offen liegt, ohne Zaͤune
und andre Befriedigung, ſo ſieht man viele Kuͤchenge-
waͤchſe und Gartenfruͤchte auf dem freyen Felde ſtehen.
Eigentliche Gaͤrten giebt es daher keine andere, als die,
welche man bey jedem Hauſe antrift; dieſe ſind aber von
unbedeutender Groͤße, und dienen mehr zur Zierde und
zum Vergnuͤgen, als zum Nutzen. Man findet darin
Baͤume, die mit ſchoͤnen und großen, oft gefuͤllten
Blumen prangen, und verſchiedne Kraͤuter und Zwie-
belgewaͤchſe mit vorzuͤglich ſchoͤnen Blumen, als indi-
ſches Felſenkraut (Azalea indica) die Nandine (Nandina
domeſtica) die Gardenie (Gardenia florida) Spierkraut
(Spirea), die Magnolie (Magnolia), Sammetblume
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Thunberg, Carl Peter: Reisen durch einen Theil von Europa, Afrika und Asien [...] in den Jahren 1770 bis 1779. Bd. 2. Übers. v. Christian Heinrich Groskurd. Berlin, 1794, S. 67. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/thunberg_reisen02_1794/357>, abgerufen am 11.09.2024.
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