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Tieck, Ludwig: William Lovell. Bd. 1. Berlin u. a., 1795.

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20.
Willy an seinen Bruder Thomas.


Ich glaube Dir darinn, lieber Bruder, was
Du mir von wegen meiner Briefe sagst, ich
weiß es auch, daß sie bei weitem nicht die
schönsten sind, die einem der Briefträger brin-
gen kann; aber das kannst Du mir doch auf
mein Wort glauben, daß sie aus dem allerbe-
sten Herzen kommen. Und dann weiß ich ja
auch, daß Du Deinen guten redlichen Verstand
hast, der immer gleich weiß, was man sagen
will, sonst würd' ich wahrhaftig mit meinem
Briefschreiben übel ankommen; aber einem Ge-
lehrten ist gut predigen. Was ich Dir in dem
nächsten Briefe geschrieben hatte, ist hier immer
noch wahr und ich kann Dir keine andern be-
sondern Neuigkeiten schreiben, ausser daß wir
nun bald von Paris abreisen werden. Der Ita-
liäner, von dem ich Dir neulich ein Paar Wor-
te schrieb, reist mit uns, und das ist mir gar
nicht ganz lieb, der Mann ist mir sehr fatal,
aber ich weiß selber nicht, warum. Du wirst

L 2
20.
Willy an ſeinen Bruder Thomas.


Ich glaube Dir darinn, lieber Bruder, was
Du mir von wegen meiner Briefe ſagſt, ich
weiß es auch, daß ſie bei weitem nicht die
ſchoͤnſten ſind, die einem der Brieftraͤger brin-
gen kann; aber das kannſt Du mir doch auf
mein Wort glauben, daß ſie aus dem allerbe-
ſten Herzen kommen. Und dann weiß ich ja
auch, daß Du Deinen guten redlichen Verſtand
haſt, der immer gleich weiß, was man ſagen
will, ſonſt wuͤrd’ ich wahrhaftig mit meinem
Briefſchreiben uͤbel ankommen; aber einem Ge-
lehrten iſt gut predigen. Was ich Dir in dem
naͤchſten Briefe geſchrieben hatte, iſt hier immer
noch wahr und ich kann Dir keine andern be-
ſondern Neuigkeiten ſchreiben, auſſer daß wir
nun bald von Paris abreiſen werden. Der Ita-
liaͤner, von dem ich Dir neulich ein Paar Wor-
te ſchrieb, reiſt mit uns, und das iſt mir gar
nicht ganz lieb, der Mann iſt mir ſehr fatal,
aber ich weiß ſelber nicht, warum. Du wirſt

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[163[161]/0171] 20. Willy an ſeinen Bruder Thomas. Paris. Ich glaube Dir darinn, lieber Bruder, was Du mir von wegen meiner Briefe ſagſt, ich weiß es auch, daß ſie bei weitem nicht die ſchoͤnſten ſind, die einem der Brieftraͤger brin- gen kann; aber das kannſt Du mir doch auf mein Wort glauben, daß ſie aus dem allerbe- ſten Herzen kommen. Und dann weiß ich ja auch, daß Du Deinen guten redlichen Verſtand haſt, der immer gleich weiß, was man ſagen will, ſonſt wuͤrd’ ich wahrhaftig mit meinem Briefſchreiben uͤbel ankommen; aber einem Ge- lehrten iſt gut predigen. Was ich Dir in dem naͤchſten Briefe geſchrieben hatte, iſt hier immer noch wahr und ich kann Dir keine andern be- ſondern Neuigkeiten ſchreiben, auſſer daß wir nun bald von Paris abreiſen werden. Der Ita- liaͤner, von dem ich Dir neulich ein Paar Wor- te ſchrieb, reiſt mit uns, und das iſt mir gar nicht ganz lieb, der Mann iſt mir ſehr fatal, aber ich weiß ſelber nicht, warum. Du wirſt L 2

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Zitationshilfe: Tieck, Ludwig: William Lovell. Bd. 1. Berlin u. a., 1795, S. 163[161]. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/tieck_lovell01_1795/171>, abgerufen am 11.04.2021.