Tieck, Ludwig: Phantasus. Bd. 2. Berlin, 1812.Zweite Abtheilung. Schlosser. Das ist wahr, er sieht natür- lich aus, wie ein großer Kater. Bötticher. Und bemerken Sie nur seine ganze Maske, wie ich seinen Anzug lieber nennen möchte, denn da er so ganz sein natürliches Aus- sehn verstellt hat, so ist dieser Ausdruck weit pas- sender. Gott segne mir doch auch bei der Gele- genheit die Alten! Sie wissen wahrscheinlich nicht, daß diese Alten alle Rollen ohne Ausnahme in Masken spielen, wie Sie im Athenäus, Pollux und andern finden werden. Es ist schwer, sehn Sie, das alles so genau zu wissen, weil man mit unter diese Bücher deswegen selber nachschlagen muß, doch hat man freilich nachher auch den Vor- theil, daß man sie anführen kann. Es ist eine schwierige Stelle im Pausanias. -- Fischer. Sie wollten so gut seyn, von dem Kater zu sprechen. Bötticher. Ja so. -- Ich will auch alles Vorhergehende nur so nebenher gesagt haben, ich bitte Sie daher alle inständigst, es als eine Note anzusehn, und -- um wieder auf den Kater zu kommen, -- haben Sie wohl bemerkt, daß er nicht einer von den schwarzen Katern ist? Nein, im Ge- gentheil, er ist fast ganz weiß und hat nur einige schwarze Flecke; das drückt seine Gutmüthigkeit ganz vortreflich aus, man sieht gleichsam den Gang des ganzen Stückes, alle Empfindungen, die es er- regen soll, schon im Voraus in diesem Pelze. Fischer. Der Vorhang geht wieder auf! Zweite Abtheilung. Schloſſer. Das iſt wahr, er ſieht natuͤr- lich aus, wie ein großer Kater. Boͤtticher. Und bemerken Sie nur ſeine ganze Maske, wie ich ſeinen Anzug lieber nennen moͤchte, denn da er ſo ganz ſein natuͤrliches Aus- ſehn verſtellt hat, ſo iſt dieſer Ausdruck weit paſ- ſender. Gott ſegne mir doch auch bei der Gele- genheit die Alten! Sie wiſſen wahrſcheinlich nicht, daß dieſe Alten alle Rollen ohne Ausnahme in Masken ſpielen, wie Sie im Athenaͤus, Pollux und andern finden werden. Es iſt ſchwer, ſehn Sie, das alles ſo genau zu wiſſen, weil man mit unter dieſe Buͤcher deswegen ſelber nachſchlagen muß, doch hat man freilich nachher auch den Vor- theil, daß man ſie anfuͤhren kann. Es iſt eine ſchwierige Stelle im Pauſanias. — Fiſcher. Sie wollten ſo gut ſeyn, von dem Kater zu ſprechen. Boͤtticher. Ja ſo. — Ich will auch alles Vorhergehende nur ſo nebenher geſagt haben, ich bitte Sie daher alle inſtaͤndigſt, es als eine Note anzuſehn, und — um wieder auf den Kater zu kommen, — haben Sie wohl bemerkt, daß er nicht einer von den ſchwarzen Katern iſt? Nein, im Ge- gentheil, er iſt faſt ganz weiß und hat nur einige ſchwarze Flecke; das druͤckt ſeine Gutmuͤthigkeit ganz vortreflich aus, man ſieht gleichſam den Gang des ganzen Stuͤckes, alle Empfindungen, die es er- regen ſoll, ſchon im Voraus in dieſem Pelze. Fiſcher. Der Vorhang geht wieder auf! <TEI> <text> <body> <div n="1"> <div n="2"> <div n="3"> <pb facs="#f0187" n="178"/> <fw place="top" type="header"><hi rendition="#g">Zweite Abtheilung</hi>.</fw><lb/> <sp who="#SCHLOSS"> <speaker><hi rendition="#g">Schloſſer</hi>.</speaker> <p>Das iſt wahr, er ſieht natuͤr-<lb/> lich aus, wie ein großer Kater.</p> </sp><lb/> <sp who="#BOET"> <speaker><hi rendition="#g">Boͤtticher</hi>.</speaker> <p>Und bemerken Sie nur ſeine<lb/> ganze Maske, wie ich ſeinen Anzug lieber nennen<lb/> moͤchte, denn da er ſo ganz ſein natuͤrliches Aus-<lb/> ſehn verſtellt hat, ſo iſt dieſer Ausdruck weit paſ-<lb/> ſender. Gott ſegne mir doch auch bei der Gele-<lb/> genheit die Alten! Sie wiſſen wahrſcheinlich nicht,<lb/> daß dieſe Alten alle Rollen ohne Ausnahme in<lb/> Masken ſpielen, wie Sie im Athenaͤus, Pollux<lb/> und andern finden werden. Es iſt ſchwer, ſehn<lb/> Sie, das alles ſo genau zu wiſſen, weil man mit<lb/> unter dieſe Buͤcher deswegen ſelber nachſchlagen<lb/> muß, doch hat man freilich nachher auch den Vor-<lb/> theil, daß man ſie anfuͤhren kann. Es iſt eine<lb/> ſchwierige Stelle im Pauſanias. —</p> </sp><lb/> <sp who="#FISCHER"> <speaker><hi rendition="#g">Fiſcher</hi>.</speaker> <p>Sie wollten ſo gut ſeyn, von dem<lb/> Kater zu ſprechen.</p> </sp><lb/> <sp who="#BOET"> <speaker><hi rendition="#g">Boͤtticher</hi>.</speaker> <p>Ja ſo. — Ich will auch alles<lb/> Vorhergehende nur ſo nebenher geſagt haben, ich<lb/> bitte Sie daher alle inſtaͤndigſt, es als eine Note<lb/> anzuſehn, und — um wieder auf den Kater zu<lb/> kommen, — haben Sie wohl bemerkt, daß er nicht<lb/> einer von den ſchwarzen Katern iſt? Nein, im Ge-<lb/> gentheil, er iſt faſt ganz weiß und hat nur einige<lb/> ſchwarze Flecke; das druͤckt ſeine Gutmuͤthigkeit<lb/> ganz vortreflich aus, man ſieht gleichſam den Gang<lb/> des ganzen Stuͤckes, alle Empfindungen, die es er-<lb/> regen ſoll, ſchon im Voraus in dieſem Pelze.</p> </sp><lb/> <sp who="#FISCHER"> <speaker><hi rendition="#g">Fiſcher</hi>.</speaker> <p>Der Vorhang geht wieder auf!</p> </sp> </div><lb/> <milestone rendition="#hr" unit="section"/> </div> </div> </body> </text> </TEI> [178/0187]
Zweite Abtheilung.
Schloſſer. Das iſt wahr, er ſieht natuͤr-
lich aus, wie ein großer Kater.
Boͤtticher. Und bemerken Sie nur ſeine
ganze Maske, wie ich ſeinen Anzug lieber nennen
moͤchte, denn da er ſo ganz ſein natuͤrliches Aus-
ſehn verſtellt hat, ſo iſt dieſer Ausdruck weit paſ-
ſender. Gott ſegne mir doch auch bei der Gele-
genheit die Alten! Sie wiſſen wahrſcheinlich nicht,
daß dieſe Alten alle Rollen ohne Ausnahme in
Masken ſpielen, wie Sie im Athenaͤus, Pollux
und andern finden werden. Es iſt ſchwer, ſehn
Sie, das alles ſo genau zu wiſſen, weil man mit
unter dieſe Buͤcher deswegen ſelber nachſchlagen
muß, doch hat man freilich nachher auch den Vor-
theil, daß man ſie anfuͤhren kann. Es iſt eine
ſchwierige Stelle im Pauſanias. —
Fiſcher. Sie wollten ſo gut ſeyn, von dem
Kater zu ſprechen.
Boͤtticher. Ja ſo. — Ich will auch alles
Vorhergehende nur ſo nebenher geſagt haben, ich
bitte Sie daher alle inſtaͤndigſt, es als eine Note
anzuſehn, und — um wieder auf den Kater zu
kommen, — haben Sie wohl bemerkt, daß er nicht
einer von den ſchwarzen Katern iſt? Nein, im Ge-
gentheil, er iſt faſt ganz weiß und hat nur einige
ſchwarze Flecke; das druͤckt ſeine Gutmuͤthigkeit
ganz vortreflich aus, man ſieht gleichſam den Gang
des ganzen Stuͤckes, alle Empfindungen, die es er-
regen ſoll, ſchon im Voraus in dieſem Pelze.
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| Zitationshilfe: | Tieck, Ludwig: Phantasus. Bd. 2. Berlin, 1812, S. 178. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/tieck_phantasus02_1812/187>, abgerufen am 26.09.2024. |


