Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Uhse, Erdmann: Wohl-informirter Poët. 2. Aufl. Leipzig, 1719.

Bild:
<< vorherige Seite
Das VIII. Cap. von der Imitation.
Vor Bücher liebestu die Geilheits-vollen Brüste,
Vor Lust zum Lernen sind in dir nur Fleisches Lüste,
Vor das Museum stellt sichs Jungfer Zimmer ein,
Ach wolte doch dein Hertz ein wenig klüger seyn.
Jnzwischen mercke diß: Wirstu die Jungfern meiden,
So reissestu dich selbst aus einem grossen Leyden;
Wilstu hingegen vor wie nach zur Jungfer gehn,
So wirds um dein Gelück gewiß gar müßlich stehn!

Wer nun vorgeschriebene Manieren in seinen Imita-
tion
en zu beobachten beliebet, wird in der Praxi gar
grossen Vortheil verspüren: Wer aber mit einem so
glücklichen Naturell begabet ist, daß er auch ohne
anderer Leute Muster etwas geschicktes ersinnen,
eintheilen und ausführen kan, wird die Regeln von
der Imitation gar wohl entbehren können.
Diß ist das Lied vom
ENDE.

Et prodesse volunt & delectare Poetae.

[Abbildung]

Omne tulit punctum, qui miscuit utile dulci.

Ver-
Das VIII. Cap. von der Imitation.
Vor Buͤcher liebeſtu die Geilheits-vollen Bruͤſte,
Vor Luſt zum Lernen ſind in dir nur Fleiſches Luͤſte,
Vor das Muſeum ſtellt ſichs Jungfer Zimmer ein,
Ach wolte doch dein Hertz ein wenig kluͤger ſeyn.
Jnzwiſchen mercke diß: Wirſtu die Jungfern meiden,
So reiſſeſtu dich ſelbſt aus einem groſſen Leyden;
Wilſtu hingegen vor wie nach zur Jungfer gehn,
So wirds um dein Geluͤck gewiß gar muͤßlich ſtehn!

Wer nun vorgeſchriebene Manieren in ſeinen Imita-
tion
en zu beobachten beliebet, wird in der Praxi gar
groſſen Vortheil verſpuͤren: Wer aber mit einem ſo
gluͤcklichen Naturell begabet iſt, daß er auch ohne
anderer Leute Muſter etwas geſchicktes erſinnen,
eintheilen und ausfuͤhren kan, wird die Regeln von
der Imitation gar wohl entbehren koͤnnen.
Diß iſt das Lied vom
ENDE.

Et prodeſſe volunt & delectare Poëtæ.

[Abbildung]

Omne tulit punctum, qui miſcuit utile dulci.

Ver-
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <lg type="poem">
            <pb facs="#f0152" n="148"/>
            <fw place="top" type="header"> <hi rendition="#b">Das <hi rendition="#aq">VIII.</hi> Cap. von der <hi rendition="#aq">Imitation.</hi></hi> </fw><lb/>
            <l>Vor Bu&#x0364;cher liebe&#x017F;tu die Geilheits-vollen Bru&#x0364;&#x017F;te,</l><lb/>
            <l>Vor Lu&#x017F;t zum Lernen &#x017F;ind in dir nur Flei&#x017F;ches Lu&#x0364;&#x017F;te,</l><lb/>
            <l>Vor das <hi rendition="#aq">Mu&#x017F;eum</hi> &#x017F;tellt &#x017F;ichs Jungfer Zimmer ein,</l><lb/>
            <l>Ach wolte doch dein Hertz ein wenig klu&#x0364;ger &#x017F;eyn.</l><lb/>
            <l>Jnzwi&#x017F;chen mercke diß: Wir&#x017F;tu die Jungfern meiden,</l><lb/>
            <l>So rei&#x017F;&#x017F;e&#x017F;tu dich &#x017F;elb&#x017F;t aus einem gro&#x017F;&#x017F;en Leyden;</l><lb/>
            <l>Wil&#x017F;tu hingegen vor wie nach zur Jungfer gehn,</l><lb/>
            <l>So wirds um dein Gelu&#x0364;ck gewiß gar mu&#x0364;ßlich &#x017F;tehn!</l>
          </lg><lb/>
          <p>Wer nun vorge&#x017F;chriebene Manieren in &#x017F;einen <hi rendition="#aq">Imita-<lb/>
tion</hi>en zu beobachten beliebet, wird in der <hi rendition="#aq">Praxi</hi> gar<lb/>
gro&#x017F;&#x017F;en Vortheil ver&#x017F;pu&#x0364;ren: Wer aber mit einem &#x017F;o<lb/>
glu&#x0364;cklichen <hi rendition="#aq">Naturell</hi> begabet i&#x017F;t, daß er auch ohne<lb/>
anderer Leute Mu&#x017F;ter etwas ge&#x017F;chicktes er&#x017F;innen,<lb/>
eintheilen und ausfu&#x0364;hren kan, wird die Regeln von<lb/><hi rendition="#c">der <hi rendition="#aq">Imitation</hi> gar wohl entbehren ko&#x0364;nnen.<lb/>
Diß i&#x017F;t das Lied vom<lb/>
ENDE.</hi></p><lb/>
          <p> <hi rendition="#c"> <hi rendition="#aq">Et prode&#x017F;&#x017F;e volunt &amp; delectare Poëtæ.</hi> </hi> </p><lb/>
          <figure/>
          <p> <hi rendition="#c"> <hi rendition="#aq">Omne tulit punctum, qui mi&#x017F;cuit utile dulci.</hi> </hi> </p>
        </div>
      </div><lb/>
      <fw place="bottom" type="catch"> <hi rendition="#b">Ver-</hi> </fw><lb/>
    </body>
  </text>
</TEI>
[148/0152] Das VIII. Cap. von der Imitation. Vor Buͤcher liebeſtu die Geilheits-vollen Bruͤſte, Vor Luſt zum Lernen ſind in dir nur Fleiſches Luͤſte, Vor das Muſeum ſtellt ſichs Jungfer Zimmer ein, Ach wolte doch dein Hertz ein wenig kluͤger ſeyn. Jnzwiſchen mercke diß: Wirſtu die Jungfern meiden, So reiſſeſtu dich ſelbſt aus einem groſſen Leyden; Wilſtu hingegen vor wie nach zur Jungfer gehn, So wirds um dein Geluͤck gewiß gar muͤßlich ſtehn! Wer nun vorgeſchriebene Manieren in ſeinen Imita- tionen zu beobachten beliebet, wird in der Praxi gar groſſen Vortheil verſpuͤren: Wer aber mit einem ſo gluͤcklichen Naturell begabet iſt, daß er auch ohne anderer Leute Muſter etwas geſchicktes erſinnen, eintheilen und ausfuͤhren kan, wird die Regeln von der Imitation gar wohl entbehren koͤnnen. Diß iſt das Lied vom ENDE. Et prodeſſe volunt & delectare Poëtæ. [Abbildung] Omne tulit punctum, qui miſcuit utile dulci. Ver-

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/uhse_poet_1719
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/uhse_poet_1719/152
Zitationshilfe: Uhse, Erdmann: Wohl-informirter Poët. 2. Aufl. Leipzig, 1719, S. 148. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/uhse_poet_1719/152>, abgerufen am 17.06.2021.