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Uhse, Erdmann: Wohl-informirter Poët. 2. Aufl. Leipzig, 1719.

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von den Reimen.
Jst in dem Lande Krieg und Streit,
So ist gar hochbetrübte Zeit
Und nichts als lauter Hertzeleid:
Denn in dem Kriege fragt man nicht,
Ob einer diß und das verbricht,
Man sieht gar schlecht auf seine Pflicht.
II. Man kan in einem gantzen Gedichte nur einen ein-
tzigen Reim behalten; wiewohl dieses gehet sehr
schwer an. z. e.
Kan man vom Frieden sagen,
So weichen alle Plagen,
Kein Mensch darff sich beklagen,
Noch in der Noth verzagen,
Er darff nach nichtes fragen,
Sich nicht mit Grillen schlagen,
Noch seine Brust benagen,
Er kan da Glück erjagen,
Will er nur etwas wagen.

Es klinget trefflich schöne, daß einer immer die Oh-
ren davor zustopffen möchte: Allein es gehet bey die-
ser Manier nicht ohne Schwachheiten ab, dannen-
hero ist es am besten, wenn man solche gar unterwegen
lässet.

III. Man kan auch wohl eine Zeile setzen, mit welcher
sich gar keine andere reimet, wie sonderlich in den
Arien zu geschehen pfleget. z. e.
Frisch auf mein Hertz!
Laß allen Kummer fahren,
Du kanst die Klagen sparen,
Weil dich dein JEsus liebt
Und dir in deiner Noth viel Gnaden-Blicke giebt.

Conf. Musen-Cabinet p. 89. & 785.

13. Pflegt
von den Reimen.
Jſt in dem Lande Krieg und Streit,
So iſt gar hochbetruͤbte Zeit
Und nichts als lauter Hertzeleid:
Denn in dem Kriege fragt man nicht,
Ob einer diß und das verbricht,
Man ſieht gar ſchlecht auf ſeine Pflicht.
II. Man kan in einem gantzen Gedichte nur einen ein-
tzigen Reim behalten; wiewohl dieſes gehet ſehr
ſchwer an. z. e.
Kan man vom Frieden ſagen,
So weichen alle Plagen,
Kein Menſch darff ſich beklagen,
Noch in der Noth verzagen,
Er darff nach nichtes fragen,
Sich nicht mit Grillen ſchlagen,
Noch ſeine Bruſt benagen,
Er kan da Gluͤck erjagen,
Will er nur etwas wagen.

Es klinget trefflich ſchoͤne, daß einer immer die Oh-
ren davor zuſtopffen moͤchte: Allein es gehet bey die-
ſer Manier nicht ohne Schwachheiten ab, dannen-
hero iſt es am beſten, wenn man ſolche gar unterwegen
laͤſſet.

III. Man kan auch wohl eine Zeile ſetzen, mit welcher
ſich gar keine andere reimet, wie ſonderlich in den
Arien zu geſchehen pfleget. z. e.
Friſch auf mein Hertz!
Laß allen Kummer fahren,
Du kanſt die Klagen ſparen,
Weil dich dein JEſus liebt
Und dir in deiner Noth viel Gnaden-Blicke giebt.

Conf. Muſen-Cabinet p. 89. & 785.

13. Pflegt
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[27/0031] von den Reimen. Jſt in dem Lande Krieg und Streit, So iſt gar hochbetruͤbte Zeit Und nichts als lauter Hertzeleid: Denn in dem Kriege fragt man nicht, Ob einer diß und das verbricht, Man ſieht gar ſchlecht auf ſeine Pflicht. II. Man kan in einem gantzen Gedichte nur einen ein- tzigen Reim behalten; wiewohl dieſes gehet ſehr ſchwer an. z. e. Kan man vom Frieden ſagen, So weichen alle Plagen, Kein Menſch darff ſich beklagen, Noch in der Noth verzagen, Er darff nach nichtes fragen, Sich nicht mit Grillen ſchlagen, Noch ſeine Bruſt benagen, Er kan da Gluͤck erjagen, Will er nur etwas wagen. Es klinget trefflich ſchoͤne, daß einer immer die Oh- ren davor zuſtopffen moͤchte: Allein es gehet bey die- ſer Manier nicht ohne Schwachheiten ab, dannen- hero iſt es am beſten, wenn man ſolche gar unterwegen laͤſſet. III. Man kan auch wohl eine Zeile ſetzen, mit welcher ſich gar keine andere reimet, wie ſonderlich in den Arien zu geſchehen pfleget. z. e. Friſch auf mein Hertz! Laß allen Kummer fahren, Du kanſt die Klagen ſparen, Weil dich dein JEſus liebt Und dir in deiner Noth viel Gnaden-Blicke giebt. Conf. Muſen-Cabinet p. 89. & 785. 13. Pflegt

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Zitationshilfe: Uhse, Erdmann: Wohl-informirter Poët. 2. Aufl. Leipzig, 1719, S. 27. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/uhse_poet_1719/31>, abgerufen am 06.05.2021.